DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Freitag, 19.06.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Theater

Sebastian Seidel: In Augsburg muss ein großer, kulturpolitischer Wurf entwickelt werden

Die „Augsburger freie Theaterlandschaft“: von links nach rechts Sebastian Seidl (Sensemble), Volker Stöhr (Junges Theater), Sven Moussong, (Moussong Theater); Matthias Klösl (Theaterwerkstatt), Susanne Reng (Junges Theater), Matthias Fischer (Märchenzelt), Lisa Bühler (bluespost productions), Eric Leif Young (theter ensemble), Ferdi Degirmencioglu (Theater interkultur), Gaby Beyer (Klextheater), Leonie Pichler (bluespot productions), Karla Andrä (Fakstheater) und Josef Holzhauser (Fakstheater). Auf dem Foto nicht vertreten: das Theater Fritz & Freunde (Foto: „Die Freien Theater Augsburgs“).

Ob die freien Theater in Augsburg besonders unterstützt werden oder nicht, soll im Rahmen einer Veranstaltungsreihe verschiedener Kulturschaffender („Ständige Konferenz“) im kommenden Herbst geklärt werden. Nicht ein Akteur, sondern der Aktivposten der Freien Theaterszene, Sebastian Seidel, fordert in der DAZ einen visionären Entwicklungsplan 2030 für die gesamte freie Theaterszene. Es gehe dabei um nicht viel weniger als um die Zukunft der freien Theater.

Stellungnahme von Dr. Sebastian Seidel:

Die freien darstellenden Künste in Deutschland haben sich längst zu einer etablierten und gesellschaftsrelevanten Impulskraft für Theater, Tanz und Performance entwickelt. Mittlerweile werden rund ein Viertel aller Produktionen frei produziert (und dabei nicht eingerechnet sind die Produktionen der sogenannten Privattheater). 

Gespielt wird auch in Augsburg mit einer enormen Experimentierfreude, die weit über das topographische Verständnis von „Bühne“ hinausreicht. Die freie Theaterszene öffnet aufgrund ihrer Flexibilität und Mobilität andere Handlungsräume und kann auf aktuelle gesellschaftliche Fragestellungen wendiger reagieren als die „großen Flaggschiffe“ der Theaterhäuser.

Während aber Stadt- und Staatstheater mit Ensemblebetrieb für ihre Arbeit adäquat ausgestattet sind, Gehälter und Honorare entsprechend den Tarifverträgen erhöht werden und der Unterhalt und die Sanierung der Spielstätten Millionen verschlingen, muss um das kulturpolitische Bewusstsein für eine entsprechende Förderung der freien Theaterszene Jahr für Jahr neu gekämpft werden. 

Neben einer kontinuierlichen Erhöhung der Fördermittel braucht es vor allem auch die Stärkung von Strukturen, durch die ein nachhaltiges Produzieren für die Künstler*innen erst möglich wird, und damit geht es auch um die Ausarbeitung ausdifferenzierter Fördermodule. 

In Städten wie Leipzig, München, Hamburg und Berlin ist es in den vergangenen Jahren gelungen, die Förderungen erheblich (z.B. in Leipzig um 1,6 Millionen / München um 1,3 Millionen) zu erhöhen. Auch in Augsburg wurden zur Förderung der „Theaterlandschaft“ erste wichtige Schritte zur Sicherung des vielfältigen Angebots unternommen. Dabei aber darf es nicht stehenbleiben!

Jetzt muss in Augsburg ein großer, kulturpolitischer Wurf entwickelt werden, der zwei Dinge enthalten muss:

  1. Visionärer Entwicklungsplan 2030 für die gesamte freie Theaterszene, um nicht in einigen Jahren wieder von vorne beginnen zu müssen. Dabei geht es neben den Finanzen auch um bezahlbare Räume in einer immer teurer werdenden Stadt! (Stichworte sind faire Bezahlung, Mindesthonorar, soziale Absicherung, Mieten).
  2. Durchlässige, transparente und flexible Förderstrukturen, die einerseits nachhaltiges künstlerisches Arbeiten erlauben und sogleich andererseits den Einstieg hoffentlich nachwachsender Gruppen ermöglichen, die es dringend braucht! (Stichworte sind Nachwuchsförderung, Konzeptionsförderung, Projektförderung, Wiederaufnahme-Förderung, institutionelle Förderung – bundesweite Vergleichsvorlagen dafür hat der Bundesverband Freie Darstellende Künste geliefert).

Das Ziel muss sein, die freien darstellenden Künste auch in Augsburg so zu stärken, dass sie sich vor allem darauf konzentrieren können, was sie ästhetisch ausmacht: Immer neue Inszenierungen und Narrative hervorbringen, die von der Komplexität des Zusammenlebens in einer offenen Gesellschaft erzählen und auf ein breites, kulturell und sozial divergierendes Publikum hin orientiert sind.


Sebastian Seidel studierte Germanistik, Geschichte und Philosophie an der Universität Augsburg und an der University at Albany. Bis 1999 leitete er das Germanistentheater an der Universität Augsburg. Nach dem Studium gründete er 1996 das S’ensemble Theater (heute Sensemble Theater), dessen Leiter er bis heute ist.

 

 

gesamten Beitrag lesen »



Theater zeigt sich mit Publikumszuspruch zufrieden

Das Augsburger Staatstheater verbuchte in der vergangenen Spielzeit 187.000 Besucher bei 662 Vorstellungen. Die Theaterleitung zeigt sich zufrieden: Trotz schwerer Bedingungen habe man erneut eine hervorragende Besucherzahl erreicht. Nach dem Ende der Spielzeit 2018/19 verzeichnet das Staatstheater Augsburg einen vorläufigen Besucherstand von 187.700 bei 662 Vorstellungen. (In der Spielzeit 17/18 waren es 196.677 in 804 […]

gesamten Beitrag lesen »



Jesus Christ Superstar: Ein Mythos, den wir überwinden sollten, statt ihn zu verfestigen

Bereits zum zweiten Mal im noch relativ jungen dritten Millennium der Zeitrechnung läuft die Rockoper „Jesus Christ Superstar“ auf der Augsburger Freilichtbühne. Immerhin ein Werk, das textlich dem Vorwurf der Judenfeindlichkeit ausgesetzt war und ist. Die von Cusch Jung geleitete Produktion des Staatstheaters Augsburg unternimmt dagegen nichts.  Von Bernhard Schiller Als „Jesus Christ Superstar“ am […]

gesamten Beitrag lesen »



Rock-Musical auf der Freilichtbühne: Jesus Christ Superstar

Mit Spannung erwartet: Die Rock-Oper von Andrew Lloyd Webber ist ein Klassiker – bekannt durch einen legendären Film, der Generationen begleitet hat. Jede Inszenierung muss sich daran messen lassen. Vor 12 Jahren war sie schon einmal auf der Augsburger Freilichtbühne zu sehen, nun holte Intendant André Bücker mit Cusch Jung einen Musical-Profi in den Ring. […]

gesamten Beitrag lesen »



Die Toten haben das letzte Wort: Staatstheater Augsburg würdigt Heiner Müller

Nur einmal, aber einmalig!  Leider, so muss hier betont werden, war die Würdigung „Die Toten haben das letzte Wort“ für den Dramatiker Heiner Müller (1929 bis 1995) nur ein einziges Mal zu sehen. Was aber die erkennbar an Sprache und hoher Schauspielkunst interessierten Besucher im Innenhof des Maximilianmuseums erleben durften, war im Doppelsinn des  Wortes […]

gesamten Beitrag lesen »



Käthchen von Heilbronn: Ernsthafter Klamauk mit schrägen Figuren

Kleists „großes historisches Ritterspiel“ gibt Rätsel auf: Kann eine so krude und skurrile Handlung ernst gemeint sein? Wohl eher nicht. Ist es eher als Parodie, als Klamauk oder als Märchen zu inszenieren? Von Halrun Reinholz  Mit diesen Fragen müssen sich Regisseure auseinandersetzen, die das Stück heute auf die Bühne bringen. Da gibt es einiges an Potenzial und Gestaltungsmöglichkeiten. […]

gesamten Beitrag lesen »



»Mehr Drama, Baby!« – Die Theaterpädagogik-Show zum Mitspielen!

Unter dem Motto »Mehr Drama, Baby« findet am 3. Mai der fünfte bundesweite Tag der Theaterpädagogik statt. Anlässlich dieses Aktionstages hat das Staatstheater Augsburg die erste Theaterpädagogik-Show zum Mitspielen für alle Theaterbegeisterten kreiert. Die Frage »Was tun eigentlich Theaterpädagog*innen, wenn sie Theaterpädagogik machen?« wird somit theaterpädagogisch beantwortet: spielerisch, aktiv, kreativ, künstlerisch, darstellerisch, erlebnisorientiert, mit viel […]

gesamten Beitrag lesen »



Theater: Die Sanierung des Großen Hauses beginnt

Am Montag, den 18. März fällt offiziell der Startschuss für die Sanierungsarbeiten des Großen Hauses im Rahmen der bis 2024 dauernden Generalsanierung des Staatstheaters. Die Kasernstraße wird dauerhaft gesperrt. Dies teilte die Stadt Augsburg am Donnerstag mit. Seit mehr als einem Jahr wurden im Großen Haus detaillierte Untersuchungen der Gebäudesubstanz durchgeführt. Jetzt starten erste Arbeiten, […]

gesamten Beitrag lesen »



Tresenlesen Folge 4: »Tür auf, Tür zu«

Jahrelang hat das Schauspielensemble Augsburg die Theke und Bühne des hoffmannkellers bespielt, nun treibt die Theaterbaustelle die Künstler an die Tresen der Stadt. Hier lesen Schauspieler*innen des Augsburger Ensembles literarische Hochkultur ebenso wie populäre Gebrauchsliteratur in lockerer Atmosphäre – bei freiem Eintritt In Folge 4 geht es ums Drinnen und Draußen. Eine leibhaftige, sprechende Tür, eine […]

gesamten Beitrag lesen »



Deutsch-arabisches Puppentheater im abraxas

Am Samstag, den 9. März um 15 Uhr zeigt das Kulturhaus abraxas in der Sommestraße 30 in Zusammenarbeit mit dem Freiwilligenzentrum Augsburg das Puppentheaterstück „Isaak und der Elefant Abul-Abbas“ des jüdischen Puppentheaters bubales. Es erzählt eine wahre Geschichte von einer ungewöhnlichen Freundschaft und einer abenteuerlichen Reise von Bagdad nach Deutschland. Das Theaterstück ist zweisprachig auf […]

gesamten Beitrag lesen »