Best of Tanztheater: Die Augsburger Ballettgala 2026
Die jährliche Ballettgala des Augsburger Staatstheaters ist für Ballett-Fans ein Höhepunkt im Jahreslauf. In bunter Folge reihte sich auch in diesem Jahr über drei Stunden ein Höhepunkt an den nächsten.
Von Halrun Reinholz
Alle Mitwirkenden beim SchlussapplausBei kaum einer Vorstellung ist das Gedränge im Martinipark so groß wie in der Ballettgala, die jedes Jahr vor zweimal ausverkauftem Saal zelebriert wird. Nicht ohne Stolz wies Ballettdirektor Ricardo Fernando in seiner einleitenden Moderation darauf hin, dass man sich als Ballettfreund viele Wege auf die großen Bühnen dieser Welt sparen kann, denn die Stars von nah und fern kommen ja schließlich einfach nach Augsburg. „Einfach“ ist das natürlich nicht, auch das erwähnte Fernando. Seine Assistentin Carla Silva ist das ganze Jahr über damit beschäftigt, zu planen, zu koordinieren und für den logistischen Ablauf zu sorgen. Wie immer durfte sie gegen Ende der Show auf die Bühne kommen, um ihren wohlverdienten Applaus entgegenzunehmen.

Polina Semionowa als „sterbender Schwan“
Auch in diesem Jahr wurden die hohen Erwartungen des Publikums erfüllt. Das mehr als drei Stunden dauernde Programm verband in geschickt durchdachter Abfolge klassisches Ballett und modernen Ausdruckstanz in den unterschiedlichsten Facetten. Die Tänzerinnen und Tänzer kamen vom English National Ballet, dem Hessischen Staatsballett, dem Staatsballett Berlin, vom Spellbound Contemporary Ballet aus Italien oder gar noch weiter weg, nämlich von Hung Dance aus Taiwan oder gar ein brillantes Tango-Duo aus Kolumbien. Als Stargast besonders begrüßt wurde Polina Semionova, die schon bei der letzten Ballettgala als Gast vorgesehen war, wegen einer Verletzung aber absagen musste. Die in Berlin lebende international gefragte Ballerina kam in Begleitung ihres Bruders und Tanzpartners Dmitri Semionov. Die beiden zeigten ihre Vielseitigkeit mit „La Bayadère“ aus dem klassischen Repertoire, aber auch mit „Face My Fears“ im Bereich des modernen Tanzes. Zur Freude des Publikums trat Polina Semionova auch noch mit „der“ klassischen Solonummer auf und gab den sterbenden Schwan von Camille Saint-Saens.
Wie immer traten die Gäste in der Regel jeweils zweimal auf – einmal im ersten Teil und dann noch einmal nach der Pause. Mit dabei war auch wieder das komplette Ensemble des Theaters Augsburg, das die Ballettgala mit einem Gruppentanz aus der neuesten Produktion eröffnete: Mozarts Requiem, choreografiert von Peter Chu. Auch aus dem Ballett „Frida“ des Ballettdirektors Ricardo Fernando, seit zwei Spielzeiten stets ausverkaufter Publikumsliebling, gab es zwischendurch einige effektvolle Ensembletänze.

Haruhi Otani und Gareth Haw (English National Ballet) – Fotos: Jan-Pieter Fuhr
Ein Feuerwerk an unterschiedlichsten tänzerischen Darbietungen entlockte dem Publikum Begeisterungsrufe. Zwischen Prokofjews „Romeo und Julia“ mit Michelle Willems und Cohen Aitchinson-Dugas vom Staatsballett Berlin (Choreografie Christian Spuck), dem „Schwanensee“ und dem Pas de deux aus „Don Quixote“ mit Haruhi Otani und Gareth Haw vom English National Ballet präsentierten die Taiwanesen Kuan-ling Lee und Ying-chieh Lu von Hung Dance mit „Push and Pull“ oder Alessio Damiani und Marcos Novalis vom Hessischen Staatsballett mit „Burdens of Being“ oder auch die drei Damen Anita Bonavida, Miriam Raffone und Martina Stalteri vom Spellbound Contemporary Ballet hochkarätige moderne Choreografien.
Zu den Höhepunkten gehörten zweifellos Asja Marabotti und Martina Piacentino mit DADAlove, einer großartigen Choreografie zum sehr bekannten Csárdás von Vittorio Monti, und auch das Männer-Tango-Duo aus Kolumbien Cristian Cerezo und Valentin Arias Delgado mit einer atemberaubenden Tango-Darbietung. Fernando hatte schon in seiner Moderation prophezeit, dass man nicht so schnell schauen kann, wie die beiden tanzen. Nach der Pause hatte das Publikum noch ein weiteres Mal Gelegenheit, sich davon zu überzeugen.
Fernando nutzt die Ballettgala immer auch als Gelegenheit, das eigene Ballettensemble vor dieser internationalen Kulisse in Szene zu setzen. Und das nicht nur mit fertigen Produktionen. Diesmal hatten auch zwei „Talente aus der Zukunft“ die Möglichkeit, sich auf der Bühne mit je einem Solo zu präsentieren: Yuika Mamada und Akari Takahashi, beide in dieser Spielzeit Praktikantinnen beim Augsburger Ballett. Kino Luque, der eine eigene Choreografie präsentierte, wurde dem Publikum danach eigens vorgestellt, denn er wird in der nächsten Spielzeit festes Mitglied des Augsburger Ensembles sein.
Wie im Flug verging die Zeit bei der dreistündigen Ballettgala, man hätte gerne noch mehr gesehen. Dass eine solche Veranstaltung nur mit außergewöhnlichem persönlichen Einsatz und auch nur mit Hilfe großzügiger Sponsoren zu stemmen ist, wurde von Fernando zu Recht hervorgekehrt. Die Darbietung entließ jedenfalls ein begeistertes und sehr zufriedenes Ballettpublikum in die Nacht, das sich – so viel wurde schon verraten – am 6. und 7. Februar 2027 auf die nächste Ballettgala freuen darf. Die Vorbereitungen laufen bereits, denn nach der Gala ist vor der Gala.




