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Dienstag, 30.06.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Musik

Geretteter Abend

Synagoge: Festival der 1000 Töne startete mit Klezmermusik

Von Frank Heindl

Beinahe wär’s peinlich geworden, aber dann ging doch noch mal alles gut. In der mäßig besuchten Synagoge begann gestern das „Festival der 1000 Töne“ mit dem „Münchner Klezmer Trio“, das seine 08/15-Klezmersongs uninspiriert und mitunter geradezu laienhaft herunterdudelte und verdienterweise mit höflichem Applaus ohne Zugabe verabschiedet wurde. Glücklicherweise waren danach „Klezgoyim“ aus Bremen dran – nach wenigen Minuten war der Frust vergessen und der Abend gerettet.

Klezgoyim musizierte in bester, allerbester Klezmertradition

Klezgoyim musizierte in bester, allerbester Klezmertradition


„Die unglaubliche Vielfalt von Stimmen und Tönen, die heute in der Stadt da sind, zum Klingen zu bringen“ – das sei eine der Aufgaben des Festivals der 1000 Töne, sagt Veranstalter und Organisator Hansi Ruile. „Klezgoyim“ musizierte in diesem Sinne. Schon der Name der Band ist Programm: Das Wort für den jüdische fahrende Musiker, der Klezmer eben, mischt sich mit der jüdischen Bezeichnung für die nicht-jüdische Bevölkerung: die Goyim. Und bei Worten bleibt es nicht – auch seine Musik versteht das Quintett als eine Synthese aus traditionellen Klezmerstoffen und „neuer goyischer Musik“. Wobei das Material der eigenen Stücke wiederum aus Reisen und musikalischen Erfahrungen in anderen Ländern stammt – zum Beispiel aus Istanbul, wie gleich mehrere Stücke bewiesen.

Schon im ersten Stück verschmolzen jiddische, rumänische und albanische Einflüsse zu einem mitreißenden Stück voller Balkanfeeling in perfekter musikalischer Darbietung. Tradition und Innovation – was sich so theoretisch anhört, kam hier quirlig und mitreißend rüber: Einfallsreiche Arrangements mit wechselnder Instrumentierung, , überraschende Rhythmen- und Themenwechsel zuhauf – das machte nicht nur dem Publikum Spaß, sondern auch der Band, die mit nach unten ausstrahlender Spielfreude die Bühne der Synagoge ausfüllte und nahezu barst vor unaufgesetzter Fröhlichkeit und leichtfüßiger Musikalität. Jedes Stück entwickelt sich vor der Zuhörerschaft, aus einem langsamen, innig-introvertierten Intro beispielsweise wird ein leidenschaftlicher Tanz … Die Musiker sind der virtuose Klarinettist Martin Kratzsch und die ebenso phänomenale Akkordeonistin Sanne Mörike, die zwischendurch auch mal eben ans Tenorhorn wechselt; der ebenfalls mit allen Klezmerwassern gewaschene Saxophonist (und Komponist vieler Stücke) Peter Dahm; Ralf Stahn an Kontrabass und Tuba, der zupfend und mit dem Bogen markante Grundstimmungen schafft; und schließlich Susanne Sasse, deren lustvollem Spiel die Band sogar ein eigenes Stück widmet. Gerne hätte man noch viel viel mehr von diesen in bester Klezmertradition Laune machenden musikalischen Wirbelwinden gehört – und nach dem enttäuschenden Einstieg war am Ende auch die Lust wieder da auf die vielen spannenden Konzerte, die das Festival der 1000 Töne in den nächsten Tagen und Wochen bietet.

Ein ausführliches Gespräch mit Veranstalter Hansi Ruile zum Festival der 1000 Töne bringt die DAZ in der nächsten Woche.

» Klezgoyim im Internet

DAZ-Tipp:



Das Ensemble Sarband konzertiert am kommenden Freitag, 6. November im Goldenen Saal des Rathauses. Hier gibt es die Vermischung von Orient und Okzident in jüdischen, christlichen und muslimischen Psalmvertonungen. Das Festival-Programmheft spricht zu recht von einer „musikalischen Sensation“.



Am Samstag, 7. November gastiert in Rokoko Saal die Unterbiburger Hofmusik. Auch hier geht’s um Vermischung: durcheinander gemixt werden urbayrische Volksmusik und der Jazz des Posaunisten Jay Ashby. Gefasst machen darf man sich auf ein fröhlichstes Aufeinanderprallen grundverschiedener Kulturen mit musikalischem Höchstgewinn.



» www.kresslesmuehle.de

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