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Mittwoch, 01.07.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Kultur

„facebooks“: Augsburger Untergrund der 70er in der Buchhandlung am Obstmarkt

Der Zeichner Gerhard Müller zeigt ab sofort in der Buchhandlung am Obstmarkt Skizzen und Eindrücke aus den Augsburger 70er-Jahren. Die Ausstellung „facebooks“ läuft bis zum 31. Juli 2026.

Von Bruno Stubenrauch

„Nicht der Vergilbung preisgeben“: Zeichnungen von Gerhard Müller

Gerhard Müller, Jahr­gang 1952, hat nie wirk­lich aufge­hört zu zeich­nen – auch nicht wäh­rend der Schul­zeit, die er nach eige­ner Aus­sage „erheb­lich“ damit ver­trö­delte. Was damals wie Zeit­ver­­schwen­dung wirkte, wurde zum Lebens­mittel­punkt: Müller wurde Grafiker, Illu­strator, Chronist einer bewegten Zeit.

Den Augsburgern ist er vor allem durch das Monats­magazin „Lueginsland“ bekannt, für das er von 1977 bis 1980 nicht nur Artikel illu­strierte, sondern auch einpräg­same Titel­bilder gestaltete – darunter ein Cover mit dem damaligen Ober­bürger­meister Hans Breuer. Zusammen mit Aktivisten wie Kurt Idrizovic und Arno Loeb, den Ini­tiatoren des Magazins, war er Teil einer lebendigen Augsburger Kreativ­szene, die damals noch als „Untergrund“ galt.

Athen 1973: Geschichte hautnah

Doch Müllers Weg führte ihn zuvor in die Welt. Dank eines Stipendiums der Werkstiftung Charlotte Tangerding verbrachte er 1973 ein prägendes Jahr an der Privat­schule für Mode, Grafik und Malerei Beloudakis in Athen – bei Prof. Theodore Pantos. Im Herbst desselben Jahres nahm er mit seinen griechischen Freunden am Aufstand gegen die Militär-Junta teil, beteiligte sich an der Besetzung des Poly­technikums und half bei der Flug­blatt­herstellung. Dort begegnete er der Sängerin Maria Farantouri und dem Musiker Markopoulos. Diese Zeit ist in seinen Zeichnungen erhalten geblieben.

Erinnerungen gegen die Vergilbung

Die Ausstellung „facebooks“ versammelt skizzen­hafte Eindrücke aus den Augsburger 70ern – Personen, Orte, Hintergründe einer Epoche im Wandel. Müller selbst beschreibt das Anliegen so: Die Sammlung soll einladen, geteilte Erinnerungen nicht der Vergilbung preiszugeben, sondern an ihnen die eigene Wandlungs­fähigkeit zu erkennen. Auch so gelinge „Altern“.

Heute lebt der ehemalige Berufs­schul-Religions­lehrer musik­begeistert und im Ruhe­stand mit seiner Familie im Landkreis Neu-Ulm und im Ost­allgäu.

„facebooks“ ist vom 2. bis zum 31. Juli 2026 in der Buch­handlung am Obstmarkt, Obstmarkt 11, Augsburg, zu sehen.

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