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Mittwoch, 21.02.2024 - Jahrgang 16 - www.daz-augsburg.de

Meinung

Kommentar zum FCA: Fußball ist nicht Fußball

Fußball ist nicht Fußball – oder warum Enrico Maaßen beim FCA gescheitert ist 

Kommentar von Siegfried Zagler

Schön wärs – Fan-Choreographie in der WWK Arena © DAZ

Man muss schon lange zurückblättern, um eine Saison zu finden, in der der FCA am 30. Spieltag schlechter in der Bundesligatabelle stand als heute. Das war 2011/12, als Dortmund zum letzten Mal Deutscher Meister wurde, Vereine aus Nürnberg, Kaiserslautern, Hannover und Hamburg als gestandene Bundesligisten galten und Schalke wie Stuttgart noch ziemlich weit vorne in der Tabelle zu finden waren. Jos Luhukay hieß damals der FCA-Trainer. Walther Seinsch war der große Zampano. Damals hatte der FCA 30 Punkte am 30. Spieltag, hatte aber einen Lauf und stieg mit 38 Punkten haushoch nicht ab.

Enger ging es in der zweiten Bundesligasaison der Augsburger zu. Markus Weinzierl musste mit einem schwierigen Kader starten und der FCA schien in seinem zweiten Bundesligajahr unterzugehen (9 Punkte nach der Vorrunde/27 Punkte am 30. Spieltag), aber er stieg nicht ab, weil die Mannschaft „wie Löwen kämpfte“ (Otto Rehhagel) und am Ende 33 Punkte für den direkten Klassenerhalt reichten.

Danach stand der FCA neun Saisons in Folge besser als in dieser Saison am 30. Spieltag. Manuel Baum, Martin Schmidt, Heiko Herrlich und wiederum Markus Weinzierl hatten in Augsburg bessere Tabellenstände und größere sportliche Erfolge vorzuweisen, als der Bundesliga-Novize Enrico Maaßen, der eben in dieser Saison Cheftrainer am Lech ist. Baum, Schmidt und Herrlich wurden seinerzeit freigestellt, wegen ausbleibender sportlicher Erfolge und einer Reihe richtig schlechter Kicks.

Dass sich das ändern soll, dafür sollte Enno Maaßen, der neue junge Trainer von Dortmund II sorgen. Junge Spieler entwickeln, dem Klub eine neue Spielkultur einhauchen sollte die Perspektive sein, sollte der neue Weg sein, den der FCA mit Maaßen gehen wollte. Maaßen bekam einen Vertrag bis 2025 und das volle Vertrauen von Reuter und einem neuen FCA, der sich von seinem Autokraten-Präsidenten befreite und mit Markus Krapf einen nahbaren Präsidenten bestellte. Aufbruchsstimmung war angesagt.

Aufbruch in die Zweite Liga könnte man meinen. Mit Maaßen will nun offenbar Stefan Reuter und der FCA untergehen, also zur Not auch in der zweiten Liga kicken. So sieht es nämlich derzeit aus. Während Stuttgart, Bochum, Schalke und auch Hoffenheim sich mit aller Wucht und Verve gegen den Abstieg stemmen, gurkt sich der FC Augsburg seit Wochen von einem Grottenkick zum nächsten. Das Schmerzhafte dabei ist die Art und Weise wie der FCA im Gegensatz zur Konkurrenz auftritt. Hinten wird fahrig und amateurhaft verteidigt und nach vorne fehlt neben der notwendige Passgenauigkeit, Kreativität und Durchschlagskraft.

Eintracht Frankfurt war schlagbar. Den Hessen konnte man nach dem Ausgleich bei nahezu jeder Ballberührung schwere Verunsicherung attestieren, doch der FCA spielte (wie so oft) nicht konsequent nach vorne, sondern verteidigte nach einem Glückstor mehr oder weniger konzeptlos den Ausgleich. Auch wenn die Rechnung dieses Mal aufging, ist dieser trostlose, ja irgendwie sogar blutleere Fußball kaum auszuhalten, wenn man sieht, mit welcher Leidenschaft der Abstiegskampf bei Bochum und Co. zelebriert wird.

Mit zahlreichen Winterneuzugängen erlebte das Augsburger Publikum einen wild kämpfenden FCA in der heimischen Arena, während man auswärts kaum etwas einfuhr. Der „neue FCA“ hat kurz aufgeblüht und welkt nun seit einiger Zeit wieder vor sich hin. Das „Modell Maaßen“ ist abgestürzt. Der FCA spielt taktisch und technisch in etwa so wie unter Weinzierl, wirkt aber athletisch etwas schwächer. Doch im Gegensatz zu allen vorherigen Jahren fehlt dem FCA heute ein Plan B! („B“ steht in diesem Fall für Bundesliga.).

Mit Maaßen in die Zweite Liga gehen, würde als Plan B nur Sinn machen, hätte Cheftrainer Maaßen in Augsburg mit seinen Konzepten überzeugt. Hat er aber nicht. Die Augsburger Führungsetage hat sich auf den neuen Trainer festgelegt und steht nun vor einem Scherbenhaufen. Selbst wenn man mit diesem Kader heuer den Abstieg vermeiden würde, wäre „nur“ ein weiteres Jahr Bundesliga mit Augsburger Nichtabstiegsfußball gewonnen. Bestenfalls ist also genau das zu erwarten, wovon der FCA mit Enrico Maaßen Abstand nehmen wollte.

Man muss es nicht mit Kassandra halten: Noch drei Punkte aus vier Spielen und der FCA steigt nicht ab. Man könnte sogar mit den aktuell 31 Punkten in der Liga bleiben – mit viel Glück und Maaßen. Für einen Trainerwechsel ist es ohnehin zu spät – und für ein Resümee eigentlich zu früh. Festzuhalten ist aber, dass der FCA in höchster Abstiegsgefahr schwebt und der FCA unter Maaßen öfters mit schwer verständlichen Startaufstellungen beginnt und nach einer Führung in einen schläfrigen Verteidigungsmodus versinkt.

„Bundesliga ist Bundesliga und Regionalliga ist Regionalliga, aber Fußball ist Fußball“, sagte Maaßen zu Beginn seiner Amtszeit. Damit wollte er sagen, dass man im Fußballsport als Trainer große Schritte machen kann. Stimmt selbstverständlich, doch eben nicht jeder.