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Donnerstag, 02.12.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Maxstraße: SPD-Fachforum Innenstadt diskutiert Ergebnis der Architekturwerkstatt

Wie können städtebaulich gute Lösungen für die Maximilianstraße aussehen, die auf einem möglichst überzeugenden Nutzungskonzept des Straßenraumes basieren? Um diesen Spagat drehte sich das Gespräch beim Augsburger SPD-Fachforum Innenstadt, zu dem Dr. Frank Mardaus als dessen Leiter eingeladen hatte.

Baukörper an historischen Standorten: Entwurf der Architekturwerkstatt

Baukörper an historischen Standorten: Entwurf der Architekturwerkstatt


Die Architekten Walter Bachhuber, Erwin Huttner und Eberhard Wunderle hatten dazu das Modell aus der Architekturwerkstatt mitgebracht. Fünf international renommierte Architekten hatten im Januar den Vorschlag präsentiert, mit zwei Baukörpern im Straßenraum der Maximilianstraße mittelalterliche Vorbilder aufzugreifen. Historiker Dr. Wolfgang Wallenta erläuterte dazu, dass die Maximilianstraße über Jahrhunderte hinweg keine durchgängige Straße, sondern eine Abfolge von Plätzen war. Ihr bedeutendster sei der Weinmarkt gewesen, an dem sich die Fugger angesiedelt hätten.

Hier habe sich das städtische Leben konzentriert, so der Historiker. Der Verkehr aus dem Süden sei vom Roten Tor durch die Bäckergasse über den Predigerberg und die Wintergasse in die Stadtmitte gelangt. Fuhrwerke hätten Waren auch durch die Heilig-Grab-Gasse bis zum Siegelhaus transportiert. Das stand ungefähr bei der heutigen Hallstraße und hatte bis zum Ulrichsplatz reichende Lagerräume des Salzstadels. Erst mit Niederreißen dieser Baulichkeiten vor 200 Jahren wurde der heutige breite Straßenzug geschaffen.

Mittelalter und Straßenbahn gehen nicht zusammen

"Raumerlebnis beeinträchtigt": Tram in der Maxstraße

"Raumerlebnis beeinträchtigt": Tram in der Maxstraße


Ob die beiden vorgeschlagenen Giebelhäuser am Moritz- und Ulrichsplatz sinnvoll seien, erläuterte Architekt Erwin Huttner, könne jedoch erst dann entschieden werden, wenn man sich in der Stadtgesellschaft auf ein Nutzungskonzept für die Straße und beide Gebäude geeinigt hätte. Das im Bebauungsplan vorgesehene Durchführen einer Straßenbahnlinie durch die Maxstraße ginge bei Realisierung des Vorschlags jedoch nicht. Mit der Bebauung würde sich zumindest das die Anwohner störende Lärmproblem nächtlicher Autokorsos deutlich verringern.

Stadtheimatpfleger Prof. Eberhard Hilbich begrüßte grundsätzlich die Idee der Architekturwerkstatt. Dass Autos zur Tages- und Nachtzeit in dieser Massierung in der Maximilianstraße ungewollt sind, sei Konsens der Fachleute. Momentan wichtig sei die Frage der Straßenbahn. Lange Tramzüge im Takt weniger Minuten beeinträchtigten das Raumerlebnis. Zwei Straßenbahnen hintereinander seien mehr als 80 Meter lang und nähmen etwa 20 Prozent der Straßenlänge ein.

Spassgesellschaft vertreibt Anwohner

Architekt Eberhard Wunderle betonte, dass in die Maximilianstraße Leben gehöre. Der südliche Teil sei jedoch tagsüber tot. Ab etwa Mitternacht verursachten Kneipenbesucher Probleme. Der Charakter der einst gerühmten Prachtstraße gehe beim ungezügelten Treiben einer Spaßgesellschaft verloren. Es bestehe die Gefahr, dass in den Gebäuden über dem Erdgeschoß Leben erlischt, weil die Anwohner wegziehen. Der Bereich habe ein weitaus besseres Nutzungskonzept als das einer Partyzone verdient. Darüber hinaus vermisste Wunderle eine Gestaltungssatzung, wie sie in vielen bayerischen Mittelstädten üblich sei.

Aus dem Kreis der Anwohner wies Hans Regnet darauf hin, dass sich die Zahl der Bewohner in der Maximilianstraße mit den Jahren von früher etwa 2.000 auf nur noch 600 – 700 Menschen verringert habe. In den vergangenen fünf Jahren seien starke Nutzungsverschiebungen zu Gunsten gastronomischer Betriebe oder gewerblicher Räume erfolgt. Weiteren Nutzungsumwandlungen solle die Stadt entgegenwirken. Auch eine Verkürzung der Sperrzeit auf zwei Uhr werde ungeachtet der politischen Entscheidungen in jüngster Zeit von den Anwohnern befürwortet.

Kein Konsens in der Stadtgesellschaft

Kreative Köpfe gehen nachts nicht nach Hause

Kreative Köpfe gehen nachts nicht nach Hause


Dr. Frank Mardaus unterstrich, dass das Fachforum Innenstadt auch die Interessen der Anwohner im Blick habe. Er zeigte sich verwundert über die jüngsten Aussagen des Stadtjugendring-Vorsitzenden Raphael Brandmiller bei einer FDP-Veranstaltung. Entgegen dessen Meinung habe die Vorgängerin Eva Leipprand eine weitaus erfolgreichere Kulturpolitik gestaltet, als es dem jetzigen Kulturreferenten Peter Grab möglich sei. Sie habe keine Schuld an den Problemen in der Maxstraße. Brandmillers Aussage „Kreative Köpfe ließen sich nicht vorschreiben, wann sie nach Hause zu gehen hätten“ verkenne die Situation. Wenn jene „kreativen Köpfe“ mit Erbrochenem und Urinpfützen die Straßen verunreinigten oder lautstark nach zwei Uhr nachts die Nachtruhe der Anwohner störten, sei deren Wunsch nach einer Sperrzeit überaus verständlich. Brandmiller, so Mardaus, vertrete hier keinen SPD-Standpunkt mehr, sondern die „inhaltlich und gedanklich dürftige Pro-Augsburg-Position“. Das Anliegen der Anwohner ernst zu nehmen, mag nicht opportun sein, ist aber nach Ansicht Mardaus‘ eine Notwendigkeit.

SPD-Fraktionschef Dr. Stefan Kiefer äußerte, dass sich ein städtebaulicher Zustand wie in mittelalterlicher Vergangenheit kaum herstellen lasse. Die Funktion der Maximilianstraße in heutiger Zeit bedürfe der Klärung. In der Stadtgesellschaft gebe es dazu derzeit noch keinen Konsens. Er sehe als Stadtrat im Hinblick auf die städtische Finanznot und andere wichtige Projekte wie die Mobilitätsdrehscheibe Überlegungen zur Maximilianstraße als nachrangigere Aktivität an. Die beiden angedachten Giebelhäuser müssten auf öffentlichem Grund und damit seitens der Stadt gebaut werden. Es gebe mangels Finanzmitteln ausreichend Zeit, sich über künftige Nutzungskonzepte einvernehmlich zu verständigen. Bauausschuss und Baureferent seien Anregungen gegenüber aufgeschlossen.