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Mittwoch, 01.07.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Kultur

Georg Salzmann ist tot

Die Unibibliothek übernahm 2009 seine „Bibliothek der verbrannten Bücher“

Von Frank Heindl

Vor ziemlich genau vier Jahren, am 13. November 2009, übernahm die Universität Augsburg das Vermächtnis von Georg P. Salzmann. Der damals 80-Jährige hatte in jahrzehntelang währender Sammlerarbeit seine „Bibliothek der verbrannten Bücher“ zusammengestellt, rund 11.000 Bände von Autorinnen und Autoren, die während des NS-Regimes verfemt waren. Am vergangenen Samstag, dem 9. November, starb Salzmann in Lochham bei München.

„Der Kaufmann Georg P. Salzmann hatte in den 1970er Jahren damit begonnen, in Erstausgaben die Werke jener Autoren zu sammeln, die während des NS-Regimes verfemt waren“, schreibt in einem Nachruf der Leiter der Universitätsbibliothek Augsburg, Dr. Ulrich Hohoff. 40 Jahre später habe er der „das Gesamtwerk von zirka 80 Schriftstellern nahezu komplett“ besessen „ – und damit die umfangreichste private Sammlung zum Thema mit sehr vielen seltenen Titeln.“

Georg Salzmann (Foto: Arno Loeb)

Georg Salzmann (Foto: Arno Loeb)


Mundtot gemacht wurden im Anschluss an die Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933 im nationalsozialistischen Deutschland nicht nur Autoren, die dem Regime kritisch gegenüberstanden, sondern alle Schriftsteller, die sich gegen den deutschen Militarismus wandten, die für Demokratie oder Sozialismus eintraten – oder die „jüdisch versippt“ waren, wie es im widerlichen Jargon der Nazis hieß. Unter ihnen waren Bertolt Brecht, Oskar Maria Graf, Lion Feuchtwanger, Thomas Mann und viele mehr. Er habe einfach nicht gewollt, „dass die Nazis im Nachhinein Recht behalten“, sagte Salzmann und sorgte dafür, dass auch die weniger bekannten unter den damals verfolgten Autoren wieder gelesen werden können. Viele von ihnen schafften es noch in die Emigration (im vergangenen Jahr hatte sich eine Ausstellung der Bibliothek dieses Themas angenommen), viele starben in den Konzentrationslager oder wurden andernorts ermordet, viele auch setzten in verzweifelter Lage ihrem Leben selbst ein Ende.

Ihre Bücher haben überlebt dank Salzmanns Sammeleifer und der Bereitschaft der Universität Augsburg, sich dieses Konvoluts anzunehmen, das vor vier Jahren lieferwagenweise aus München hergeschafft wurde und in aufwändiger Arbeit katalogisiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde (siehe http://www.bibliothek.uni-augsburg.de/salzmann/). In den letzten Jahren wirkte Salzmann selbst mehrmals als Zeitzeuge bei Veranstaltungen der Universität mit. Die Konferenz „Censorship & Exile“, die im Mai 2013 an der Universität Augsburg von der hiesigen Amerikanistik in Zusammenarbeit mit der University of Texas at Austin veranstaltet wurde, zeigte, dass die Sammlung auch international auf großes Interesse stößt. Und das von der Augsburger Germanistin Prof. Dr. Bettina Bannasch in diesem Jahr herausgegebene „Handbuch der deutschsprachigen Exilliteratur“ wurde weitgehend anhand des Bestands der Sammlung Salzmann erarbeitet.

Salzmann wird auch als der selbstbewusste Alte in Erinnerung bleiben, der bei der Feier zur Übernahme seiner Sammlung mit Verve und voller Wut aus Feuchtwangers „Jud Süß“ las. Für ihn war die Nazizeit noch nicht Historie, der Antisemitismus nicht überstanden. Aus jedem seiner Worte tönte die Abscheu gegen die pervertierte Art des Denkens und Empfindens, die in Nazideutschland Dichtern und Juden Tod und Vernichtung gebracht hatte und die noch immer nicht aus allen Köpfen verschwunden ist. Unvergessen ist auch die Freude, die der alte Herr ausstrahlte, als die Universitätsbibliothek ihm eine Last abgenommen hatte, die ihm schließlich doch über den Kopf zu wachsen drohte. Seine „verbrannten Bücher“ werden nun fürs kulturelle Gedächtnis bewahrt, und so ist es auch Georg Salzmanns Verdienst, dass die Nazis nicht Recht behalten haben.

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