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Dienstag, 28.04.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Festival

ku.spo: „Wir wollen im Kopf etwas verändern“

Kulturreferent Peter Grab erstattete in der gestrigen Kulturausschusssitzung Bericht über die umstrittene Veranstaltungsreihe ku.spo. Die Rathausopposition und die Augsburger Allgemeine hatten in den vergangenen Tagen auf Grund der schwachen Resonanz und der dramatischen Haushaltslage die Absetzung des Projekts gefordert.

Für Peter Grab ist das nicht akzeptabel. Etwas in dieser Form habe es während eines laufenden Projekts in dieser Stadt noch nie gegeben. Man habe nicht nur Verträge zu erfüllen, sondern auch die 2010 angesetzte Landesausstellung Bayern-Italien mit ku.spo zu begleiten. Außerdem müsse man mittels ku.spo die Frauen-WM 2011 mit einem Kulturprogramm ausstatten. Man könne also nicht mitten in das Projekt „reinfahren“. „Es gibt nichts einzusparen“, so Grab, der im Kulturausschuss ku.spo als innovatives Projekt bezeichnete und als Projekt, das „grenzübergreifend etwas Neues ausprobiert.“

ku.spo-Webseite

ku.spo-Webseite


Aufgrund einer Anfrage der Grünen bezog der Kulturreferent Stellung zum bisherigen Zuspruch und musste einräumen, dass ku.spo-Open einer Optimierung bedürfe, da die 158 Workshops der Augsburger Vereine nicht den erwünschen Beteiligungserfolg vorweisen konnten. „Null bis zwanzig Leute waren pro Veranstaltung da“, so Grab, der mehrmals explizit darauf hinwies, dass es auch respektablen Zuspruch bei einigen Events gab. Die beiden Vorleser – die FCA-Profis Stefan Hain und Tobias Werner – konnten 35 und 50 Kinder in die Neue Stadtbücherei locken. Die Augsburg-Rallye „ku.spo-KulTour“ mit Fragen zum Wirken der Familie Fugger sei zum Beispiel mit einhundert Teilnehmern sehr gut besucht gewesen. Die drei Tenöre hätten mit ihrem unbezahlten Engagement bei der Eröffnung der impuls arena die Leute begeistert und ihnen etwas gegeben, was sie anderweitig nie erfahren hätten, so Grab.

„Der bisherige Verlauf bestätigt alle Bedenken“

Der erfahrene Kulturpolitiker Karl-Heinz Schneider (SPD) sieht die Angelegenheit dennoch als verfahren an. „Der bisherige Verlauf bestätigt alle Bedenken, die das Projekt von Anfang an begleitet haben. Ku.spo sei von Anfang an als etwas Aufgesetztes wahrgenommen worden, das Projekt fordere etwas ein, das eine Binsenweisheit sei, denn, so Schneider, „Schnittmengen gibt es viele“. Kultur sei generell etwas Übergreifendes, aber so wie das Kulturreferat mit ku.spo die Kultur thematisiere, werde der Begriff der Kultur verniedlicht. Trotz des teuren „Riesenmarketings“ sei das Ergebnis viel zu mager. Verena von Mutius (Grüne) blies in das gleiche Horn und bemängelte die Fehler in der Bewerbung von ku.spo-Open, dessen mangelnder Zuspruch die Medienkritik ausgelöst hat. Es sei außerdem nicht so, dass die Grünen von Beginn an aus parteipolitischen Gründen gegen das Projekt geschossen hätten, wie Grab das in seiner Pressekonferenz am vergangenen Donnerstag dargestellt habe: „Sie wissen doch, dass wir dem Grobkonzept sowohl im Sport- wie auch im Kulturausschuss zugestimmt haben.“

„Es wäre wünschenswert, wenn dieses Projekt eine würdige Begleitung fände“

Bernd Kränzle bei der 1. Augsburger Fahrradsternfahrt

Bernd Kränzle bei der Augsburger Fahrradsternfahrt


Bernd Kränzle, Fraktionschef der CSU, mahnte bei ku.spo zwar noch einige Dinge als verbesserungsfähig an, sieht aber in dem Projekt eine große Chance, die Konkurrenz zwischen Sportvereinen und Kulturschaffenden auszupendeln. Beide Gruppen verweisen jeweils immer aufeinander, wenn sie argumentieren, sie seien hinsichtlich städtischer Förderungsgelder zu kurz gekommen. Allein aus dieser Neidfalle herauszukommen, wäre laut Kränzle schon lohnend. Es wäre aber angebracht, das gesamte Projekt hinsichtlich seines gesellschaftlichen Nutzens zu evaluieren. Kränzle schlug Grab vor, ku.spo von der Augsburger Universität bewerten zu lassen. Dr. Helmut Altenberger, Direktor des Instituts für Sportwissenschaft an der Universität Augsburg, solle dem Projekt ein belastbares Zeugnis hinsichtlich seines gesellschaftlichen Nutzens ausstellen. Es wäre wünschenswert, so Kränzle, wenn dieses Projekt, das eine Chance verdiene, eine würdige Begleitung fände. Bei Liselotte Grose (SPD) rief dies Verwunderung hervor. Kränzle müsste doch als BLSV-Mann genau wissen, dass das Projekt bei den Übungsleitern der Vereine keinen großen Rückhalt habe. Das Ganze sei aufgesetzt und mache keinen Sinn.

Mit Spannung wurde Karl Heinz Englets Statement erwartet. Englet gilt in den Reihen der Regierungskoalition nicht zuletzt wegen des ku.spo-Projektes als Grab-Kritiker. „Es ist so viel über ku.spo gesprochen worden, lassen Sie“ – so Englet in Richtung Opposition – „dieses Projekt einfach an uns vorbeiziehen. Das ist etwas Neues, das ziehen wir jetzt einfach durch.“ Nicht weniger diplomatisch formulierte es Andreas Jäckel (CSU), der das Projekt insgesamt zwar positiv bewertete, aber Entwicklungsfähigkeit attestierte. Auf die Sinnhaftigkeit seines Projekts ließ Kulturreferent Peter Grab am Ende nichts kommen. Diese ergebe sich durch eine andere, stärkere Bewusstseinswertung und darauf fußend entwickle sich neue Kreativität: „Wir wollen im Kopf etwas verändern.“

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