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Freitag, 24.04.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Festival

Brechtfestival: „Das Chaos ist aufgebraucht …“

Prominenz bei der großen Geburtstagsgala für Bertolt Brecht

Von Halrun Reinholz

Es hat sich schon so eingespielt in den letzten Jahren – das Brechtfestival feiert immer auch explizit den Geburtstag seines Protagonisten und wie in jedem Jahr kamen von nah und fern prominente Geburtstagsgäste, um dem Augsburger Dichter ihre Reverenz zu erweisen. Passend zum Thema der diesjährigen Reihe war eine „Revue im Stil der 20er Jahre“ angekündigt. Thomas Thieme, dem Augsburger Brecht-Publikum spätestens seit seiner „Baal“ – Inszenierung des letzten Jahres bestens bekannt, sollte gemeinsam mit der „Grande Dame der deutschen Schauspielwelt“ Iris Berben „durch das Programm führen“. Weitere Details der Programmplanung blieben eher im Dunkeln, aber das Festivalpublikum vertraute dem bereits bewährten Konzept des Festivalleiters Joachim A. Lang und strömte ins Große Haus.

Heiteres Prominentenraten

Ein Programmheft gab es nicht, aber immerhin einen Handzettel mit den (alphabetisch sortierten) Namen der auftretenden Personen und Ensembles – manche mehr, manche weniger bekannt. Entgegen der Ankündigung führten die beiden Schauspieler auch nicht durch das Programm, sondern lasen Texte von oder über Brecht. Deshalb wurde die Veranstaltung im wahrsten Sinne des Wortes zu einer Überraschungsparty für die Zuschauer und einige der Auftretenden konnten erst im Nachhinein im Gespräch oder mit Hilfe von Google und der Namensliste zugeordnet werden. Dass der junge Mann, der was über Sport vorlas, in Wahrheit die Boxerin Tina Schüßler war, erschloss sich so manchem nicht. Auch der ältere Herr, der Brechts Verhältnis zum Geld (von Karteikarten ablesend) thematisierte, war kein Schauspieler, sondern der Unternehmer Heinz Dürr, der über eine Stiftung gemeinsam mit seiner Frau das deutschsprachige Theater unterstützt. Diese Informationen wären für das Publikum sicher hilfreich gewesen, aber es gehörte wohl zum Konzept des Veranstalters, das Publikum wach und aktiv zu halten.

Brecht-Songs in allen Facetten

Die Hauptprotagonisten waren sowieso die Künstler, die Brecht selbst zu Wort kommen ließen. Klassisch im roten Spitzenkleid die bereits bekannte Pe Werner mit ihrem Pianobegleiter Peter Grabinger. Ganz anders, aber ebenso vertraut, die Interpretationen von Katharina Thalbach im braven Schulmädchen-Hänger, die zwar unverkennbar expressiv sang (Begleitung: Christoph Israel), den Text aber unverständlicherweise ablesen musste. Eine echte Überraschung war die Gruppe um Daniel Kahn (von der Berliner Klezmer-Band „Painted Bird“), der mit Gitarre, Mundharmonika und Ukulele in Erscheinung trat. Gemeinsam mit dem Bassisten Michael Tuttle und der Sängerin Sasha Lurje präsentierten sie Brecht-Songs in jiddischer, englischer oder russischer Version. Als Zugabe Franz Josef Degenhardt auf jiddisch – Heine und Tucholsky haben sie auch im Repertoire. Ungewohnt der Klang der Brecht-Songs von Rainer von Vielen und seinem Begleiter Michael Schönmetzer, die sie selbst vertont hatten. Eine wiederum vollkommen andere Klangfarbe kam von der Bolschewistischen Kurkapelle schwarz-rot Berlin, die mit viel Bläserunterstützung und dem Solisten Nino Sandow klassische Arbeiterlieder schmetterte. Aus Augsburg war das Drehorgelorchester wieder dabei und vier Mädchen der Montessorischule, die zwei Brecht-Gedichte zum Besten gaben.

Ein rundes Programm ohne Sensationen

Zwischen den Nummern kam immer wieder die Zeitgeschichte zu Wort – Filmausschnitte und Interview-Schnipsel wurden an die Wand projiziert. In der Schlusschoreographie Zugaben von (fast) allen und schließlich als Rausschmeißer Thomas Thieme und Iris Berben, sie berichteten „von dem Bordell, der unser Haushalt war“. Großer Applaus für eine routinierte Show ohne besondere Sensationen, das Highlight war mit Patty Smith am Vorabend schon verbraten. Leise fragt man sich, ob bei der Geburtstagsparty im nächsten Jahr nicht vielleicht mal ein paar neue Akzente gesetzt werden sollten. Und das nicht trotz, sondern gerade wegen den hohen Besucherzahlen und dem guten Erfolg des diesjährigen Festivals.

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