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Donnerstag, 27.01.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

lab.30: Hochschule kündigt Zusammenarbeit auf

Beim Kulturamt bleibt man gelassen

Von Frank Heindl

Mit einem Paukenschlag schließt das diesjährige Augsburger Kunstlabor „lab.30“: Einen Tag nach dem Ende des dreitägigen Festivals für Medienkunst im Kulturhaus abraxas kündigte Professor Robert Rose von der Hochschule für Gestaltung am Sonntag per Pressemitteilung die weitere Zusammenarbeit mit der Festivalleitung im Kulturamt auf.

Von Roses Hochschullehrstuhl für Zeit-Medien waren seit der Gründung vor acht Jahren immer wieder Impulse für Konzeption und inhaltliche Fortentwicklung des Festivals ausgegangen. Noch am Freitag hatte eine Studentenjury der Hochschule den diesjährigen, mit 1.000 Euro dotierten „lab-award“ vergeben.

Prof. Robert Rose

Prof. Robert Rose


Rose konstatiert, man habe am „internen Umgang“ feststellen müssen, dass „eine echte Partnerschaft nicht mehr gewollt“ sei. Die Debatte zwischen Kulturamt und Fakultät sei „nicht mehr konstruktiv zu führen“ gewesen, weshalb die Hochschule der Stadt einen Partnerschaftsvertrag vorgeschlagen habe – „leider bisher ohne Antwort.“ Beim Kulturamt sieht man die Sache selbstredend ganz anders. Elke Seidel, die verantwortliche Festivalleiterin, gibt sich „verschnupft“ ob des Stils der unangekündigten Kündigung per Pressemitteilung, und Kulturamtsleiter Thomas Weizel gibt ihr darin Recht – wie auch in ihrer Argumentation, Professor Rose nehme die Rolle der Hochschule für das „Lab“ deutlich zu wichtig. Seidel: „Die Ideen kamen von uns, nicht von der Hochschule“ – das Lab habe sich im Kulturamt immer mehr professionalisiert, die Hochschule sei bei der Veranstaltung ein Kooperationspartner gewesen, „mehr nicht“. Als entsprechend gering bewerten Weizel wie Seidel den Verlust für das Festival, sollte es beim Ausstieg bleiben. Weizel: „Das Programm findet eins zu eins auch ohne die Hochschule statt!“

Weizel hatte sich noch am Sonntag an Hochschuldekan Jens Müller gewandt. Der hatte vom Alleingang Roses nichts gewusst und zeigt sich betroffen: „Das ist sehr schade, weil das Projekt selbst ja unheimlich erfolgreich ist.“ lab.30 sei zu einer wichtigen Plattform für die Augsburger Studenten geworden. Müller hofft, das letzte Wort sei noch nicht gesprochen, und gibt sich sicher, dass es neue Kooperationen mit der Stadt und dem Festival geben werde. Die Probleme lägen möglicherweise auch „im zwischenmenschlichen Bereich“ – und solche Probleme gebe es überall. Im Übrigen verteidigt er Roses Arbeit: Bei dessen Studenten gebe es „extreme Hochleistungen“, Rose sehe sich aber vor allem als Künstler und scheue „die Mittelwege, die man in der Politik oft gehen muss.“

Im Kulturamt fürchtet man indessen weniger den endgültigen Ausstieg der Hochschule für Gestaltung als die politischen Folgen. Bei den Etatverhandlungen könnten interne Streitigkeiten zum Anlass genommen werden, bei der elektronischen Kunst den Rotstift anzusetzen. lab.30 hat zwar seit Jahren stetig wachsende Besucherzahlen vorzuweisen – in diesem Jahr sollen die Zahlen noch einmal gestiegen sein – aber auch mehr als 1500 Besucher machen keine starke Lobby für ein Projekt, das naturgemäß nur Spezialpublikum anzieht.

» Kommentar: Genug gemenschelt