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Freitag, 13.02.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Freilichtbühne

Bühne am Gaswerk: Droht ein Sichtlinien-Debakel wie beim Eisstadion?

Gute Sicht für alle Besucher des Frei­licht­bühnen-Ersatzes am Gaswerk verspricht der Augs­burger Stadt­sommer. Doch hält dieses Ver­sprechen stand – oder droht ein Sicht­linien-Debakel wie 2010 am Curt-Frenzel-Stadion? Denn einfache Geometrie lässt sich nicht überlisten. Die DAZ hat nachgerechnet.

Von Bruno Stubenrauch

Wo ist der Polt? Und seine Well-Brüder? Blick von Reihe 19 Mitte bei nicht auf Lücke platzierten Sitzen. Der Kopf des Vordermanns verdeckt 5,5 Meter Bühne (KI-Simulation)

Seit Montag ist der Freilicht-Sitzplan für das Gaswerk­gelände online, auf dessen Basis die Tickets für die Stadtsommer-Konzerte 2026 verkauft werden. „Die Sitzplätze für das Publikum werden sich am Gaswerk baulich ändern. Es wird keine voll­ständige Tribüne wie auf der Freilicht­bühne geben. Es entsteht eine eben bebaute, voll­ständig bestuhlte Fläche, die dennoch eine gute Sicht für alle Besuche­rinnen und Besucher ermöglicht“, heißt es in den FAQ auf augsburger-stadtsommer.de. Ein großes Versprechen – schließlich werden Zuschauer­tribünen üblicher­weise nach hinten ansteigend gebaut, und das aus gutem Grund.

Augenpunkt, Scheitelpunkt, Fokuspunkt

Geregelt ist das unter anderem in der DIN EN 13200-1 „Zuschaueranlagen“. Grundlage der Norm ist die mensch­liche Anatomie: Der Scheitel liegt im Durch­schnitt rund zwölf Zentimeter über dem Augenpunkt. Wer waagerecht über den Vordermann hinweg auf eine Bühne oder ein Spielfeld blicken will, muss also etwa zwölf Zentimeter höher sitzen als dieser.

Ein weiterer zentraler Begriff der techni­schen Regeln ist der Fokuspunkt – also der Punkt, den der Zuschauer unbedingt im Blick haben möchte. In Sport­stadien ist das der Boden des Spielfelds, um Ball, Puck und Linien sehen zu können. Auch bei Ballett- oder Theater­auf­führungen mit aufwändigen Bühnen­bildern zählt der Bühnen­boden dazu. Bei Musik­ver­an­staltungen wird bisweilen ein um rund 60 Zenti­meter erhöhter Fokuspunkt als reduzierte Anforderung akzeptiert, um die Künstler zumindest ab Hüfthöhe sehen zu können.

Erhöhte Bühne statt ansteigender Sitzreihen

Ein Meter hohe Bühne beim Friedensfest (Bild: DAZ)

Eine Überhöhung der Sitzreihen scheidet am Gaswerk mangels Tribüne aus. Um die Sicht­linien dennoch aufzu­fächern und bei ebener Bestuhlung akzep­table Sicht zu er­mög­lichen, werden Bühnen erhöht errichtet. Grund­sätzlich gilt: je höher, desto besser. Doch auch hier gibt es Grenzen: Der Augen­punkt sitzender Zuschauer liegt bei etwa 1,20 Metern. Über­schreitet der Bühnen­boden diese Höhe, ist er nicht mehr sichtbar. Zudem wird das starke Hochsehen für die vorderen Reihen schnell unangenehm und kann buch­stäblich zu Genick­starre führen.

Üblich sind daher Bühnenhöhen zwischen 1,00 und 1,40 Metern über dem Zuschauer­raum. Nach Auskunft des Kulturreferats der Stadt Augsburg ist die detaillierte technische Planung noch nicht abgeschlossen. Für die weiteren Berechnungen wird daher von einer mittleren Höhe von 1,20 Metern ausgegangen.

Geometrie der Sichtlinien

Gemäß Sitzplan beträgt der Abstand der ersten Reihe zur Bühne rund zehn Meter. Die Reihen selbst sind in Abständen von etwa einem Meter angeordnet – ein gängiges Maß. Legt man diese Werte sowie eine Bühnenhöhe von 1,20 Metern zugrunde, ergibt sich für einen Zuschauer in Reihe 2, der knapp über den Kopf seines Vorder­manns hinweg blickt, folgende Sichtlinie:

Situation am Gaswerk (Grafik: DAZ)

Da der Blick dabei mit einer Steigung von rund zwölf Prozent nach oben verläuft – also zwölf Zenti­meter Höhenplus pro Meter –, ist nicht einmal die redu­zierte An­forderung erfüllt, den Hüftbereich der auf­tretenden Personen zu sehen. Der Kopf des Vorder­manns erreicht an der Bühnen­kante rechne­risch bereits eine virtu­elle Scheitel­höhe von 1,20 Metern über dem Bühnen­boden. Ab etwa Reihe 6 sind die Personen auf der Bühne hinter dem Kopf vollständig verdeckt. Drüberschauen ist nicht.

Wenn Köpfe zu Mauern werden

Natürlich kann man seinen Kopf zur Seite neigen, schief sitzen, mal rechts mal links am Vorder­mann vorbei­schauen. Aber bereits in Reihe 2 erscheint der Kopf des Vorder­manns an der Bühnen­kante virtuell fast zwei Meter breit. In Reihe 20 verdeckt er mit fünf bis sechs Metern Breite nahezu die Hälfte der Bühne.

Wirksame Abhilfe ohne Akrobatik böte nur eine konse­quent ver­setzte Bestuhlung „auf Lücke“. Dann behindert erst der Vorder­mann der über­nächsten Reihe den Blick. Die virtu­elle Kopf­breite und -höhe halbieren sich, die vom Kopf verdeckte Fläche schrumpft auf ein Viertel. Die Sicht­behinde­rung in Reihe 20 bei einem Bühnen­abstand von rund 30 Metern entspräche dann jener in Reihe 5 bei nicht versetzter Bestuhlung.

Sitzplan mit Schwächen

Im zurzeit veröffentlichten Sitzplan (10.02.2026) deutet allerdings nichts darauf hin, dass am Gaswerk konsequent auf Lücke bestuhlt wird. Die Seiten­blöcke weisen keinerlei Versatz auf. Im Mittel­block erfolgt eine Ver­schiebung um eine halbe Sitzbreite erst nach zwei oder drei Reihen. Offenkundig stand hier die optimale Ausnutzung der trapez­förmigen Block­geometrie im Vordergrund – nicht jedoch die best­mögliche Sicht.

Sollte die Bestuhlung tatsächlich so umgesetzt werden wie derzeit dar­gestellt, bleibt Ticket­käufern nur der Rat, die Seiten­blöcke zu meiden und im Mittel­block das vordere Drittel sowie bevorzugt die Reihen 9, 11, 13, 15, 18 und 20 zu wählen, die einen Versatz zur Vorder­reihe haben. Das kann jedoch kaum im Sinne der Ver­anstalter oder des Publikums sein. Konse­quentes Bestuhlen aller Reihen auf Lücke wäre dringend geboten. Ergänzend könnten erhöht angebrachte Videowände – wie beim Münchner Freiluft­event „Klassik am Odeonsplatz“ – helfen, die Auf­führungen am Gaswerk zu Erleb­nissen zu machen, die Eintritts­preise von rund 50 Euro tat­sächlich recht­fertigen.

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Die Stadt HAT bereits viele Freilichtbühnen

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