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Sonntag, 26.04.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

FCA

Kommentar: Was die großen Bayern mit dem kleinen FCA gemeinsam haben

In München hat ein spektakulärer Trainerwechsel bis jetzt wenig gebracht. Das Gleiche – nur ein bisschen schlimmer – lässt sich auch über Augsburg sagen.

Von Siegfried Zagler

Als Trainer von Bayern München liegt man eindeutig im oberen Lohnsegment der Fußballtrainer – nicht nur in der Bundesliga. Aus diesem Grund darf man anführen, dass Thomas Tuchel von den kolportierten 12 Millionen Euro Jahresgehalt, nachdem er davon zirka die Hälfte an das Fußballvolk in Form von Steuern zurückbezahlt hat, einen Anteil über die Bayern-Betriebskrankenkasse zurückerstattet bekommen sollte – als Schmerzensgeld. Denn auch Thomas Tuchel scheint das von einer Bremer Agentur entwickelte „Mia san Mia“ nicht wirklich zu verstehen. Muss er auch nicht, denn auch ein Bayern-Trainer kann nicht jeden Schmarrn kapieren.

Das Bayern-München-Gefühl – also das in einen bayerische Kunstdialekt hineingewürgte „Wir sind wir“, ist kürzlich ausgerechnet von einem Franken hinterfragt worden, indem er anmerkte, dass der aktuellen Mannschaft das „Mia san Mia“ fehle.

Von keinem geringeren als Oliver Kahn ist daraufhin Lothar Matthäus live gefragt worden, was er denn damit meine, doch Lothar wich aus – aus Überforderung, was man Matthäus nicht anlasten darf. Denn schließlich hat der Kahn-Matthäus-Diskurs dazu geführt, dass dem deutschen Fußballvolk langsam dämmert, dass es keinen dümmeren Slogan gibt, als das lokale Wir-sind-wir-Geplapper im Kontext eines Teams, das – wie alle anderen europäischen Spitzenteams auch – mit Spielern aus aller Welt zusammengekauft ist.

Von Manchester City unterscheiden sich die Werte der Münchner eigentlich nur dahingehend, dass sie deutlich weniger Geld aus Katar erhalten. Anders gesagt: ManCity hat mehr Mittel, und aus diesem Grund spielen bei City von vorne bis hinten die besseren Spieler. Und aus diesem Grund wiederum ist Bayern München chancenlos nach zwei frustrierenden Spielen ausgeschieden.

„Tiefergehende Analysen“, wie die von Thomas Tuchel zum Beispiel, sind nicht tief, sondern falsch. Bayern hatte gegen City nie das „Momentum“ auf seiner Seite, sondern spielte phasenweise mit. Und schon gar nicht hatten die Bayern City „am Haken“, wie es Thomas Tuchel gesehen haben will. Und noch viel weniger hat das Schiedsrichtergespann die Note 6 verdient. Beide Elfer waren regelkonform und vermutlich hat Tuchel mit seinen Aufstellungen in beiden Spielen mehr Fehler gemacht, als Clement Turpin mit der Pfeife im Mund. Ohnehin sollte Tuchel als Bayern-Trainer auf sein Oberlehrer-Brauchtum verzichten: Schulnoten zu vergeben passt zu Tuchel, aber nicht zum FC Bayern.

Da man auch in München nach sechs Spielen und dem Ausscheiden im DFB-Pokal und Champions League noch nicht über den Trainer nachdenken darf, soll jetzt der Stuhl von Titan Kahn wackeln, was in der Bild-Zeitung zu lesen ist. „Wenn man dumm ist, dann schon gescheit“. Vielleicht sollte man so das „Mia san Mia“ übersetzen.

Was das mit dem FCA zu tun hat? Nicht viel, wenn man mal davon absieht, dass – seit Enrico Maaßen in Augsburg Cheftrainer ist – Anspruch und Wirklichkeit weiter auseinander triften als es gut ist. Man darf sich Ziele setzen und diese auch verfehlen. Aber wenn die Korrektur der Verfehlung nicht funktioniert, was dann?

Mit Enno Maaßen sollte in Augsburg nach drei Jahren spielerischen Niedergangs wieder Fußball gespielt werden, mit Ballbesitz und Passkultur. Als das nicht funktionierte, folgte eine Systemumstellung und ein quantitativer Nachrüstungsprozess, wie man ihn in Augsburg noch nie erlebt hatte. Nach der WM wurde von Maaßen eine neue Losung ausgegeben: Augsburg soll zu Hause eine Macht werden. Pressing, Umschaltspiel, lange Bälle, Kampf. Vorübergehend schien es zu funktionieren, auch wenn bei einigen Heimspielen sehr viel Spielglück dabei war. Als Fortuna nicht mehr im Bunde war, blieben die Ergebnisse aus und der FCA verfing sich im gleichen Non-Fußball-Stiefel wie unter Herrlich und Weinzierl. Mit einem gewaltigen Unterschied: Sowohl Weinzierl, als auch Herrlich standen vor dem 29. Spieltag in der Tabelle besser als der FCA mit Maaßen.

Sollte der FCA nämlich am morgigen Freitag sein Heimspiel gegen den VfB Stuttgart verlieren, steht man quasi betrunken von der eigenen Betriebsblindheit vor dem Abgrund, der in die Zweite Liga führt. Falls am 29. Spieltag die anderen Abstiegskandidaten punkten sollten, ist der FCA bei einer Niederlage gegen den VfB akut gefährdet. Würde die Partie gegen den VfB dagegen gewonnen werden und die Abstiegskonkurrenz würden nicht punkten, sähe es tabellarisch wiederum ganz anders aus.

Selten hat die Phrase „Schicksalsspiel“ eine so konkrete Entsprechung gefunden –  für beide Klubs. Dass es soweit kommen konnte, hat natürlich auch mit dem neuen FCA-Trainer zu tun, mit dem der FCA nach Informationen der DAZ (Stand vorgestern) auch in die Zweite Liga gehen würde.

Während sich der FCA also zweimal im Kreis drehte, wechselte der VfB Stuttgart zwei Mal den Trainer und befindet sich nun mit einer ehemaligen „Mia-san-Mia-Ikone“ auf dem Weg der Besserung. Falls der unter Sebastian Hoeneß aufblühende VfB in Augsburg punkten sollte, ist nicht nur das Augsburger Ziel Nichtabstieg stark gefährdet, sondern auch das gesalbte Schönreden passe. Maaßen muss liefern, sonst kracht es wieder auf dem Lechfeld.

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