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DAZ-Archiv vom 10. Juni 2017 • www.daz-augsburg.de

Bundesliga: Die Zeit der Guru-Trainer ist abgelaufen

Trainerentlassungen sind im Profifußball ungefähr so gewöhnlich wie die Erkenntnis, dass sich die Bewohner der Erde nur mit großem Aufwand der Schwerkraft entziehen können. Dass aber während der zurückliegenden Saison acht Klubs ihre Trainer wechseln und drei Klubs kurz nach der Saisonbilanz ihren Trainern den Laufpass geben, ist ein Spitzenwert der besonderen Art. Ein Sachverhalt also, der eine genauere Betrachtungsweise verdient.

Von Siegfried Zagler

Von den “unteren” 11 Vereinen haben 10 ihre Trainer gefeuert. Die Frankfurter Eintracht ist der einzige Verein (von Tabellenplatz 8 bis 18), der seinem Trainer in dieser Saison nicht den Laufpass gab. Das hat wohl damit zu tun, dass Nico Kovac erstens mit Eintracht Frankfurt (im Gegensatz zu den anderen) nie ernsthaft in Abstiegsgefahr schwebte und zweitens könnte es daran liegen, dass die Frankfurter bezüglich ihrer sportlichen Erwartungen mit großer Bescheidenheit in die Saison gingen. Bescheidenheit ist im Spitzenfußball allerdings keine Handlungsmaxime. Die Verteilung und die Höhe der Fernsehgelder setzen die Verantwortlichen immer stärker unter Druck, da ein Abstieg in die Zweite Liga sofort Einnahmeverluste in zweistelligen Millionenbeträgen garantieren würde. Verluste, die abenteuerliche Investitionen erfordern, will man den sofortigen Wiederaufstieg zum ultimativen Ziel erklären. Die Zunahme der Trainerentlassungen ist also mit der Zunahme des Erfolgsdrucks zu verbinden. Das muss nichts Schlechtes sein.



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