DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Samstag, 27.06.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Kultur

Barocke Pracht: Mehr als nur ein Katalog für die Sammlung im Schaezlerpalais

Schon als Gebäude ist das Schaezlerpalais ein imposanter Blickfang. Die städtischen Kunstsammlungen zeigen hier vor allem Gemälde des Barock, die mit der Inneneinrichtung stimmig harmonieren. Nun gibt es seit kurzem auch einen prächtigen und umfangreichen Katalog für die „Deutsche Barockgalerie im Schaezlerpalais“

Von Halrun Reinholz

In bester städtischer Lage befindet sich das Rokokopalais, das der Stadt von der Familie Schaezler mit der Auflage kultureller Nutzung gestiftet wurde. So haben die städtischen Kunstsammlungen nun schon seit mehreren Jahrzehnten einen stilvollen Rahmen für die Unterbringung einer der bedeutendsten Sammlungen deutscher Barockmalerei in Bayern. Passender Rahmen dafür ist die  gut 100 Meter lange Zimmerflucht des sich weit nach hinten ziehenden Gebäudes, die im ersten Stock auf den grandiosen Rokoko-Festsaal zuläuft.

Ein zeitgemäßer Katalog des Bestandes war längst überfällig. Der letzte war in einer überarbeiteten Fassung 1984 erschienen und dokumentierte auf kleinem Format die Situation Anfang der  1980er Jahre mit Schwarz-Weiß-Bildern auf dem technischen Stand der Zeit. Der neue, über 400 Seiten starke großformatige Katalog zeigt nun die derzeit ausgestellten Werke nicht nur vollständig, sondern auch ansprechend präsentiert und mit detaillierten fachlichen Erläuterungen. Zu jedem Werk gibt es eine Dokumentation der Provenienz, eine Auflistung von Literaturangaben und einen umfangreichen Beschreibungstext.

Selbstportraits J. U. Mayr (c) Bea Breunig

Über diesen reinen Katalogtext hinaus haben sich die Herausgeber (Christof Trepesch, der Leiter der städtischen Kunstsammlungen mit seinen Mitarbeitern) die Chance zunutze gemacht, auch das bemerkenswerte Gebäude und dessen Historie zu dokumentieren. Handelt es sich doch um „das bedeutendste und am besten erhaltene private Wohn- und Geschäftshaus des 18. Jahrhunderts in Augsburg“, das auch über einen bemerkenswerten und als Geheimtipp gern besuchten Stadtgarten verfügt. Der Silberhändler und Bankier Benedikt Adam Liebert, Edler von Liebenhofen, war einige Jahre vor der Errichtung seines Stradtpalais  in den Reichsadelsstand und damit auch ins Augsburger Patriziat erhoben worden. Diesem Status entsprechend sparte er weder Kosten noch Mühe, um seine Bedeutung im Stadtbild sichtbar zu machen. Das Sulzersche Haus am Weinmarkt, Geburtshaus der Philippine Welser, hatte die ideale Lage dafür, es wurde sorgsam (unter teilweiser Bewahrung der Vorgängerbauten) von namhaften Künstlern der Baubranche  neu gestaltet. Baron von Liebenhofen hatte gute Kontakte zum Münchner Hof und beschäftigte die besten Kräfte für die repräsentative Prachtentfaltung an seinem Palais.  Der beauftragte Architekt Karl Albert von Lespillez war ein Schüler des Münchner Stararchitekten  Francois Cuvillés. Mit der Ausstattung wurden namhafte Künstler beauftragt: Gregorio Guglielmi (der auch in Schönbrunn gearbeitet hat) für die Deckenfresken, die Brüder Franz Xaver und Simpert Feichtmayr für den Stuck, der Bildhauer Placidus Verhelst für die Schnitzarbeiten und dessen Schwager Joseph Christ für die Supraporten. Als besonderen PR-Gag ließ der ehrgeizige Baron den repräsentativen Rokoko-Festsaal von einem prominenten Gast einweihen: Marie Antoinette, Tochter der Kaiserin Maria Theresia, machte auf ihrer Brautfahrt von Wien nach Paris in Augsburg Station und nahm an einem eigens für sie ausgerichteten Festbankett im eilends fertiggestellten Festsaal  des Palais Liebenhofen teil.  Christof Trepesch widmet der Geschichte des Schaezlerpalais  und dessen Nutzung eine ausführliche Dokumentation mit historischem Bildmaterial.

Speisesaal Schaezlerpalais (c) Bea Breunig

Ein eigener Artikel von Julia Klein gilt den auffälligen Supraporten, die ja gleichzeitig auch Teile der Ausstellung sind. Entsprechend der höfischen Mode der Zeit,  sind Zeichen einer Raumdekoration, die den neuen Adelsstand des Bauherren demonstrieren sollten. Im ersten Stock sind Szenen aus Ovids „Metamorphosen“ dargestellt, im zweiten Stock Ereignisse aus der Augsburger Stadtgeschichte.  Technisch sind die Supraporten als „Ton-in-Ton-Malerei“ gefertigt, wobei die Farben an die jeweilige Raumfarbe angepasst sind. Sie schmücken den Platz über den Türen und inszenieren gleichzeitig den Blick in die Raumflucht.

Portrait Jakobine Barbara Mayer (c) Bea Breunig

Mit fundierten kunsthistorischen „Anmerkungen zur deutschen Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts“ ergänzt Josef Strasser den Textteil des Katalogs. Dass sich dieser zeitliche Schwerpunkt für die Augsburger Kunstsammlungen ergab, hat mit dem Vermächtnis des Hofrats Sigmund Röhrer zu tun, der dem Museum 1924 eine bedeutende Anzahl Kunstwerke hinterließ. Durch Ankäufe, Stiftungen und Leihgaben wurde die Sammlung ergänzt. Schwerpunkt ist Malerei aus Augsburg, doch war im 17. Jahrhundert Augsburg eines der wichtigen Zentren der bildenden Kunst in Süddeutschland mit weiter Ausstrahlung und Rezeption der Strömungen der Zeit. Insofern bietet die Sammlung einen repräsentativen Einblick in die Malkunst des 17. Und 18. Jahrhunderts im Heiligen Römischen Reich.

Außer dem aktuellen Stand dokumentiert der Band auch alle Ausstellungen, die in dem Haus im seit 1945  zu sehen waren. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis, ein Abbildungs- und ein Personenregister erleichtern die Orientierung in dem in jeder Hinsicht gewichtigen Buch. Doch vor allem hält man einen wunderbaren Bildband in hervorragender Druckqualität in Händen, der schon beim Durchblättern Lust auf die Originale der Kunstsammlungen macht.

Christof Trepesch (Hrsg.): Die Deutsche Barockgalerie im Schaezlerpalais. Meisterwerke der Augsburger Sammlung. Deutscher Kunstverlag Berlin München 2016. 416 Seiten, 58,00 €

gesamten Beitrag lesen »



Neujahrskonzert in der Kongresshalle: Alles Walzer

Das Konzert zum Jahresbeginn 2017 widmete Generalmusikdirektor Domonkos Héja dem Walzer und moderierte das Programm selbst mit charmantem Augenzwinkern. Von Halrun Reinholz Das große Vorbild aller Neujahrskonzerte in Wien zu kopieren, empfiehlt sich nicht bei all den Konzertveranstaltungen, die es landauf landab zum Neujahrstag gibt. Doch selbstverständlich ist es eine schöne Tradition, das neue Jahr […]

gesamten Beitrag lesen »



Ein Handbuch der unbehaglichen Fakten

Mit seinem neuen Reiseführer „Glaube. Hoffnung. Hass.“ ist dem Augsburger Autor Martin Kluger rechtzeitig zum Lutherjahr 2017 ein umfangreiches Kompendium gelungen, das die bösartigen Wurzeln historischer Denkmäler in Augsburg und der Region bezüglich des bevorstehenden Reformationsjubiläums unter die Lupe nimmt. Von Bernhard Schiller Wer hätte das gedacht: Das beliebte Augsburger Turamichele war ursprünglich ein feindseliges Instrument […]

gesamten Beitrag lesen »



Zauberhafte Kopien: Die opulente Pracht des Historismus in Augsburg

Nach der Dokumentation von Jugendstilbauten legt Karl Fieger im Wissner-Verlag nun einen Band über Augsburger Gebäude und Details im Stil des Historismus vor Von Halrun Reinholz „Historismus“ –  die Bezeichnung impliziert bereits ein leichtes Naserümpfen. Im 19. Jahrhundert und auch gut in die Jahrhundertwende hinein war es beliebt, Stilrichtungen der Vergangenheit aufzugreifen und sie mit […]

gesamten Beitrag lesen »



Vom Räuspern und Lächeln: Max Goldt liest in der Brechtbühne

Seine Kolumnen im Satiremagazin „Titanic“ sind Kult, viele davon finden ihren Weg zwischen Buchdeckel. Mit seinem ausdrucksvollen Vortrag löst der Satiriker beim Augsburger Publikum beschwingte Heiterkeit aus. Von Halrun Reinholz Max Goldt macht nicht viel Aufhebens, er setzt sich hin und liest. Konzentriert und ausdrucksvoll.  Von der Reise nach Katar, auf die er einen Journalisten […]

gesamten Beitrag lesen »



Wohnzimmertheater: Die Buddenbrooks bitten zu Tisch

„Geld Macht Tod“ – die neue Theaterproduktion der Bluespots Productions verlegt die Welt des Lübecker Großbürgertums aus Thomas Manns Buddenbrooks ins Ambiente der Augsburger Renaissance von Halrun Reinholz „Buddenbrooks“ auf der Bühne? Man kennt den Stoff als vielteilige Verfilmung, eine ganze Epoche wird mit komplexen Handlungssträngen in Thomas Manns Roman zum Leben erweckt. Ein kleines […]

gesamten Beitrag lesen »



Sinfoniekonzert: Blick über den Ärmelkanal

Unter der Überschrift „Britain`s got Talent“ widmete sich das 3. Sinfoniekonzert der Augsburger Philharmoniker der Musik aus England von Halrun Reinholz Dass ein „englisches“ Konzert mit Musik von Joseph Haydn anfängt, dessen Sinfonie Nr. 102 B-Dur, ist symptomatisch. Ein eigentlich „musikverrücktes“ Land, wie Haydn notierte, hat im 18. Jahrhundert für eine ganze Weile keine eigenen […]

gesamten Beitrag lesen »



Stadttheater: Der neue Ballettchef steht fest

Für Robert Conn kommt zu Beginn der nächsten Spielzeit im Herbst 2017 ein neuer Ballettchef nach Augsburg: Ricardo Fernando. Nicht nur in Sachen Spielstätten steht das Augsburger Stadttheater vor einem großen Umbruch. Mit Andre Bücker kommt ein neuer Intendant, der neue Pläne in Augsburg realisiert, indem er neue künstlerische Vorstellungen umsetzt und dazu neues Personal […]

gesamten Beitrag lesen »



Theater: Wieder auf der Suche nach einer Spielstätte

Für die im Martinipark vorgesehenen Aufführungen der Stücke  „Pension Schöller“ (Premiere am 1. April 2017) und „Kaspar Hauser“ (Premiere am 23. April 2017) muss eine neue Spielstätte gesucht werden. Der Grund: Die Halle im Martinipark muss für die Interimsspielzeit 2017/18 mit größeren Baumaßnahmen ertüchtigt werden. Das ist bei laufendem Spielbetrieb nur mit großen Beeinträchtigungen möglich. […]

gesamten Beitrag lesen »



Landtag: „Staatstheater Augsburg“ scheitert an CSU

Ein Antrag der Freien Wähler mit der Forderung, das Kunstministerium möge prüfen, ob für Augsburg ein Staatstheater machbar sei, ist gestern im Landtagsausschuss abgelehnt worden. Der Augsburger Landtagsabgeordnete Bernd Kränzle (CSU) enthielt sich der Stimme. Mit Ausnahme Kränzles stimmten die CSU geschlossen gegen das Ansinnen, da dieser Vorstoß nicht mit anderen Theatern in Bayern abgestimmt […]

gesamten Beitrag lesen »