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Dienstag, 16.06.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Baukultur

Neuer Schwung im Mozarthaus

Schüler führen Schüler, Rapper rappen Mozart

Von Frank Heindl

„Schüler führen Schüler“ – das Konzept wird derzeit in der Landesausstellung „Bayern-Italien“ erprobt, nun will sich auch das Augsburger Mozarthaus die Tatsache zunutze machen, dass Schüler am liebsten nicht dem Lehrer, sondern Gleichaltrigen zuhören. Unter anderem diese Aktion soll neues Leben ins alte Gemäuer bringen, soll dabei helfen, Augsburg deutlicher als Leopold-Mozart-Stadt zu profilieren und soll schließlich auch dem Mozarthaus noch mehr Besucher zuführen.

Steffi, Christian und Alex waren am Montag dabei, als es darum ging, der Presse erste Eindrücke vom aufgemöbelten Haus in der Frauentorstraße zu vermitteln. Die Schüler der achten Klasse der Wirtschaftsschule Frenzel gestalten und üben die Führungen in einem Unterrichtsprojekt. Steffi beispielsweise darf zukünftig Besuchergruppen erklären, was zu Mozarts Zeiten „als erotisch galt“. Zum Beispiel, so erzählt sie, seien schon damals „High Heels“ Mode gewesen. Nur wurden die hochhackigen Schuhe im 18. Jahrhundert – von Männern getragen. So etwas muss man weder wissen, wenn man sich für die Musik von Wolfgang Amadeus, noch, wenn man sich für die neuartigen musikpädagogischen Konzepte seines Vaters Leopold interessiert. Schülern allerdings, so ist zu hoffen, macht man auf solche Weise und über solche Umwege auch Themen schmackhaft, für die sie sich nicht unbedingt spontan interessieren. Deshalb gibt’s dann eben auch noch Informationen über die damaligen Damenfrisuren („Man hatte da ein Riesengestell auf dem Kopf“) und Stoffmoden (mit Taft-Exemplaren zum Probefühlen).

Ziel: 20.000 Besucher im Jahr

Bei der Regio Augsburg freut man sich über die die teilweise Neugestaltung des Mozarthauses, weil, so Geschäftsführer Götz Beck, „wir es spannend finden, wenn das Haus lebt“ – deshalb dürfe es ruhig auch mal laut und umtriebig zugehen. Wolfgang Reß, Leiter der Sing- und Musikschule Mozartstadt Augsburg, bläst ins selbe Horn: Durch die Öffnung des Hauses für Kinder und Jugendliche „kommen immer mehr Leute hierher, die das bisher versäumt haben.“ Beck glaubt denn auch, dass sich die Besucherzahlen des Mozarthauses noch verbessern lassen. Derzeit sind es um die 15.000 pro Jahr, nur im Mozartjahr waren es mehr. Doch selbst die Spitzenzahl von damals (ca. 19.000 Besucher) möchte Beck übertrumpfen: einen Durchschnitt von 20.000 Gästen pro Jahr gibt er als Ziel an.

Für Kulturamtsleiter Thomas Weitzel stellt die Aufwertung des Mozarthauses einen Mosaikstein dar in seinem Bestreben, Augsburg noch mehr als Mozartstadt ins Gespräch zu bringen. Das Mozarthaus spiele eine wichtige Rolle dabei, „unser Alleinstellungsmerkmal“ deutlicher zu positionieren. Gemeint ist damit Mozart Vater, denn Wolfgang Amadeus reklamieren auch andere – und zu Recht – für sich. Der Musikpädagoge Leopold Mozart aber lebte nun einmal in Augsburg. Daher Weitzels Devise, man müsse sich künftig noch mehr „auf musikpädagogische Dinge konzentrieren“, sprich: Mozart Vater stärker in den Mittelpunkt rücken. Als nächsten Schritt gelte es, „die Dinge zusammenzudenken“ und beispielsweise die „Fülle von Veranstaltungen in Augsburg“ unter einer „gemeinsamen Dachmarke zu bündeln.“ So und mit einer einheitlichen Werbestrategie könne man zu einer wirkungsvollen Imagebildung gelangen und für Augsburg noch mehr herausholen. Dem stimmt auch Götz Beck von der Regio zu: Es gebe im Zusammenhang mit Mozart enorm viele Sehenswürdigkeiten in Augsburg, entscheidend sei aber „ein starkes Profil, das sich aus vielen Komponenten zusammensetzt.“

Das nächste Highlight bei der Suche nach immer neuen Mozartfans dürfte die „Lange Mozartnacht“ am 23. Juli werden. Sie dauert von 19.30 – 1.30 Uhr und das Programmheft kündigt an, man werde Mozart dabei auf neue Weise kennenlernen. Zum Beispiel sollen seine Kompositionen mal auf der Drehorgel ertönen, mal von Saxophonen, mal von Klarinetten interpretiert werden, und sogar vier Beat-Boxer versuchen sich daran, Mozart rappen. Das Ganze kostet nur einen symbolischen Euro Eintritt und wird, so die Hoffnung der Veranstalter, nochmal einen Schwung neuer Besucher ins Mozarthaus locken.

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