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Dienstag, 23.06.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Musik

Mozartfest: Teatro d’Amore – Monteverdi neu aufgelegt

Ein Crossover-Projekt mit modernem Zeitgeist und Improvisation, dessen überraschender Höreindruck das Publikum begeistert: Christina Pluhar eröffnete gestern mit ihrem Ensemble L’Arpeggiata das Augsburger Mozartfest 2017.

Von Andrea Huber

Neue Noten ins Augsburger Mozartfest bringt nicht nur Simon Pickel als neuer künstlerischer Leiter, sondern auch das Festivalthema „Spurensuche“. Der pinke Pfeil zieht sich wie ein roter Faden durch Programmheft: „Flyer, Sitzwürfel und Banner und sollen für „Spurensuche“ stehen“, so Thomas Weitzel am gestrigen Freitag in seiner Begrüßung im ausverkauften Parktheater.

Wer weiß genau, wie Monteverdis Musik damals geklungen hat? Für Christina Pluhar ist der Wunsch nach Authentizität nicht realisierbar. Notentexte aus der Zeit Monteverdis zum Zweck der Gedächtnishilfe geben deshalb viel Raum für Improvisation und lassen diese zu einem wesentlichen Teil der Aufführungspraxis werden.

Eröffnungskonzert Mozartfest 2017: Christina Pluhar mit Ensemble L'Arpeggiata, Céline Scheen (Sopran), Vincenzo Capezzuto (Alt), Anna Dego (Tanz). Foto (c) Christian Menkel

Eröffnungskonzert Mozartfest 2017: Christina Pluhar mit Ensemble L'Arpeggiata, Céline Scheen (Sopran), Vincenzo Capezzuto (Alt), Anna Dego (Tanz) (v.l.) Foto (c) Christian Menkel




Das Ensemble L’Arpeggiata vermengt die Barocke Musik Monteverdis und seiner Zeitgenossen mit Jazz- und Blueselementen, mit Volksmusik bis hin zum Rap – weit über die bisherige Vorstellungskraft der um Authentizität bemühten Alte Musik-Puristen hinaus und öffnet mit dieser Herangehensweise neue Empfindungsräume und Klangkompositionen, die tief in die menschliche Empfindungslust hinein leuchten und somit neue Welten erschaffen.

Groovige Basslinien und Hammond-Sound am Orgelpositiv gepaart mit virtuosen Improvisationen und imposanten perkussiven Elementen lösen die vergangenen Jahrhunderte auf und verdichten die Zeit auf einen Punkt der wahren Empfindung. Die Zeit verlor gestern Abend ihre Bedeutung: Christina Pluhar und ihr Ensemble generierten ein atemberaubendes Erlebnis.

Herausragend die Solisten: Céline Scheen zählt zu den gefragtesten Sopranistinnen der „Alten Musik“ und sang sich als Ersatz für Nuria Rial lebendig und zugleich empfindsam, mit klarem, strahlendem Timbre in die Herzen der Zuschauer. Vincenzo Capezzuto intonierte mit seiner ungewöhnlich hellen Alt-Stimme sicher und anrührend.

Das Publikum dankte mit langanhaltendem frenetischem Applaus.

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