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Sonntag, 27.09.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Welt

Design auf Sucht getrimmt? Meta in den USA vor Gericht

Vor einem US-Bun­des­ge­richt hat ein weg­wei­sen­des Ver­fah­ren ge­gen den Meta-Kon­zern be­gon­nen. 29 US-Bun­des­staa­ten wer­fen dem Mut­ter­kon­zern von Face­book und In­sta­gram vor, Min­der­jäh­ri­ge durch ge­ziel­te De­sign-Me­cha­nis­men sy­ste­ma­tisch ab­hän­gig zu ma­chen. Das Ver­fah­ren wirft auch ein Schlag­licht auf die Rechts­la­ge in Eu­ro­pa.

Von Bruno Stubenrauch

Macht Endlos-Scrolling süchtig? (Bild: Monica Smekal / Gemini)

Ob lü­cken­lo­ses In­fi­ni­te Scrol­ling, stän­di­ge Push-Be­nach­rich­ti­gun­gen oder die Jagd nach vi­su­el­ler Be­stä­ti­gung durch „Ge­fällt mir“-An­ga­ben: Funk­ti­o­nen wie diese ste­hen im Zen­trum einer um­fas­sen­den Kla­ge vor einem Bun­des­ge­richt im ka­li­for­ni­schen Oak­land. Die Staats­an­walt­schaf­ten wer­fen Meta vor, die psy­cho­lo­gi­schen Wir­kungs­wei­sen und Do­pa­min-Mu­ster im mensch­li­chen Ge­hirn ge­zielt aus­zu­nut­zen, um ins­be­son­de­re Kin­der und Ju­gend­li­che mög­lichst lan­ge an die Bild­schir­me zu bin­den. Im Raum steht eine gigan­tische Straf­zahlung in Höhe von 200 Milli­arden Dollar.

Ein­fluss­reich und um­strit­ten: Das Meta-Im­pe­ri­um

Der On­line-Rie­se Meta Plat­forms (ehe­mals Face­book Inc.) ge­hört mit Mil­li­ar­den ak­ti­ver Nut­zer welt­weit und einer Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung im drei­stel­li­gen Mil­li­ar­den­be­reich zu den ein­fluss­reich­sten Big-Tech-Kon­zer­nen der Welt. Das Un­ter­neh­men fi­nan­ziert sich pri­mär durch da­ten­ba­sier­te Wer­be­ein­nah­men und prägt die digitale Kom­mu­ni­ka­ti­on glo­bal durch seine reich­wei­ten­starken Netz­wer­ke Face­book und In­sta­gram so­wie den Mes­sen­ger­dienst Whats­App. Kri­tik er­fährt der US-Kon­zern seit Jah­ren im­mer wie­der we­gen sei­ner do­mi­nan­ten Markt­stel­lung, Fra­gen des Da­ten­- und Ju­gend­schut­zes so­wie des Vor­wurfs, seine Al­go­rith­men seien auf ma­xi­ma­le In­ter­ak­ti­on und Bin­dungs­dau­er op­ti­miert.

An­lass der Welle an Kla­gen sind unter an­de­rem in­ter­ne Do­ku­men­te und Whistle­blo­wer-Ent­hül­lun­gen der ver­gan­ge­nen Jah­re. Diese le­gen nahe, dass dem Kon­zern die ne­ga­ti­ven Aus­wir­kun­gen von In­sta­gram auf die men­ta­le Ge­sund­heit jun­ger Nut­zer in­tern be­kannt wa­ren, nach au­ßen hin je­doch ver­harm­lost wur­den. Meta weist die Vor­wür­fe zu­rück und ver­weist auf ei­ge­ne Werk­zeu­ge zur El­tern­auf­sicht und Bild­schirm­zeit-Steu­er­ung.

Pa­ral­le­len zur Rechts­la­ge in der EU

Wäh­rend in den USA über Mil­li­ar­den­stra­fen und funk­ti­o­na­le Be­schrän­kun­gen ge­strit­ten wird, greift in Eu­ro­pa be­reits der Digital Ser­vi­ces Act (DSA). Die EU-Kom­mis­si­on hat Meta eben­falls im Vi­sier und un­ter­sucht, ob die Al­go­rith­men und Be­nut­zer­ober­flä­chen von In­sta­gram und Face­book ge­gen eu­ro­pä­i­sche Vor­ga­ben zum Schutz von Min­der­jäh­ri­gen ver­sto­ßen. Im Raum ste­hen auch in Eu­ro­pa stren­ge Vor­ga­ben ge­gen so­ge­nann­te Dark Pat­terns – also De­sign­mu­ster, die Nut­zer zu un­ge­wolltem Ver­hal­ten ver­lei­ten.

Was Nut­zer und El­tern tun kön­nen

Wer das ei­ge­ne Nutz­ungs­ver­hal­ten oder das der ei­ge­nen Kin­der im All­tag be­wusst steu­ern möch­te, kann di­rekt in den Smart­phone-Ein­stel­lun­gen an­set­zen:

  • Push-Mit­tei­lun­gen ab­schal­ten: De­ak­ti­vie­ren Sie Be­nach­rich­ti­gun­gen für So­ci­al-Me­dia-Apps, um den Im­puls zum stän­di­gen Auf­grei­fen des Ge­räts zu un­ter­bre­chen.
  • App-Li­mits nut­zen: So­wohl iOS als auch An­dro­id bie­ten in­te­grier­te Bild­schirm­zeit-Funk­ti­o­nen, mit de­nen sich täg­li­che Zeit­kon­tin­gen­te für be­stimm­te Platt­for­men fest­le­gen las­sen.
  • Op­ti­sche Rei­ze re­du­zie­ren: Das Ak­ti­vie­ren des Grau­stu­fen-Mo­dus nimmt far­ben­fro­hen Ico­ns und Be­nach­rich­ti­gungs­punk­ten die psy­cho­lo­gi­sche An­zie­hungs­kraft.

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