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Dienstag, 23.06.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Kulturpolitik

„Einigkeit, wenn es zum Schwur kommt“

Der Kulturausschuss plädierte gestern einmütig für neues Stadtarchiv. Jetzt ist der Finanzausschuss gefragt.

Tagesordnungspunkt Nummer sieben war erst gegen 20 Uhr dran, doch wer gemeint hatte, nach gut fünf Stunden sei die Luft raus im Kulturausschuss, wurde eines Besseren belehrt. Um Planungssicherheit für das Stadtarchiv sollte es gehen, und nachdem Stadtarchivar Dr. Michael Cramer-Fürtig einmal mehr in einer Mischung aus Leidenschaft und Verzweiflung gewarnt hatte, im vom Brotkäfer angegriffenen Bestand drohe „wertvolles Kulturerbe“ in zunehmendem Maße „endgültig zerstört zu werden“, schlugen die Wellen noch mal hoch.

Dr. Michael Cramer-Fürtig

Dr. Michael Cramer-Fürtig


Damit der Archivneubau im Jahr 2011 beginnen könne, so Cramer-Fürtigs Appell, brauche das Stadtarchiv schon jetzt die nötigen Planungsmittel. 500.000 bis 750.000 Archivalien müssen dringend ausgelagert, gegen den aggressiven Käfer mit Stickstoff behandelt und dann am sicheren Ort wieder eingelagert werden, gleichzeitig, also sofort, muss mit den Planungen für ein neues Archiv begonnen werden. „Eigentlich“, so Cramer-Fürtig, „müssten wir für drei Jahre schließen, um mit den notwendigen Arbeiten nachzukommen.“ – Das sei allerdings auch wegen des gesetzlichen Auftrags des Archivs gar nicht möglich – die vorgeschriebene Betreuung wissenschaftlicher Arbeiten macht es im Gegenteil erforderlich, dass alle Dokumente auch im ausgelagerten Zustand verfügbar sind.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

Eine Zeit lang schien es, als werde auch dieses Thema im parteipolitischen Hickhack erstmal klein geredet. Im dissonanten Chor der gegenseitigen Schuldzuweisungen wollte zunächst Kulturreferent Peter Grab beweisen, dass unter der Regenbogenregierung zum Thema Stadtarchiv bis zu seinem Amtsantritt „nichts, aber auch gar nichts passiert“ sei, wohingegen Karl-Heinz Schneider (SPD) beschwor, auch er selbst habe regelmäßig Verhandlungen geführt. Der bemerkenswerteste Wortbeitrag kam in diesem Zusammenhang von Theo Gandenheimer (CSU). Den Vorwurf „Sie sind nicht tätig geworden!“ an die jetzige Rathausopposition kommentierte er mit dem schlichten und ehrlichen Satz: „Wir sind nicht tätig geworden.“

Das ging zwar im Getöse unter, trotzdem fand man anschließend relativ schnell und angeführt von Rose-Marie Kranzfelder-Poth zur Einigkeit zurück: „Ich hoffe, dass der Schwur tatsächlich über die Parteigrenzen hinweg gelingt“, hatte die FDP-Stadträtin appelliert – und diesem Statement schlossen sich die anderen Fraktionen an. Was offenbar ernst gemeint war und der besorgten Stimmung im Kulturausschuss Rechnung trug. „Wir haben Bestände, die uns in die Champions League führen könnten, aber wir haben die Bedingungen der Regionalklasse“, betonte Archivar Cramer-Fürtig noch einmal. Doch auch über die möglicherweise geringe Durchschlagkraft des Ausschussvotums war man sich durchaus im Klaren: „Wir werden uns nicht schwer tun, Einigkeit herzustellen – der Schwur muss woanders kommen“, meinte Andreas Jäckel (CSU) mit Blick auf die gespannte Haushaltslage und den Finanzausschuss. Stadtarchivar Cramer-Fürtig konnte also ein gutes Zwischenergebnis mit nach Hause nehmen – ruhig schlafen wird er erst können, wenn es auch andernorts zum Schwur gekommen ist.

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