Am Lagerfeuer von Peter Grab
Warum eine Kulturdebatte mit Augsburgs Kulturreferent nicht zu führen ist
Kommentar von Siegfried Zagler
Die Frage, ob es stimme, dass man nach dem Lesen von Marcel Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ ein anderer Mensch sei, beantwortete Marcel Reich-Ranicki mit einem deutlichen „Ja“ und fügte hinzu, dass das auch für Brechts Werk gültig sei. Wer auf dem Berliner Theatertreffen Rene Polleschs „Kill your Darlings!“ gesehen hat, weiß, dass das stimmt. Allerdings braucht man dazu mehr als ein Augsburger Brecht-Festival, nämlich einen guten Theatermann und mindestens einen guten Schauspieler. Fabian Hinrich verstand es mit Brechts „Fatzer-Fragment“ zu zeigen, was Theater kann: Nicht weniger als die Welt aus den Angeln heben. Ku.spo kam darin auch vor: „Berlins 15 beste Turner. Würden Sie dafür 45 Euro Eintritt in eine Mehrzweckhalle bezahlen?“ (Hinrich zeigt auf Turner, die auf dem Bühnenboden der Reihe nach Turnübungen zeigen). „Also brauchen wir einen Mehrwert!“ Fabian Hinrich schlüpft in ein Tintenfischkostüm und tanzt in bunten Lichtkegeln, während die Turner ihr Programm abspulen. Das Publikum johlte.
Ku.spo ist eine Lachnummer, kein Konzept
Wenn Peter Grab vorgehalten wird, dass er konzeptlos agiere und keine Kulturdebatte führen wolle, dann widerspricht er neuerdings vehement wie unlängst im Stadtrat und verweist auf drei Konzeptleisten seiner Politik: Ku.spo, Stärkung der Populärkultur und auf ein ganz dickes Brett: interkulturelle Öffnung. Über Ku.spo braucht man nicht reden. Die Zusammenführung von Kultur und Sport als Konzept einer Kulturpolitik anzugeben ist ein Hohn. In der Praxis sieht das ohnehin so aus, dass der Stadtrat beschließt, bestimmte Summen dafür in den Haushalt zu stellen, die dann vom Kulturreferent nicht abgeholt werden, sondern offenbar in einen Fördertopf wandern, den Peter Grab „am Stadtrat vorbei“ (Karl-Heinz Schneider, SPD) bedient. Ku.spo ist eine Lachnummer und kein kulturpolitisches Konzept. Darüber gibt es in der Stadtgesellschaft längst einen Konsens, auch – wenn auch nur hinter vorgehaltener Hand – bei der CSU. (mehr …)



