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Mittwoch, 29.04.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Geschichte

Martin Junge erhält den Preis Augsburger Friedensfest 2017

Der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes (LWB), Pfarrer Dr. h.c. Dr. h.c. Martin Junge (56), ist Träger des diesjährigen „Preis Augsburger Friedensfest“.

Martin Junge

Martin Junge (c) LWB


Dies gab Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl am heutigen 8. August, dem Augsburger Hohen Friedensfest, bei der Feierstunde im Goldenen Saal des Rathauses vor rund 200 Gästen bekannt. Martin Junge wurde 1961 in Chile als Sohn einer österreichischen Mutter und eines chilenischen Vaters geboren. Er studierte Theologie in Deutschland und arbeitete in Deutschland, Chile und der Schweiz. Seit 2010 leitet er das Büro der Kirchengemeinschaft des LWB in Genf.

Kurt Gribl nannte den evangelisch-lutherischen Theologen einen „geduldigen Brückenbauer zwischen den Kontinenten, der aufgrund seiner theologischen Prägung und seiner Herkunft Europa als „globalen Norden“ und Südamerika als „globalen Süden“ miteinander verbindet.“ Regionalbischof Michael Grabow von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und Oberkirchenrat im Kirchenkreis Augsburg würdigte Martin Junge als Kenner der theologischen und kirchlichen Tradition des europäischen Luthertums, der zugleich von der lateinamerikanischen Theologie stark inspiriert ist.

„In seinem Denken und Handeln verbindet sich ein klares Bewusstsein für den geistlichen Charakter der Kirche mit engagierter Weltverantwortung. Zugleich setzt er sich nachdrücklich für ein globales Selbstverständnis der lutherischen Kirche ein“, so Grabow über den Generalsekretär der größten lutherischen Weltgemeinschaft. Der LWB umfasst 145 lutherische Kirchen mit über 74 Millionen Mitgliedern in 98 Ländern.

Martin Junge: „Weg der Versöhnung fortsetzen“

In einer ersten Reaktion zeigte sich Junge gerührt: „Ich fühle mich geehrt und bin dankbar für den Augsburger Friedenspreis. Er ermutigt uns im Lutherischen Weltbund und mich persönlich, den Weg der Versöhnung zwischen Kirchen und Religionen fortzusetzen. In einer Welt, die von Konflikt, Spaltung und zersetzenden Bewegungen geprägt ist, lohnt es sich, im Dialog zu bleiben. Durch kontinuierliche Dialoge wachsen Vertrauen sowie gegenseitiges Verständnis, Unterschiede können überwunden werden. Dies zeigt die Annäherung zwischen Lutheranern und Katholiken in den 50 Jahren des Dialogs zwischen LWB und Vatikan eindrücklich.“

Mit Verweis auf den Augsburger Religionsfrieden (1555) und die Unterzeichnung der gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre (1999) hob Junge die Bedeutung der Stadt Augsburg hervor: „Augsburg steht für die Friedensbemühungen zwischen Katholiken und Lutheranern. In diesem Geiste wollen wir unseren gemeinsamen Weg fortsetzen“. Regionalbischof Michael Grabow begründete die Entscheidung der Friedenspreis-Jury, deren Vorsitzender er ist.

Jury-Mitglieder sind außerdem OB Dr. Kurt Gribl, Oberkirchenrat Michael Martin, Stadtdekanin Susanne Kasch, Weihbischof Dr. Anton Losinger, Professor Dr. Bernd Oberdorfer, Dr. Herbert Veh, Präsident des Landgerichts, Rechtsanwalt Dr. Thomas Weckbach und Professor Dr. Gregor Wurst.

In Anlehnung an den konfessionellen Hintergrund des Hohen Friedensfestes haben Stadt und Evangelische Kirche im Jahr 1985 vereinbart, dass der Friedenspreis „für besondere Leistungen zur Förderung interkonfessioneller Gemeinsamkeiten“ verliehen wird. Das Hohe Friedensfest wird seit 1650 jedes Jahr am 8. August in Augsburg gefeiert. Es geht zurück auf den Westfälischen Frieden von 1648, der das Ende der Unterdrückung der Protestanten während des Dreißigjährigen Krieges einleitete. Seit 1950 ist der 8. August ein gesetzlicher Feiertag, der nur für das Stadtgebiet Augsburg gilt.

Der mit 12.500 Euro dotierte „Preis Augsburger Friedensfest“ wird seit 1985 alle drei Jahre am 8. August zum Hohen Friedensfest verliehen. Anlässlich der 450-Jahr-Feier des Augsburger Religionsfriedens von 1555 im Jahr 2005 wurde die Preisverleihung ausnahmsweise um ein Jahr vorgezogen. Somit wird auch heuer wieder ein Friedenspreis vergeben. Die eigentliche Preisverleihung findet am Samstag, 21. Oktober 2017 im Goldenen Saal des Rathauses statt.

Mit Blick auf das Augsburger Bekenntnis, die Confessio Augustana 1530, und den Augsburger Religionsfrieden 1555 erinnerte Oberbürgermeister Dr. Gribl daran, „dass es dem Mut der protestantischen Fürsten im 16. Jahrhundert zu verdanken ist, wenn wir heute in der westlichen Welt und in vielen Ländern dieser Erde im toleranten Miteinander der Weltanschauungen und Religionen leben dürfen. Denn der tolerante und respektvolle Umgang miteinander ist ein mächtiger Friedengarant und eines der höchsten Güter, die wir besitzen.“ Leider müsse man erkennen „dass die einst so mutig proklamierte Forderung für gegenseitige Toleranz, für Meinungs- und Glaubensfreiheit auch 2017 bei weitem nicht in allen Ländern unserer Erde eingelöst ist. Auch innerhalb unserer Gesellschaft seien Frieden und Freiheit durch zum Teil hohe Gewaltbereitschaft einzelner Gruppierungen ernsthaft bedroht. Das Augsburger Hohe Friedensfest sei deshalb ein starkes Bekenntnis für das friedliche Miteinander unserer Stadtgesellschaft, deren Merkmal die Vielfalt sei. „Auf diese Vielfalt ist Augsburg stolz. Sie gilt es, täglich zu leben und zu bewahren. Für Menschen, die danach handeln – überall auf der Welt“, so Augsburgs Stadtoberhaupt Kurt Gribl.

Bisherige Preisträger:

2014 an Schwester Dr. Dr. h.c. Lea Ackermann, Gründerin und Erste Vorsitzende von SOLWODI

2011 Papst Shenouda III von Alexandrien (Oberhaupt der koptisch-orthodoxen Kirche, gestorben)

2008 Prinz el Hassan bin Talal von Jordanien (Brückenbauer zwischen Orient und Okzident, Förderer des „Trialogs“ zwischen Muslime, Juden und Christen)

2005 Michail Gorbatschow (Friedensnobelpreisträger 1990 und früherer Staatschef der Sowjetunion) sowie Christian Führer (Pastor der Leipziger Nikolaikirche, gestorben)

2003 Senator a. D. Helmut Hartmann (Gründer des Forums Interkulturelles Leben und Lernen – FILL)

2000 Sumaya Farhat-Naser (Friedensvermittlerin im Westjordanland)

1997 Dr. Alfons Nossol (Erzbischof in Oppeln/Polen)

1994 Dr. Richard von Weizsäcker (Altbundespräsident, gestorben)

1991 Nathan Peter Levinson (Landesrabbiner Hamburg und Schleswig-Holstein, gestorben)

1988 Chiara Lubich, (Gründerin der Fokolar-Bewegung, gestorben)

1985 Dr. Hermann Kunst (deutscher Militärbischof, gestorben)

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