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Dienstag, 03.08.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Modularfestival: alle zwei Jahre drei Tage Popkultur

Stadtjugendring setzt bei der Finanzierung auf kostenlosen Eintritt und freiwillige Spenden

Von Frank Heindl

Auf der Pressekonferenz vor einigen Wochen war Raphael Brandmiller noch voller Stolz. In Anwesenheit von OB Kurt Gribl und Kulturbürgermeister Peter Grab hatte der Vorsitzende des Augsburger Stadtjugendrings das Programm des diesjährigen Modular-Festivals den Medien vorgestellt. Am kommenden Donnerstag startet das Modular – Brandmiller freute sich, diesmal das Vorjahr „um einiges zu toppen“, kündigte an, Augsburg stünden „drei tolle Tage bevor.“ Außerdem betonte er, das Modularfestival, das 2012 zum vierten Mal stattfindet, habe bereits eine „hohe Haltbarkeit“ bewiesen: „Normale Festivals haben nur eine Haltbarkeit von dreimal!“

Die Haltbarkeit von Modular dürfte sich möglicherweise noch erhöhen – denn zukünftig reichen vier Festivals wohl für acht Jahre. Derzeit steckt das Festivalteam mitten in den Vorbereitungen – doch die Stimmung wird getrübt durch die Stadtratsbeschlüsse vom Donnerstag: Auch das Modular fällt unter das modifizierte Biennale-Konzept von Kulturreferent Peter Grab: es soll in Zukunft nur noch im zweijährigen Rhythmus stattfinden.

„Das ist es mir wert!“ – die Modular-Veranstalter hoffen, dass viele Besucher von den selbstgestempelten Spendentütchen Gebrauch machen.

„Das ist es mir wert!“ – die Modular-Veranstalter hoffen, dass viele Besucher von den selbstgestempelten Spendentütchen Gebrauch machen.


Zumindest im laufenden Jahr und noch zu alten Etat-Bedingungen hat das Team um Festivalleiter Stefan Sieber ein sehr vielfältiges und, was die Finanzierung anbelangt, auch wagemutiges Programm zusammengestellt, dessen Konzept in Zeiten der Sparbeschlüsse zukunftsweisend sein könnte: Das Festival ist nämlich neben städtischen Zuschüssen und Sponsorengeldern auf Einnahmen aus Spenden angewiesen – der Eintritt zu fast allen Veranstaltungen des Festivals ist dafür kostenlos. 20.000 Spendentüten hat das Modular-Team nicht nur bestellt, sondern auch eigenhändig gestempelt: „Danke für deine Unterstützung. Ohne dich geht’s nicht“ grüßt das Festival freundlich seine Besucher aus allen Programmheften, in die das kleine Tütchen eingeklebt ist. „Die direkteste Art der Partizipation“ nennt Raphael Brandmiller diese finanzielle Beteiligung des Publikums: Wer das Festival mag, sollte auch zahlen, und wer nicht zahlt, der tut nichts für den Fortbestand von Augsburgs einzigem spezifischen Festival der Jugend- und Popkultur. Der Appell an den Geldbeutel der Besucher kommt trotzdem „nicht als aggressive Charity-Veranstaltung“ (Brandmiller), sondern als höflich-bescheidene Bitte daher.

Spenden als fester Bestandteil des Finanzierungskonzepts

Die Einnahmen aus dem Spendenaufruf sind dabei keine unwichtige Option, sondern fest eingeplant. „Das Festival braucht die Spenden“, sagt Brandmiller, man habe mit einem Einnahmemix kalkuliert, zu dem neben den Zuschüssen auch Einnahmen aus dem Getränkeverkauf zählen – „elementar“ aber seien auch die Erlöse aus der Sammlung beim Publikum. Brandmiller gibt sich überzeugt, „dass die Besucher diesen Weg mitgehen werden“ und lobt sein Argument für diesen Finanzierungsweg: Wer wenig hat, von dem wird kein Geld erwartet – die soziale Komponente ist unverkennbar und durchaus nachahmenswert: Wer sich die „Headliner“ des viertägigen Festivals wie „Kraftklub“ und „Dendemann“ normalerweise nicht leisten könnte, der kann sie, so die Idee, trotzdem sehen. Einzig für die Eröffnungsveranstaltung am kommenden Donnerstag wird nun Eintrittsgeld verlangt – mit sieben Euro ist auch sie erschwinglich – und lohnend nicht nur wegen des Augsburger Pop-Preises „Roy“, der in dieser Veranstaltung verliehen wird, sondern auch wegen des „“Puppet on a string“-Konzertes, das mit zum Event gehört.

Neben vielen Konzerten für das vor allem jugendliche Publikum bietet das Modularfestival wie jedes Jahr ein interessantes Programm auch jenseits von Club und Konzert. Es gibt Videoclips, es gibt Kinderveranstaltungen, es gibt mit „In your face“ ein Gemeinschaftswerk von 60 Künstlern in der Kunsthalle, es gibt Graffiti, BMX-Rampen, eine Showcase des lab.30-Festivals (mit dem Festivalgewinner des vergangenen Jahres) – und es gibt vor allem die völlig neue Situation im Wittelsbacher Park. Denn zum ersten Mal findet das Modularfestival im frisch renovierten „Kongress am Park“ statt – und tatsächlich auch im angrenzenden Park. Die Wetteraussichten sind derzeit gut, die Veranstalter hoffen auf eine durch das abwechslungsreiche Drinnen/Draußen-Feeling beflügelte Atmosphäre.

Grün, nachhaltig, wissenschaftlich

Und die grüne Umgebung passt auch zu einem weiteren neuen Aspekt von Modular: Das Festival will in diesem Jahr auch im umwelttechnischen Sinne „nachhaltig“ sein, der SJR-Vorsitzende Brandmiller hat sich schon den Spitznamen „Grüner Daumen des Festivals“ erworben. Bei Speisen und Getränken achtet Modular auf biologische Erzeugung und regionale Herkunft, beim Verbrauch auf Ökostrom und umweltfreundliche Verpackungsmaterialien. Und auch beim intellektuellen Anspruch hat das Festival „noch zugelegt“ (Stefan Sieber): Unter dem Titel „Each one teach one“ findet im Kongress am Park eine zweitägige Tagung statt, bei es um „Inklusion durch kulturelle Bildung im Kontext von Jugendszenen“ gehen wird (1. und 2. Juni). Organisiert wird sie von Ina Jeske vom „Forum Populärkultur“ der Universität Augsburg. Experten und Akteure sollen hier Jugendszenen in ihren kulturellen, ästhetischen, urbanen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Aspekten diskutieren und sich mit deren Perspektiven am Beispiel der HipHop-Kultur auseinandersetzen. Die immerhin hat sich bekanntlich weltweit durchgesetzt – ohne Spenden und ohne städtische Kulturförderung. Und an jedem Tag der Woche. Im Gegensatz zu drei Tagen Modularfestival in Augsburg – demnächst nur noch alle zwei Jahre.