Tiefere Brunnen gegen Starkregen: So sichern die swa Augsburgs Trinkwasser
Augsburg gilt seit Jahrzehnten als Stadt mit besonders hochwertigem Trinkwasser. Wasserknappheit ist hier trotz zunehmender Trockenperiden bislang kein Thema. Doch die Herausforderungen für die Wasserversorgung verändern sich. Nach Angaben der Stadtwerke Augsburg (swa) macht vor allem der Klimawandel neue Schutzmaßnahmen erforderlich.
Von Bruno Stubenrauch
In der Ebene versickert auch Starkregen (Symbolbild)
Anders als in vielen Regionen Deutschlands verfügen die swa im Lechschotter über einen ergiebigen Grundwasserstrom. Auch längere Hitze- und Trockenphasen führen deshalb bislang nicht zu Versorgungsengpässen. Probleme bereiten vielmehr die zunehmenden Starkregenereignisse. „Dadurch versickert das Wasser schneller und die Filterwirkung des Bodens verringert sich“, erläutert swa-Wasserversorgungsleiter Florian Killer.
Im Raum Augsburg versickert auch der Starkregen
Auf den ersten Blick scheint dies im Widerspruch zur landläufigen Meinung zu stehen, Starkregen fließe auf ausgetrockneten Böden oft oberflächlich ab und versickere gerade nicht. Auf Nachfrage der DAZ erklärt swa-Pressesprecher Jürgen Fergg jedoch, dass die Situation im Augsburger Raum differenzierter zu betrachten ist.
Südlich von Augsburg erstreckt sich das weitgehend ebene Lechfeld. Anders als in Hanglagen fließt Regenwasser dort nicht oberflächlich ab, sondern kann großflächig auf Feldern und in Waldgebieten versickern. Zudem treten Starkregenereignisse nicht nur nach längeren Trockenperioden auf, sondern auch bei aufnahmefähigen Böden. So können große Wassermengen innerhalb kurzer Zeit in tiefere Bodenschichten gelangen. Dadurch verkürzt sich die natürliche Filterwirkung des Untergrunds, was das Risiko erhöht, dass Keime oder Verunreinigungen ins Grundwasser gelangen.
Neue Brunnen reichen bis in 22 Meter Tiefe
Um die Trinkwasserqualität langfristig zu sichern, setzen die Stadtwerke deshalb seit Jahren auf sogenannte Horizontalfilterbrunnen. Während ältere Brunnen Grundwasser meist aus sechs bis sieben Metern Tiefe fördern, reichen neuere Anlagen bis in etwa 22 Meter Tiefe.
Dort durchläuft das Wasser zusätzliche Bodenschichten aus tertiären Sanden, die als natürliche Filter wirken. Auf diese Weise werden mögliche Keime oder Verunreinigungen wirksamer zurückgehalten.
Auch PFAS beschäftigen die Wasserversorger
Neben den Folgen des Klimawandels sehen sich die swa auch mit neuen Schadstoffbelastungen konfrontiert. Bundesweit sorgen derzeit insbesondere sogenannte PFAS-Verbindungen für Diskussionen. Dabei handelt es sich um langlebige Industriechemikalien, die in der Umwelt nur schwer abgebaut werden.
Am westlichen Rand des Augsburger Trinkwasserschutzgebiets wurden nach Angaben der Stadtwerke langkettige PFAS im Grundwasser nachgewiesen. Als Vorsichtsmaßnahme nahmen die swa sechs ihrer insgesamt mehr als 60 Trinkwasserbrunnen außer Betrieb.
Nach Angaben der Stadtwerke ist PFAS im Augsburger Trinkwasser dadurch weiterhin nicht nachweisbar. Auch Medikamentenrückstände oder Mikroplastik spielen nach den regelmäßigen Untersuchungen derzeit keine Rolle.
Augsburger Modell als Vorbild
Bereits seit mehr als drei Jahrzehnten verfolgen die Stadtwerke gemeinsam mit Landwirten im Trinkwasserschutzgebiet einen vorbeugenden Ansatz. Im Rahmen des sogenannten Augsburger Modells erhalten Landwirte Ausgleichszahlungen, wenn sie auf bestimmte Pflanzenschutzmittel und Düngemaßnahmen verzichten.
Die Stadtwerke sehen darin einen wichtigen Grund dafür, dass die Nitratwerte des Augsburger Trinkwassers seit Jahren auf niedrigem Niveau liegen. Ergänzt wird der Gewässerschutz durch Projekte wie Blühflächen, Streuobstwiesen und weitere Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung des Trinkwasserschutzgebiets.
Für die swa zeigt sich damit: Die größte Herausforderung für die Trinkwasserversorgung der Zukunft ist nicht die Menge des verfügbaren Wassers. Entscheidend wird vielmehr sein, seine Qualität auch unter veränderten klimatischen Bedingungen dauerhaft zu sichern.





