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Freitag, 19.08.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

Große Oper auf der großen Bühne, Nachwuchs im Foyer

„Don Carlos“ und „Il Re Pastore“ – zwei Opernpremieren stehen an

Von Frank Heindl

Nach drei Schauspielpremieren in den letzten Wochen ist nun endlich die Oper dran: Am Sonntag präsentierte das Theater Augsburg in der Sonderveranstaltung „Oper Extra“ Einführungen zu den beiden Premieren am kommenden und am darauf folgenden Wochenende. Verdis „Don Carlos“ sowie „Il Re Pastore“ von Mozart stehen auf dem Programm.




Im Foyer des Stadttheaters präsentierte die Opernmannschaft am Sonntagvormittag gut gelaunt und mitunter regelrecht enthusiastisch, was vom kommenden Wochenende an in der Opernsparte geboten wird. Da ist zum einen die ganz große Oper: Mit Giuseppe Verdis „Don Carlos“ kommt, erstmals am Samstag, 17. Oktober, ein Spätwerk des italienischen Komponisten auf die Bühne, das, so Operndirektor Ralf Waldschmidt, „eine riesige Herausforderung für unser Haus“ darstellt. Verdi hat Schillers Tragödie um den Kampf der Niederlande gegen die spanische Herrschaft in Töne gehüllt, die, so Generalmusikdirektor Dirk Kaftan, „teilweise an der Grenze zur Neuen Musik“ angesiedelt sind. Die Oper sei „das dunkelste, hintergründigste, experimentellste Stück von Verdi.“ Es sei, findet Kaftan, ein musikalisches Wunder, „dass fast alle Opern von Verdi schlecht enden und wir trotzdem nicht deprimiert nach Hause gehen.“ Die schönste Musik gebe es bei Verdi anlässlich von Tod und Abschied, doch die Botschaft sei stets, „dass wir Einfluss haben“, dass mithin die Kämpfe der Menschen um historische Veränderungen nicht vergeblich seien. In der Grundaussage sind also Verdi und Schiller durchaus einig, wenngleich die Oper die Konflikte mehr auf die menschlichen Aspekte zuspitzt.

Mozarts Jugendwerk für den Musikernachwuchs

Bei der zweiten Opernproduktion handelt es sich um ein Auftragswerk, das der junge Komponist als 19jähriger geschrieben hat – Anlass war der Besuch von Erzherzog Maximilian Franz beim Salzburger Erzbischof. „Il Re Pastore“ ist eine „Serenata“ – ein kleineres Werk, das auch schon zur Zeit seiner Entstehung in einer Mischung aus Konzert und szenischer Inszenierung aufgeführt wurde. Diesem Konzept folgt auch die Augsburger Inszenierung – allerdings wird Mozarts 11. Oper hier als „Spiel im Spiel“ präsentiert: Fünf junge Sänger suchen nach einem Spielort für eine Oper, entdecken dabei das Theaterfoyer, gestalten es mit einfachen Requisiten um – und dann beginnt ein Verwirrspiel, in dessen Mitte zum einen der Welteroberer Alexander der Große steht, zum anderen der Schäfersohn Aminta. Der Schäfer wird schließlich König sein, doch vor das Happy End hat Mozart jede Menge Schwierigkeiten gestellt – vor allem mit Alexander dem Großen, den Regisseur Alexander (!) May als „sehr eitlen, sehr eingebildeten Typ“ schildert, der „keinen Blick für die Bedürfnisse der Menschen um sich herum“ habe. „Junge Leute, die nicht wissen, wer sie sind, machen einen Lebensplan, der von der Politik durchkreuzt wird“ – so fasst Operndirektor Waldschmidt die Handlung zusammen.

Weil allerdings die Hauptkapazitäten der Augsburger Oper schon mit „Don Carlos“ gebunden sind, hat man am Theater eine spannende Lösung gefunden: Die Hälfte der Musiker (die Sänger eingeschlossen) kommt nicht aus dem Großen Haus, sondern von der Musikhochschule. Manche Instrumentengruppen des Orchesters sind sogar zu hundert Prozent in Studentenhand. Dirigentin Carolin Nordmeyer schildert mit großer Begeisterung, wie Ensemblemitglieder und Orchestermusiker dem Nachwuchs mit Rat und Tat beiseite stünden. Gespannt darf man neben der musikalischen Komponente wohl auch auf die Inszenierung im Theaterfoyer sein: Das Orchester wird sich seitlich zwischen den Säulen befinden, die Mitte des Foyers dient als Bühne – und das Publikum sitzt außen im Kreis. „Il Re Pastore“ wird zum ersten Mal am Sonntag, 25. Oktober aufgeführt.

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