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Samstag, 27.06.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Vermischtes

Stadtzeitung Podium: Dokument der verlorenen Träume

Die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg und der Kültürverein Augsburg e.V. organisierten im Rahmen der Kültürtage 2016 eine Rückschau auf die Stadtzeitung PODIUM, die von 1977 bis 1986 erschien. Das monatlich herausgegebene Blatt war ein Periodikum mit einem radikalen Politikansatz und verschwand nicht zuletzt deshalb nach zehn Jahren für immer in der Versenkung – zusammen mit den damals weit verbreiteten Träumereien von einer sozialistischen Gesellschaftsordnung.

Von Siegfried Zagler

Dieter Ferdinand, Michael Friedrichs, Cemal Bozoglu (v.l) (c) DAZ

Dieter Ferdinand, Michael Friedrichs, Cemal Bozoglu (v.l) (c) DAZ


Von 1977 bis 1986 erschien in Augsburg die Stadtzeitung „Podium“. Es handelte sich um ein linksalternativ ausgerichtetes Blatt, das als „Stadtzeitung“ firmierte und heute den damaligen Zeitgeist der politisierten Jugend auf klassische Weise dokumentiert. Es gab in diesen Jahren epochemachende gesellschaftliche Diskursfelder: Frieden, der Atomwaffen-Overkill, der NATO-Doppelbeschluss, das Verhältnis zur DDR, Atomkraft, Feminismus, Migration- und Asylpolitik, der Umweltschutz wurde erfunden, die soziale Marktwirtschaft und die Bedeutung der Kommunalpolitik entdeckt. Der Name „Podium“ symbolisierte den Anspruch, allen diesen Bewegungen eine Plattform zu geben. Die Artikel wurden meist nur mit Vornamen gezeichnet. Musik, Literatur und Kino wurden besprochen, und es gab einen umfangreichen Veranstaltungsteil. Das Format war A4, die Machart: „Schreibmaschinen-Klebeumbruch“. Es gab keine Honorare und Werbung nur im Veranstaltungsteil – Druckkosten konnten nicht immer bezahlt werden.

In der damaligen Bundesrepublik gründeten sich in allen Städten Zeitungen und Magazine mit dem politischen Anspruch, eine Gegenöffentlichkeit herzustellen. Das Problem bestand allerdings in dem damals kaum zur Kenntnis genommenen selbstreferenziellen Gesinnungskanon, der die bestehenden Informationsdefizite der 70er Jahre nicht ernsthaft ausgleichen konnte. Die wenigsten Publiktionen dieser Machart erfüllten journalistische Standards, und die Masse der alternativen Printprodukte stellte kaum jene publizistische Vielfalt her, von der stets die Rede war. Dennoch muss man heute in der Rückschau von einer publizistischen Welle sprechen, die sich um eine bitter notwendige „Gegenöffentlichkeit“ bemühte.

Die Berliner TAZ, der Frankfurter „Pflasterstrand“, das Münchner BLATT und die Summe der gesamten antibürgerlichen Berichterstattung und Kommentierung kann sich heute eine konstitutive Bedeutung für die noch junge Demokratie der Bundesrepublik zuschreiben. Dieter Ferdinand, der sich damals aus einem marxistischen Zirkel in letzter Sekunde zu den Grünen hinüberretten konnte, und Dr. Michael Friedrichs stellten aktuell am 10. November 2016 in Wort und Bild und im Gespräch die Augsburger Zeitschrift „Podium“ vor. Cemal Bozoglu, der heute für die Grünen im Stadtrat sitzt, skizzierte kurz die eher geringfügige Bedeutung der türkisch verfassten Texte des Podiums für die türkische Community dieser Jahre.

Wenn ehemalige Akteure über die Hochzeit ihres politischen Wirkens berichten, fällt das Fazit der ehemaligen „Helden“ meist mild-romantisch aus, weshalb sich am 10. November im Lesesaal der Staats- und Stadtbibliothek unter den zirka 50 Zuhörern niemand darüber zu wundern schien, dass die unmoderierte Veranstaltung kaum mehr zu bieten hatte, als kleinteilige Kurzreflexionen über die eigenen Befindlichkeiten, die im Grunde nur von langatmig vorgelesenen Texten unterbrochen wurden. Die Zukunftsvisionen der Graswurzelrevolutionäre, die in dieser Zeit auch im „Podium“ ihre Entsprechung fanden, die Utopien der linken Eliten, deren radikalste Ableger aus dem Untergrund heraus mordeten, die Träume der Theoretiker von einer besseren Gesellschaft und was davon übrig blieb, der auf breiter Basis höchst wirksam organisierte illegale Widerstand gegen die Atomenergie und vieles mehr fanden keinen Eingang in die Reden von Ferdinand, Friedrichs und Bozoglu.

Kein Wort zu den Denk-Irrtümern dieser Zeit, kein Kontext über die Welt des Kalten Krieges in Augsburg. Stattdessen jede Menge Reminiszenzen. Kurzum: Es war eine matte Rückschau zweier Podium-Macher, die an diesem Abend auf unfreiwillige Weise daran erinnerten, wie tief die Niveau-Latte der ersten „Stadtzeitung für Augsburg“ zehn lange Jahre hing.

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FCA in Not: zahlreiche Spieler verletzt

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