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Mittwoch, 08.07.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Städtebau

Stadtrat: Emotionale Debatte zum Bahnhofsumbau

Im Bauausschuss vor einer Woche war die Stimmung eher pragmatisch bis lustlos, als die Neugestaltung des Hauptbahnhofs auf der Tagesordnung stand. In der gestrigen Stadtrats-Sondersitzung ging es dagegen äußerst emotional zu.

Thema des Tagesordnungspunktes 1 war der Projektbeschluss zur Neugestaltung des Augsburger Hauptbahnhofs. Kernstücke des 94,5 Millionen Euro teuren Umbaues: der behindertengerechte Ausbau, die Schaffung eines Westzugangs nach Pfersee und die Unterquerung des Bahnhofs mit der Straßenbahn auf einer zweiten Ebene (Ebene Minus 2) unterhalb des derzeitigen Fußgängertunnels zu den Gleisen.

Sebastian-Buchegger-Platz: Hier soll 2016 der Westzugang zum Bahnhof entstehen

Sebastian-Buchegger-Platz: Hier soll 2016 der Westzugang zum Bahnhof entstehen


Baureferent Gerd Merkle wies auf die Bedeutung des Hauptbahnhofs hin: Er sei der zentrale Punkt der Mobilitätsdrehscheibe. Seit März habe es zehn Arbeitsgruppensitzungen im Wochentakt gegeben. Dabei habe man immer die bestmögliche Planungsvariante gefunden. Besonders bedankte sich Merkle bei Stadtwerkechef Norbert Walter, der immer dabei war und sich sehr kooperativ zeigte. Zum Zeitplan berichtete Merkle, dass der Antrag auf Planfeststellung im Frühjahr 2010 gestellt werde. Das anschließende Planfeststellungsverfahren dauert ca. 2 Jahre. Bauzeit für den Bahnhofsumbau wird von 2012 bis 2016 sein. Die Baukosten bezifferte Merkle mit 94,5 Millionen Euro, bei einem städtischen Anteil von lediglich 3 Millionen.

Viele Wünsche blieben offen

Beate Schabert-Zeidler (Pro Augsburg) betonte wie bereits im Bauauschuss, dass ihre Entscheidung für den Umbau eine Vernunftsentscheidung sei: „Bei einem Nein haben wir nichts, und das auf Jahrzehnte“. Auch für Stefan Kiefer (SPD) war gestern „die letzte Chance, den Bahnhofsumbau weiterverfolgen zu können“. Man sei zu dem gelangt, was möglich war. Der Umbau mit der Verknüpfung von Bahn und Tram sei ein „unwahrscheinlicher Fortschritt für diese Stadt“. Der Westzugang und die Rolltreppen und Aufzüge seien Dinge, die man positiv aufnehmen müsse: „Das Glas ist dreiviertel voll“.

Für Eva Leipprand (Grüne) blieben zwar „viele Wünsche offen, aber es ging eben nicht“. Auch OB Kurt Gribl bedauerte, dass viele Verbesserungen nicht erreicht werden konnten. „Man hätte natürlich die Planungsvereinbarung mit der Bahn auflösen können. Aber das hätte bedeutet: neu anstellen.“ In Anbetracht der Bedeutung des Bahnhofs für das Umland und der Verantwortung für die Gesamtgestaltung Augsburgs wäre das nicht zu verantworten gewesen.

Bernd Kränzle (CSU) räumte ein, nie für die unter der Vorgängerregierung zustande gekommene Planungsvereinbarung gewesen zu sein. Getreu dem biblischen Motto „Suche der Stadt Bestes“ gebe es für seine Fraktion aber drei Gründe, für den Bahnhofsumbau in der vorliegenden Form zu sein:

  • Aus den vom OB geschilderten Gründen wäre es unverantwortlich gewesen, die Planungsvereinbarung aufzukündigen.
  • Man erreiche eine qualitätsvolle Verbesserung insgesamt.
  • Die Zuschussregelung könne sich sehen lassen.

Kränzle abschließend: „Es ist eine Entscheidung, die für die Stadt wirklich was bringt“.

Pferseer Unterführung als Alternative vom Tisch

Thorsten Große (CSU), der als Vertreter der Mittelstandsunion noch vor wenigen Wochen statt des Mitteltunnels eine Straßenbahntrasse durch die Pferseer Unterführung präferiert hatte, rückte öffentlich davon ab – angesichts der „Gefahr, dass dann die Planungsvereinbarung mit der DB gekündigt werden müsste“. Für Volker Ullrich (CSU) ist der Bahnhofsumbau ein „Quantensprung für unsere Stadt“. Man komme damit wieder auf Augenhöhe mit den Städten, die längst umgebaut und städtebauliche Akzente gesetzt haben. „Eine Metropole muss sich durch einen Bahnhof auszeichnen, der mehr als Provinzialität ausstrahlt“.

Reiner Erben (Grüne) bedankte sich reihum: bei Bernd Kränzle für die Klarheit der Position zur Pferseer Unterführung, bei der Verwaltung, die nichts für den Zeitdruck könne und vor allem bei Norbert Walter: „Ihm haben wir zu verdanken, dass wir so weit sind“. Für Karl-Heinz Schneider (SPD) war gestern ein Tag „großer Freude und Genugtuung“, dieses „wirkliche Jahrhundertprojekt“ mit auf den Weg zu bringen. Zusammen mit dem damaligen OB Paul Wengert habe auch er bei Mehdorn versucht, „nach vorne zu kommen“. Selbstverständlich trage sein Fraktion jetzt die Verbesserungen mit, die unter OB Kurt Gribl erreicht werden konnten. Für ihn beginne jetzt „ein neues Kapitel der Mobilität in Augsburg“.

„Durch die Läden im Bahnhofsgebäude geschleust“

Aber auch kritische Töne gab es: Rose-Marie Kranzfelder-Poth (FDP) bemühte Perikles, der bereits 430 v. Chr. die Sorge der Bürger um ihre Stadt konstatierte. Daran habe sich nichts geändert, nur dass heute die von den Bürgern gewählten Volksvertreter entscheiden. Die Entscheidung über die Mobilitätsdrehscheibe sei für sie die schicksalsschwerste in ihrer Stadträtinnentätigkeit.

In einer emotionalen, fünfminütigen Rede wies Kranzfelder-Poth auf zahlreiche Nachteile der Bahnhofslösung hin. Man bekomme eine Straßenbahnhaltestelle in der Ebene Minus 2, die nur zu 40% von Bahnreisenden benutzt werden wird. „Die anderen 60% wollen nicht zum Zug und kommen nicht vom Zug“. Ihr Ziel seien Geschäfte, Ärzte, Rechtsanwälte oder die Regionalbusse. Sie müssten künftig lange Wege in Kauf nehmen und würden zwangsweise über die Ebene Minus 1 durch die Läden im Bahnhofsgebäude geschleust: „Wir bezahlen dafür, dass der Großteil der Nutzer des ÖPNV eine Verschlechterung in Kauf nehmen muss“.

Auch Alexander Süßmair (Die Linke) kritisierte die hohen Baukosten, die in keinem Verhältnis zur Zukunftsfähigkeit des Bahnhofs stünden. Argumentativ schloss er sich Rose-Marie Kranzfelder-Poth an: Viel Geld der Stadt werde ausgegeben, um letztlich eine Verschlechterung für Leute zu erreichen, die als Ziel nicht den Zug haben: „Den Aufzug hätten wir der Mutter mit Kind auch billiger geben können“.

Der Projektbeschluss für den Bahnhofsumbau fiel nach über zweistündiger Debatte gegen die Stimmen der beiden linken Stadträte Dietmar Michalke und Alexander Süßmair und von Rose-Marie Kranzfelder-Poth (FDP).


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