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Musik

„Mensch, lerne tanzen, sonst wissen die Engel nichts mit dir anzufangen“ – Ein Kammerballettabend mit zehn Abwandlungen des Pas de deux

Eine Gala der getanzten Paarbeziehungen: „Made for Two“ als Kammerballettabend in der Brechtbühne

Von Halrun Reinholz

© Jan-Pieter Fuhr

Im klassischen Ballett gibt es den „Pas de deux“, eine Choreographie für zwei Tänzer, in der Regel für eine Tänzerin und einen Tänzer. Das Ritual des klassischen „Pas de deux“ eignet sich für Ballett-Galas, da beide Tänzer, zusammen und auch getrennt, Höhepunkte ihres Könnens zeigen dürfen. Der Kammertanzabend in der Brechtbühne gleicht einer Ballettgala, denn dem Publikum  werden nicht weniger als zehn zeitgemäße Abwandlungen des „Pas de deux“ von sieben verschiedenen Choreografen  präsentiert. 

Eric Gauthier zeigt gleich in der ersten Nummer ein augenzwinkerndes Bild des klassischen Ballett-Trainings und erklärt mit Hilfe seines in Sportkleidung  auftretenden Tanzpaares (Momoko Tanaka und Alessio Pirone) die 102 klassischen Positionen des „Pas de deux“, die diese Tanzform  auf eine rein mechanische Abfolge von Bewegungen reduziert. Doch einleitend gibt er auch zu bedenken, dass „Pas de deux“ nicht grundsätzlich für eine Frau und einen Mann gemacht werden, Paarbeziehungen sind auch unter Männern oder unter Frauen (oder auch zwischen einer Frau und einem Pferd) möglich. Das Pferd tritt im Laufe des Abends nicht auf, doch sonst alle möglichen Paar-Konstellationen. 

Der israelische Choreograph Nadav Zelner, der auch Musicals choreographiert, zeigt das komische Potenzial des Tanzes mit der Choreographie „Alte Zachen“, wo zwei Männer in Boxer-Shorts (Franco Shikuli und Shori Yamamoto) zu „Rock my Soul in the Bossom of Abraham“ oder mit „Chopsticks“, wo zwei Frauen (Ana Isabel Casquilho und Gabriela Zorzete Finardi) zwillingsgleich synchron wie Trommelstöcke tanzen. Gleich drei Choreografien kommen vom Ballettchef des Hauses Ricardo Fernando:  In Midnight Lullaby spielt sich die Beziehungskiste eines Paares (Keiko Okawa und Samuel Maxte) auf einer 1,40 Meter breiten Matratze ab, eine andere hat die Tür als Requisite (A Door between Us, mit Moeka Yugawa und Gustavo Barros) und schließlich wird die „Paar-Beziehung“ zwischen klassischem und modernem Ausdruckstanz in „Swans“ thematisiert: Auf der durch Licht zweigeteilten Bühne tanzt Sewohn Ahn den klassischen „Sterbenden Schwan“, während Cosmo Sancilio ebenfalls im Schwanen-Kostüm sich an einer modernen Ausdrucksform dazu versucht. 

Guillaume Hulot bringt mit „Tuning Another Being“ eine besinnliche Note in die Paarbeziehnung zwischen Nikolaos Doede und Cosmo Sancilio, die er als „zwei Noten derselben Klaviatur“ verstanden haben will. In „No Name“ thematisiert die Choreografin Young Soon Hue eine Freundschaft zwischen (schon optisch) sehr ungleichen Männern (Gustavo Barros und Goncalo Martins da Silva). Annett Göhre inszeniert in der Choreografie „Für Immer“ wie sich ein Paar findet und wieder verliert. 

Den Schlusspunkt setzt die Choreografie von Antonis Foniadakis, der mit acht Tänzerinnen und Tänzern ständig wechselnde Paar-Konstellationen auf die Bühne bringt, die jeweils ineinander übergreifen.  Zusammengehalten werden diese  Einzelaufführungen von  Vittorio Greco, der für die Bühne verantwortlich ist und Anna Malin Jander, die für die passende Lichtchoreografie sorgt. Ein wunderbar runder Genuss für das Publikum, das nachdenklich oder amüsiert, aber auf jeden Fall kurzweilig die hervorragenden Tänzerinnen und Tänzer des Ensembles genießt und sich mal wieder davon überzeugen konnte, dass Ballett kein „verstaubtes Gehupfe“ ist. Die Choreografien sind alle doppelt besetzt, sodass die Aussicht auf viele weitere Termine besteht. 

„Mensch, lerne tanzen, sonst wissen die Engel nichts mit dir anzufangen“, zitiert das Programmheft Augustinus Aurelius. Da könnte was Wahres dran sein. Zumindest mag man das nach diesem Tanzfest in der Brechtbühne gern glauben.

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