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Sonntag, 04.10.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Konzert

5. Sinfoniekonzert: Heroisches in unheroischen Zeiten

Wenn zweimal Beethoven auf dem Programm steht, strömt das Konzertpublikum in die Kongresshalle. So war es auch bei diesem 5. Sinfoniekonzert der Augsburger Philharmoniker, das praktisch an beiden Abenden ausverkauft war. Orchester, Chor und Solisten huldigten Beethoven mit Leidenschaft.

von Halrun Reinholz

Auf Domonkos Héja und seine Musiker ist Verlass, das weiß man inzwischen in Augsburg. Da lässt man sich gerne auch mal auf Experimente ein, wie das Eingangsstück der 1954 geborenen britischen Komponistin Judith Weir mit dem Titel: „Heroic Strokes of Bow“, heroische Bogenstriche also. Tatsächlich dominieren die Streicher mit ungewöhnlichen, abgehackten Klängen, die an Schläge erinnern. Dazwischen aber auch Melodisches, Bläser, Pauken. Judith Weir hat oft literarische Vorlagen für ihre Kompositionen, in diesem Fall ist es ein Bild, ein Werk des Malers Paul Klee, das genau so heißt, „Heroische Bogenstriche“. Klee selbst hat da an Geigen gedacht. Und Judith Weir bringt das „Heroische“ selbst in Bezug zu Beethoven, indem sie die Tonart der „Eroica“ wählt.

Foto: Halrun Reinholz

Evgeny Konnov und Augsburger Philharmoniker © Jan-Pieter Fuhr

Ein erhebendes Klangerlebnis
Doch davor noch ein anderer Beethoven: Die Fantasie für Klavier, Chor und Orchester, opus 80. Ein eher kurzes Stück, das einiges an Aufwand erfordert: Einen großen Chor, sechs Solisten und einen Pianisten. Letzterer ist Evgeny Konnov, dem Augsburger Publikum wohlbekannt als früherer „artist in residence“. Der 32-Jährige beweist auch diesmal, dass er sein Instrument mit Leichtigkeit beherrscht und gut mit Orchester und Chor harmoniert. Was dieser singt, erinnert an die „Ode an die Freude“ aus der Neunten von Beethoven, doch ohne den Verbrüderungstext von Schiller. Stattdessen huldigt hier der Dichter Christoph Huttner der Kunst: „Schmeichelnd, hold und lieblich klingen/unsers Lebens Harmonien/und dem Schönheitssinn entschwingen/Blumen sich, die ewig blüh`n.“ Der Opernchor des Staatstheaters und der ambitionierte Philharmonische Chor unter der Leitung von Wolfgang Reß, der traditionell einmal pro Spielzeit ein Sinfoniekonzert mitgestaltet, haben nur einen kurzen Einsatz. Auch die Solisten Jihyun Cecilia Lee und Masumi Ishii (Sopran), Kate Allen (Alt), Sung Min Song und László Papp (Tenor) sowie Kihoon Han (Bass) bleiben im Hintergrund und verschmelzen mit dem Chor. Dennoch ein erhebendes Klangerlebnis, das so mancher wohl als zu kurz empfand. Auch die Musiker, denn sie wiederholen die Chorpartie im Dialog mit dem Pianisten zur Begeisterung des Publikums als Zugabe. Auch Beethoven wird das Stück wohl zu kurz vorgekommen sein, bei der Uraufführung kombinierte er es mit einer Reihe weiterer Werke, nämlich den Uraufführungen seiner 5. und 6. Sinfonie, dem Klavierkonzert Nr. 4 und Teilen der C-Dur-Messe. Die insgesamt vierstündige Aufführung im unbeheizten Konzertsaal wird dem Publikum einiges an Geduld abverlangt haben und nicht unbedingt in positiver Erinnerung geblieben sein. Ein zeitgenössischer Kritiker befand, dass man auch „des Guten zu viel“ haben kann.

Beethoven hören, um nicht an der Welt zu verzweifeln
Nach der Pause dann die „Eroica“, mit der Beethoven seinerzeit nach der 2. Sinfonie durchaus neue musikalische Wege gegangen ist. Bekannt ist die ursprüngliche Widmung an Napoleon Bonaparte, den Beethoven glühend verehrte. Als er von der Selbstkrönung seines Helden erfuhr, soll er „in Wuth“ geraten sein, danach urteilte er enttäuscht: „Nun wird er auch alle Menschenrechte mit Füßen treten, nur seinem Ehrgeize fröhnen; er wird sich nun höher als alle anderen stellen, ein Tyrann werden.“ Die Sinfonie wurde sozusagen zu einer „neutralen“ Heldensinfonie, was ihrer Qualität und ihrer Wirkung auf die Menschen seit Jahrhunderten keinen Abbruch tut. Auch dieser Konzertabend entließ das Publikum mit heroischen Gefühlen, ungeachtet der unheroischen Realitäten im politischen Alltag. Wahrscheinlich ist das der Grund, warum man sich Beethoven immer wieder anhören muss: Um nicht an der Welt zu verzweifeln.

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