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Mittwoch, 29.04.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Kultur

Incoronazione di Poppea – Das Recht ist auf der Seite der Macht

Barockopern stehen nicht gerade häufig auf dem Spielplan der Theater und scheinen mit ihrer Handlungsarmut auch kaum in unsere bewegte Zeit zu passen. Intendant André Bücker hat sich im Martinipark nun höchstpersönlich Monteverdis „Krönung der Poppea“ angenommen und sie mit einem Schuss 80er-Jahre-Charme aufzupeppen versucht.

Von Halrun Reinholz

Poppiges Gewusel um eine antike Büste (Fotos: Jan-Pieter Fuhr)

Die Handlung der Oper „L`Ìncoronazione die Poppea“ von Claudio Monteverdi aus dem Jahr 1642 spielt im antiken Römischen Reich zur Zeit Neros und ist die erste Oper Monteverdis, die historische Personen (nicht Götter oder Nymphen) zum Gegenstand hat.

Im Prolog treten freilich erst einmal drei Götter auf, um eine Wette zu verkünden: Amore, die Liebe (Claudio Zazzaro), Virtù, die Tugend (Louise von Garnier) und Fortuna, das Glück (Priya Pariyachart) sind sich jeweils sicher sind, den meisten Einfluss auf das menschliche Handeln auszuüben. Sie tun im Laufe der Handlung auch einiges dazu, die Handelnden in ihrem Sinn zu beeinflussen – ein eigener Kniff der Augsburger Inszenierung, der den Bogen des Geschehens rundet.

Die eigentliche Handlung spielt in den Reihen der römischen High Society. Kaiser Nero (gesungen von dem Countertenor Gerben van der Werf) vergnügt sich mit Poppea (Jihyun Cecilia Lee). Deren Mann Ottone muss machtlos zuschauen. Ottone ist eigentlich mit der Mezzosopranistin Kate Allen besetzt. In der Vorstellung vom 24. April hatte das Augsburger Publikum jedoch die seltene Gelegenheit, einen zweiten Countertenor zu erleben, der für die erkrankte Kate Allen einsprang: Georg Bochow, aus Innsbruck angereist, meisterte die Partie mit routinierter Bravour.

Seneca (Avrandil Kasperli) und Kaiserin Ottavia (Natalya Boeva)

Dem Begehren Neros steht auch Kaiserin Ottavia (Natalya Boeva) im Weg, die schließlich unter einem Vorwand verbannt werden muss. Die autokratischen Züge Nerones legen es für den Regisseur natürlich nahe, eine kleine Anspielung ins Heute zu wagen: Das „Volk“ hält Plakate hoch, wo „Make Rome Great Again“ steht. Immerhin gibt es in der Oper tatsächlich eine Szene, wo die zwei Wachen sich regierungskritisch äußern. Der vernünftige Gegenpart zum emotionsgesteuerten Nerone ist Seneca (Avtandil Kasperli, mit Bart im Guru-Look), sein Lehrer und (eigentlich) Mentor, der schließlich auch Opfer der eigenen Zivilcourage wird. Das soap-reife Intrigenspiel des höfischen Umfelds wird von den Protagonisten lustvoll zelebriert – zu Poppea, Ottone und Ottavia gesellt sich dabei auch Poppeas Hofdame Drusilla (wie immer energiegeladen: Olena Sloia), die sich Hoffnungen auf Ottone macht. Das Mordkomplott gegen Poppea scheitert jedoch und zuletzt zeigt sich mal wieder: Das Recht ist immer auf der Seite der Macht. Nerone kann Ottavia und Ottone (mit Drusilla) in die Verbannung schicken und der Krönung Poppeas zur Kaiserin steht nichts mehr im Weg.

Die Konflikte und Befindlichkeiten werden mit viel Gesang, aber wenig vorgegebener Aktion zelebriert. Aus dem sehr kleinen und barockoptimierten Orchester (geleitet von Sebastian van Yperen) ragt meistens ein langhalsiges Instrument empor.

Angesichts der Handlungsarmut lässt sich das Regie-Team einiges einfallen, um die Bühne im Martinipark zum Leuchten zu bringen: Video-Berieselung, Glitzerfummel, pinke Flamingos, eine Aerobic-Vorführung mit Jane-Fonda-Support und sogar eine Pole-Dancerin (Nadine Rebel von Crazy Sports Augsburg). Weniger (und kürzer) wäre manchmal mehr gewesen. Doch insgesamt vielleicht doch ein gelungener Versuch, diese Oper einem heutigen Publikum zu vermitteln.

Zumal das Ende alles andere als moralisch ist: Bei allem sichtbaren Intrigenspiel ist das bekannte Duett von Nerone und Poppea im Finale eine überraschende (wenn auch aus der Handlung wenig glaubhafte) Huldigung der wahren Liebe. Der 80er-Jahre-Kitsch ist vielleicht gar nicht so weit hergeholt – und auch nicht die Assoziation zu so mancher Zeiterscheinung der Gegenwart.

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