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Donnerstag, 16.09.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Vom Räuspern und Lächeln: Max Goldt liest in der Brechtbühne

Seine Kolumnen im Satiremagazin „Titanic“ sind Kult, viele davon finden ihren Weg zwischen Buchdeckel. Mit seinem ausdrucksvollen Vortrag löst der Satiriker beim Augsburger Publikum beschwingte Heiterkeit aus.

Von Halrun Reinholz

Max Goldt (c) Axel Martens

Max Goldt macht nicht viel Aufhebens, er setzt sich hin und liest. Konzentriert und ausdrucksvoll.  Von der Reise nach Katar, auf die er einen Journalisten an Stelle von dessen Ehefrau begleitet. Ein bearbeiteter Text von früher, als Katar den meisten noch kein Begriff war. Präzise Beobachtungen sprachlich meisterhaft formuliert – das zeichnet den Kolumnisten aus und er hält das Niveau durchgehend. Der Schriftsteller liest aus seinem neuesten Buch: „Lippen abwischen und lächeln“, das Texte der Jahre 2003 bis 2014 versammelt. Auf dem Büchertisch fehlt es, das Weihnachtsgeschäft war besser als erwartet. Abwechselnd dazu Texte aus „Räusper“, gelesene Comics, „Dramolette“ , die an Loriot erinnern. Zum Beispiel der Text der Berufsberatung, der junge Frauen vom Medizinstudium abhalten soll. Max Goldts verhaltene Bühnenpräsenz ist es, die die Wirkung seiner Worte noch verstärkt. Die Zuschauer sind mehrheitlich Eingeweihte, kennen die Texte und hören sie gern immer wieder. Doch Max Goldt hat auch Überraschungen parat, neue Texte,  die er geschickt einstreut und seinen Fans präsentiert. Zum Beispiel als Zugabe, die „24 Stunden Radieschen Diät“ – jede Stunde ein Radieschen, doch um 5 Uhr „nur ein halbes, das ist der Trick, denn sonst wird man ganz schön dick“. Satirisch und doch nicht überspannt  – das kann nicht jeder. Max Goldt schon.