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Freitag, 26.11.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Altes Stadtbad: „Man muss auch verlieren können“

Die Übergabe der Unterschriftenlisten mit 16.600 Unterschriften vor laufender Kamera des Bayerischen Fernsehens auf der Balustrade des historischen Stadtbades fand gestern Abend nicht statt. Bürgermeister Hermann Weber hatte im Vorfeld zugesagt, ließ sich aber wegen Krankheit entschuldigen. In die Bresche sprang CSU-Fraktionschef Bernd Kränzle.

16.600 Unterschriften warteten auf die Übergabe

16.600 Unterschriften warteten auf die Übergabe


Die Initiatoren hatten sich den inszenierten Abschluss ihres Bürgerbegehrens als ein Stück Stadtgeschichte ausgemalt. Die Stadtspitze spielte jedoch nicht mit und Bernd Kränzle versuchte gar, aus der Zeremonie einen Triumph der Regierungskoalition zu kreiern. „Hätten Sie ihre Hausaufgaben gemacht, würden wir jetzt nicht die Bäderlandschaft sanieren können“, so Kränzle zum SPD-Fraktionsvorsitzenden Stefan Kiefer, der mit der Augsburger SPD das Begehren unterstützte. „Aber machen Sie sich nichts draus, man muss auch verlieren können“, so der gut aufgelegte CSU-Chef weiter.

Im Interview mit der BR-Redakteurin Ursula Hoffmann tat sich Bernd Kränzle sichtlich schwerer, mit einer komplizierten Argumentationskette zum Nichtverkauf des Stadtbads zu punkten. Einfacher hatte es sein Gegenpart Franz Ragutzki, Mitinitiator des Bürgerbegehrens: Er hatte mit dem Slogan „Geschenke verkauft man nicht“ ein bestechend kurzes, prägnantes Argument.

„Nur durch unseren Druck ist überhaupt Bewegung reingekommen“

Komplizierte Argumentationskette: Bernd Kränzle mit BR-Redakteurin Ursula Hoffmann, links Franz Ragutzki

Komplizierte Argumentationskette: Bernd Kränzle mit BR-Redakteurin Ursula Hoffmann, links Franz Ragutzki


Für Stefan Kiefer und Franz Ragutzki bestand gestern kein Zweifel daran, dass die intensive Intervention der Bürgerschaft die Stadtregierung zum Umdenken bewogen hat. Ohne das Bürgerbegehren wäre der Verkauf des Stadtbads sicherlich weiter OB-Option in den Gedankenspielen zur Finanzierung der Bäderlandschaft, so der Tenor der Initiatoren, die sich über die große Wirkung ihres Begehrens erfreut zeigten.

Franz Ragutzki, seit 40 Jahren Mitglied in der Augsburger CSU, hätte sich diese Einsicht von Parteifreund Kränzle gewünscht. Kränzle vertrat jedoch stoisch die von OB Kurt Gribl in den Ring geworfene Formel, dass die Wende in der Angelegenheit nichts mit dem Bürgerbegehren zu tun habe, sondern die Absicht der Gesamtsanierung – inklusive des Stadtbads – schon seit Monaten auf der Agenda der Stadtregierung stand.

Bereits am Dienstag hatte der OB der Presse mitgeteilt, dass der von der Stadtregierung als Möglichkeit diskutierte Verkauf des Stadtbades vom Tisch sei. Die Regierung von Schwaben hatte die vorläufige schriftliche Zusage erteilt, dass eine Gesamtsanierung der städtischen Bäder inklusive Stadtbad im Umfang von 16 Millionen Euro mit FAG-Mitteln (Mittel nach dem Finanzausgleichsgesetz) und KfW-Krediten (Kreditanstalt für Wiederaufbau) förderungsfähig ist.