DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Mittwoch, 11.02.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Kultur

Bühne am Gaswerk: Droht ein Sichtlinien-Debakel wie beim Eisstadion?

Gute Sicht für alle Besucher des Frei­licht­bühnen-Ersatzes am Gaswerk verspricht der Augs­burger Stadt­sommer. Doch hält dieses Ver­sprechen stand – oder droht ein Sicht­linien-Debakel wie 2010 am Curt-Frenzel-Stadion? Denn einfache Geometrie lässt sich nicht überlisten. Die DAZ hat nachgerechnet.

Von Bruno Stubenrauch

Wo ist der Polt? Und seine Well-Brüder? Blick von Reihe 19 Mitte bei nicht auf Lücke platzierten Sitzen. Der Kopf des Vordermanns verdeckt 5,5 Meter Bühne (KI-Simulation)

Seit Montag ist der Freilicht-Sitzplan für das Gaswerk­gelände online, auf dessen Basis die Tickets für die Stadtsommer-Konzerte 2026 verkauft werden. „Die Sitzplätze für das Publikum werden sich am Gaswerk baulich ändern. Es wird keine voll­ständige Tribüne wie auf der Freilicht­bühne geben. Es entsteht eine eben bebaute, voll­ständig bestuhlte Fläche, die dennoch eine gute Sicht für alle Besuche­rinnen und Besucher ermöglicht“, heißt es in den FAQ auf augsburger-stadtsommer.de. Ein großes Versprechen – schließlich werden Zuschauer­tribünen üblicher­weise nach hinten ansteigend gebaut, und das aus gutem Grund.

Augenpunkt, Scheitelpunkt, Fokuspunkt

Geregelt ist das unter anderem in der DIN EN 13200-1 „Zuschaueranlagen“. Grundlage der Norm ist die mensch­liche Anatomie: Der Scheitel liegt im Durch­schnitt rund zwölf Zentimeter über dem Augenpunkt. Wer waagerecht über den Vordermann hinweg auf eine Bühne oder ein Spielfeld blicken will, muss also etwa zwölf Zentimeter höher sitzen als dieser.

Ein weiterer zentraler Begriff der techni­schen Regeln ist der Fokuspunkt – also der Punkt, den der Zuschauer unbedingt im Blick haben möchte. In Sport­stadien ist das der Boden des Spielfelds, um Ball, Puck und Linien sehen zu können. Auch bei Ballett- oder Theater­auf­führungen mit aufwändigen Bühnen­bildern zählt der Bühnen­boden dazu. Bei Musik­ver­an­staltungen wird bisweilen ein um rund 60 Zenti­meter erhöhter Fokuspunkt als reduzierte Anforderung akzeptiert, um die Künstler zumindest ab Hüfthöhe sehen zu können.

Erhöhte Bühne statt ansteigender Sitzreihen

Ein Meter hohe Bühne beim Friedensfest (Bild: DAZ)

Eine Überhöhung der Sitzreihen scheidet am Gaswerk mangels Tribüne aus. Um die Sicht­linien dennoch aufzu­fächern und bei ebener Bestuhlung akzep­table Sicht zu er­mög­lichen, werden Bühnen erhöht errichtet. Grund­sätzlich gilt: je höher, desto besser. Doch auch hier gibt es Grenzen: Der Augen­punkt sitzender Zuschauer liegt bei etwa 1,20 Metern. Über­schreitet der Bühnen­boden diese Höhe, ist er nicht mehr sichtbar. Zudem wird das starke Hochsehen für die vorderen Reihen schnell unangenehm und kann buch­stäblich zu Genick­starre führen.

Üblich sind daher Bühnenhöhen zwischen 1,00 und 1,40 Metern über dem Zuschauer­raum. Eine Anfrage bei Augsburg Marketing, wie hoch die Bühne am Gaswerk konkret ausfallen wird, blieb bis Redaktions­schluss unbe­antwortet. Für die Berechnungen wird daher von einer mittleren, üblichen Höhe ausgegangen.

Geometrie der Sichtlinien

Gemäß Sitzplan beträgt der Abstand der ersten Reihe zur Bühne rund zehn Meter. Die Reihen selbst sind in Abständen von etwa einem Meter angeordnet – ein gängiges Maß. Legt man diese Werte sowie eine Bühnenhöhe von 1,20 Metern zugrunde, ergibt sich für einen Zuschauer in Reihe 2, der knapp über den Kopf seines Vorder­manns hinweg blickt, folgende Sichtlinie:

Situation am Gaswerk (Grafik: DAZ)

Da der Blick dabei mit einer Steigung von rund zwölf Prozent nach oben verläuft – also zwölf Zenti­meter Höhenplus pro Meter –, ist nicht einmal die redu­zierte An­forderung erfüllt, den Hüftbereich der auf­tretenden Personen zu sehen. Der Kopf des Vorder­manns erreicht an der Bühnen­kante rechne­risch bereits eine virtu­elle Scheitel­höhe von 1,20 Metern über dem Bühnen­boden. Ab etwa Reihe 6 sind die Personen auf der Bühne hinter dem Kopf vollständig verdeckt. Drüberschauen ist nicht.

Wenn Köpfe zu Mauern werden

Natürlich kann man seinen Kopf zur Seite neigen, schief sitzen, mal rechts mal links am Vorder­mann vorbei­schauen. Aber bereits in Reihe 2 erscheint der Kopf des Vorder­manns an der Bühnen­kante virtuell fast zwei Meter breit. In Reihe 20 verdeckt er mit fünf bis sechs Metern Breite nahezu die Hälfte der Bühne.

Wirksame Abhilfe ohne Akrobatik böte nur eine konse­quent ver­setzte Bestuhlung „auf Lücke“. Dann behindert erst der Vorder­mann der über­nächsten Reihe den Blick. Die virtu­elle Kopf­breite und -höhe halbieren sich, die vom Kopf verdeckte Fläche schrumpft auf ein Viertel. Die Sicht­behinde­rung in Reihe 20 bei einem Bühnen­abstand von rund 30 Metern entspräche dann jener in Reihe 5 bei nicht versetzter Bestuhlung.

Sitzplan mit Schwächen

Im zurzeit veröffentlichten Sitzplan (10.02.2026) deutet allerdings nichts darauf hin, dass am Gaswerk konsequent auf Lücke bestuhlt wird. Die Seiten­blöcke weisen keinerlei Versatz auf. Im Mittel­block erfolgt eine Ver­schiebung um eine halbe Sitzbreite erst nach zwei oder drei Reihen. Offenkundig stand hier die optimale Ausnutzung der trapez­förmigen Block­geometrie im Vordergrund – nicht jedoch die best­mögliche Sicht.

Sollte die Bestuhlung tatsächlich so umgesetzt werden wie derzeit dar­gestellt, bleibt Ticket­käufern nur der Rat, die Seiten­blöcke zu meiden und im Mittel­block das vordere Drittel sowie bevorzugt die Reihen 9, 11, 13, 15, 18 und 20 zu wählen, die einen Versatz zur Vorder­reihe haben. Das kann jedoch kaum im Sinne der Ver­anstalter oder des Publikums sein. Konse­quentes Bestuhlen aller Reihen auf Lücke wäre dringend geboten. Ergänzend könnten erhöht angebrachte Videowände – wie beim Münchner Freiluft­event „Klassik am Odeonsplatz“ – helfen, die Auf­führungen am Gaswerk zu Erleb­nissen zu machen, die Eintritts­preise von rund 50 Euro tat­sächlich recht­fertigen.

gesamten Beitrag lesen »



Kültürtage Augsburg setzen Zeichen für Menschlichkeit

Unter dem Motto „Sei ein Mensch“ laden die Kültürtage ab 1. März 2026 zu einem viel­schichtigen Kultur­festival nach Augsburg ein. Inspiriert von der viel beachteten Rede des Sport­journa­listen Marcel Reif zum Holocaust-Gedenktag 2024 versteht sich das Programm als Plädoyer für Mensch­lich­keit, Empathie und Zusammen­halt – gerade in einer Zeit gesell­schaft­licher Verhärtung. Eröffnet werden die Kültürtage am […]

gesamten Beitrag lesen »



Augenblick mal! – Eine Hommage an die kleinsten Wunder der Natur

Das Naturmuseum Augsburg lädt ab 13. Februar zu einer besonderen Entdeckungs­reise ein, die den Blick für das vermeint­lich Unschein­bare schärft. In der neuen Aus­stellung „AUGENBLICK MAL!“ dreht sich alles um die faszi­nierende Welt der Krabbeltiere. Entstanden ist das Projekt aus einer inspi­rierenden Koope­ration zwischen den jungen Talenten des Koopera­tiven Ganztags der Wittels­bacher Grund­schule unter der […]

gesamten Beitrag lesen »



Staatstheater bekommt neue Container

An der Theater-Baustelle tut sich was: In den beiden kommenden Wochen wird sich die Optik deutlich verändern, zumindest was die Container­anlage am Kennedy­platz betrifft. Von Bruno Stubenrauch Containeranlage in Doppelreihe mit Geh- und Radwegtunnel (Grafik: DAZ) Am Montag, 9. Februar, startet der Umbau. Die bisher zwei­geschos­sige Container­anlage wird abgebaut und durch eine größere, drei­geschossige Anlage […]

gesamten Beitrag lesen »



Stadtsommerkonzerte ziehen um

Nach der kurzfristigen Schließung der Augsburger Frei­licht­bühne finden die Stadt­sommer­konzerte 2026 auf dem Gaswerk-Areal in Ober­hausen statt. Dies ist das Ergebnis des ersten Runden Tisches „Eine Stadt – viele Frei­licht­bühnen“ vom Freitag, an dem rund 20 Kultur­schaffende beteiligt waren. Von Bruno Stubenrauch Die organi­sa­to­ri­schen Vor­aus­set­zungen sind ge­geben, der Vor­ver­kauf für Gert Stein­bäcker & Special Guest (14. Au­gust) […]

gesamten Beitrag lesen »



Staatstheater-Kosten treiben Bürgerliche Mitte auseinander

FDP und Pro Augsburg kritisieren den jüngsten Vorstoß des OB-Kandidaten der Freien Wähler, Hannes Aigner, zum Augsburger Staatstheater. Aigner hatte eine verbindliche Kostenobergrenze mit Abbruchkriterien gefordert, falls die Baukosten weiter steigen. Von Bruno Stubenrauch Nach Aigners Ansicht würden die stark gestiegenen Baukosten das Vertrauen vieler Bürgerinnen und Bürger belasten. In einem Instagram-Beitrag warnte er, ohne […]

gesamten Beitrag lesen »



Dominikanerkirche: Abgesagte Sonntags-Öffnung vom 1. Februar wird nachgeholt

Am Sonntag, 8. Februar, werden um 11 Uhr und um 13 Uhr zwei Führungen in der Domini­kaner­kirche nachgeholt. Sie ersetzen die ursprüng­lich am 1. Februar geplante Öffnung. Die Termine am 1. Februar mussten aufgrund aktuell statt­findender Bau­arbeiten im Innenraum der Domini­kaner­kirche kurz­fristig abgesagt werden. Aufgrund der Bau­stellen­situation ist anders als zuvor angekündigt eine Besich­tigung der Kirche nur noch […]

gesamten Beitrag lesen »



Werden und Vergehen: Ballett zum Mozart Requiem

Ein ungewöhnliches Projekt des Augsburger Staatstheaters hatte im Martinipark Premiere: Mozarts Requiem als Ballett. Die spartenübergreifende Produktion ist mehr als nur choreografierte Musik von Mozart – Peter Chus Konzept umfasst das Ballettensemble, den Chor und die Solisten gleichermaßen. Von Halrun Reinholz Gleich nach der Einführung starten eine Tänzerin (Giulia Finardi) und ein Tänzer (Thomas Krähenbühl) […]

gesamten Beitrag lesen »



theter ensemble wehrt sich gegen Polizeirazzia

Das Augsburger theter ensemble e.V. kritisiert eine Durch­suchung seiner Räumlich­keiten am 31. Januar im Zusammen­hang mit der Razzia gegen den im selben Haus befind­lichen City Club am Königsplatz scharf und kündigt rechtliche Schritte an. Von Bruno Stubenrauch Obwohl die Räum­lich­keiten im dritten Stock rechtlich eigen­ständig sind und kein Durch­suchungs­beschluss vorlag, habe sich die Polizei gewalt­sam Zutritt […]

gesamten Beitrag lesen »



Führung „Römerleben im frühen Augsburg“

Bei einer interaktiven Familien­führung am Samstag, 7. Februar schlagen ab 11 Uhr die Römer ihr Lager im Zeughaus auf. Dabei können die Gäste die kurz gefasste Geschichte der Römer in Augsburg kennenlernen. Das Römerlager im Zeughaus ist eine faszi­nierende Verbindung aus Augsburger Renaissance-Architektur und antiker Stadt­geschichte. Es handelt sich dabei eigentlich um eine Interims­aus­stellung des Römischen Museums, […]

gesamten Beitrag lesen »