Monty Python’s Spamalot: „Always look on the bright side of life“
Schlechte Vorzeichen für die Freilichtbühnensaison: Die Produktion „Monty Python’s Spamalot“ musste wegen der Schließung der Freilichtbühne am Roten Tor kurzfristig verlegt werden. Und wieder mal erwies sich das Augsburger Theater als Meister der Improvisationskunst und „zauberte“ eine Ersatzspielstätte aus dem Hut. Monty Python auf dem Gaswerk-Areal hat Charme und kommt beim Publikum an.
Von Halrun Reinholz
König Artus und die farbenfrohen Ritter der Tafelrunde, v.l.: Johan Vandamme, Patrick L. Schmitz, Mehdi Salim, Hannes Staffler, Marina Lötschert, Florian GerteisUm König Artus, seine Tafelrunde und die Suche nach dem heiligen Gral geht es in dem Monty-Python-Film, der als Vorlage für das Musical „Monty Python Spamalot“ dient. Die Filme der legendären Komikergruppe Monty Python aus den 1970er Jahren mit britischem Nonsense-Humor haben Kultstatus. Monty-Python-Mitglied Eric Idle hat aus dem Artus-Film „Die Ritter des Kokosnuss“ ein bühnentaugliches Musical gemacht, ihm aber noch einen musikalischen Hit aus dem Film „Das Leben des Brian“ beigefügt: „Always look on the bright side of life“. Fast könnte man meinen, das Augsburger Theater hätte das Stück ausgewählt, um seine viel erprobte Stehaufmännchen-Situation in Monty-Python-Manier selbstironisch darzustellen. Zumindest wird das Lied als „Singalong“-Angebot in der Aufführung hymnenartig zelebriert. Wie auch immer, die Botschaft an das Publikum zum Ende der Spielzeit lautet eindeutig: Den Spaß an der Kunst lassen wir uns nicht nehmen.
Zunächst muss sich das Publikum an die neuen örtlichen Gegebenheiten gewöhnen: Industrie-Ambiente statt Mittelalter-Kulisse. Die Tribüne ist breit und geht steil hoch. Befürchtungen wegen schlechter Sicht in den ersten Reihen zerstreuen sich schnell, denn das Bühnenbild wird auf drei Ebenen bespielt und man hat alles sozusagen auf komfortabler Augenhöhe.

Die Fee aus dem See und König Artus mit dem gefundenen Gral: Katja Berg, Patrick L. Schmitz (Fotos: Jan-Pieter Fuhr)
Von Anfang an sind die Zuschauer Teil der Aufführung, denn noch vor dem offiziellen Beginn steht die „Fee aus dem See“ (Katja Berg) mit dem Fernglas auf der Bühne, um den passenden Mann für sich zu suchen. Nach einigen Verwerfungen wird sie schließlich fündig und holt „Dieter“ (Patrick L. Schmitz) auf die Bühne, der schnellstens zum König Artus mutiert und sich mit der Hilfe seines Knappen „Patsy“ (Johan Vandamme) auf die Suche nach Gefolgschaft für die Tafelrunde und schließlich auf die Suche nach dem heiligen Gral macht. Auf nicht vorhandenen Pferden reiten die edlen Herren unter dem Geklapper von Kokosnuss-Hälften grazil durch die Lande. Skurrile Abenteuer und absurde Begebenheiten wechseln sich in schneller Folge ab und sorgen im Publikum meist für ungebremste Heiterkeit.
Das liegt vor allem an den versierten Hauptdarstellern, die zum Teil immer wieder auf der Augsburger Freilichtbühne ihr Gastspiel gaben und hier meist in wechselnden Rollen auftraten: Florian Gerteis (Sir Robin, auch wunderbar als Bruder Maynard), Marina Lötschert (Sir Lancelot und Mutter von Sir Galahad), Hannes Staffler (elegant mit Föhn-Locke als Sir Galahad, herrlich auch als Schwarzer Ritter), Mehdi Salim (als ängstlich-inkontinenter Sir Bedevere) und die äußerst wandelbare Stephanie Marin in mehreren Rollen. Unterstützt wurden sie von einem Musicalensemble aus Studenten der Everding-Akademie, dem heimischen Ballettensemble, dem Opernchor und der Statisterie und zusammen zeigten sie sich jeder irrwitzigen Situation mit komischem Potenzial gewachsen. Auch das Publikum war bei der Suche nach dem heiligen Gral gefordert, denn der Fingerzeig Gottes (dem der allen FCA-Fans wohlbekannte Radiomoderator Rolf Störmann seine sonore Stimme leiht) weist auf die Zuschauertribüne. Und selbstverständlich gibt es zum Schluss auch ein Happy-End für die Fee aus dem See, auch wenn diese da noch etwas nachhelfen muss.
Ein herrlicher Klamauk für Monty-Python- und Comedy-Fans. Aber die Inszenierung ist vielschichtig genug, um nicht in plattem Slapstick zu verblöden. Zwar kommt der Sprachwitz des britischen Humors nur ungenügend in der deutschen Version an und vieles, was in den 1970ern als witzig empfunden wurde, musste dem heutigen Zeitgeist gemäß wohl „geglättet“ werden. Doch die Berliner Regisseurin Anna Weber zeigt einen unverkrampften Umgang mit Tabus. Es gelingt ihr, Klischees zu durchbrechen und ad absurdum zu führen, Geschlechterrollen infrage zu stellen und umzukehren, ohne einen moralischen Zeigefinger zu heben und auch ohne sich in peinlicher Korrektheit zu verstricken. Der Ritter „Frauenquote“, ein Regie-Gag in knallig-gelbem Outfit, hat keine Chance, in die Tafelrunde aufgenommen zu werden.
Bemerkenswerterweise ist das Regie-Team überwiegend weiblich. Das Bühnenbild mit See und sehr wandelbarem Ritterhelm im Hintergrund kam von Sina Manthey, die knalligen Kostüme in kräftigen Farben von Laura Kirst, Choreografin war Helena Sturm. Die Musik unter der Leitung von Sebastiaan van Yperen harmonierte beschwingt und gut gelaunt mit dem Geschehen auf der Bühne. Monty Python Spamalot ist ein Spaß für einen schönen Sommerabend, den das Premierenpublikum mit begeistertem Applaus quittierte.




