Bahnprojekt Ulm–Augsburg: beschlossen – aber ohne Geld
Der Bundestag hat der Vorzugsvariante für die neue Bahnstrecke zwischen Ulm und Augsburg zugestimmt. Trotzdem kommt das Milliardenprojekt nicht voran. Woran liegt das – und wie geht es weiter?
Von Bruno Stubenrauch

ICE – Symbolbild
Der Bundestag hat im Mai 2026 die sogenannte parlamentarische Befassung für das Bahnprojekt Ulm–Augsburg abgeschlossen und damit den Weg für die weitere Planung der von der Deutschen Bahn bevorzugten Trassenvariante grundsätzlich freigemacht (DAZ berichtete). Wer nach dem Bundestagsbeschluss einen zügigen Fortgang erwartet hatte, dürfte sich jedoch getäuscht sehen. Tatsächlich verzögert sich das Milliardenprojekt vorerst weiter.
Zustimmung bedeutet noch keinen Baubeginn
Mit der parlamentarischen Befassung bestätigte der Bundestag die von der Deutschen Bahn vorgeschlagene Vorzugsvariante als Grundlage für die weitere Planung. Der Beschluss war ein wichtiger Meilenstein. Nun könnte das Projekt in die nächste Planungsphase eintreten. Daran würden sich das Planfeststellungsverfahren und später der Bau anschließen. Doch genau an diesem Punkt gerät das Projekt derzeit ins Stocken.
Das Problem heißt Finanzierung
Im Laufe der Planung haben sich die Kosten deutlich erhöht. Während frühere Schätzungen noch bei rund 5,5 Milliarden Euro lagen, geht die Deutsche Bahn inzwischen von Kosten in Höhe von rund 8,2 Milliarden Euro aus. In einer langfristigen Prognose werden sogar Investitionen von bis zu 13,3 Milliarden Euro genannt.
Trotz grundsätzlichen Festhaltens am Projekt sind nach Angaben der Bundesregierung die Haushaltsmittel für die nächste Planungsphase derzeit nicht gesichert. Diese Unsicherheit betrifft nicht nur die Neubaustrecke Ulm–Augsburg. Angesichts knapper Haushaltsmittel stehen bundesweit zahlreiche Schienenprojekte unter Finanzierungsdruck.
Wann die Detailplanung fortgesetzt werden kann, hängt von den verfügbaren Haushaltsmitteln ab. Vor diesem Hintergrund spricht der Grünen-Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel von einem „faktischen Planungsstopp“. In einem öffentlichen LinkedIn-Beitrag vom 16. Juli erklärte er, das bisherige Planungsteam arbeite inzwischen weitgehend an anderen Projekten. Dies könne den weiteren Fortgang zusätzlich verzögern.
Ein Projekt mit großer Bedeutung
Die rund 70 Kilometer lange Neubaustrecke soll die Fernverkehrsverbindung zwischen Augsburg und Ulm beschleunigen und gleichzeitig die bestehende Strecke entlasten. Ziel ist eine Fahrzeit von rund 26 Minuten ohne Zwischenhalt. Außerdem sollen Fern-, Regional- und Güterverkehr künftig besser voneinander getrennt werden.
Die Verbindung gilt als wichtiger Baustein des Deutschlandtakts und ist Teil der europäischen Magistrale von Paris über Wien bis Budapest.
Wie geht es weiter?
Ob und wann die Detailplanung wieder aufgenommen wird, hängt maßgeblich von den künftigen Bundeshaushalten ab. Ein konkreter Zeitplan für den nächsten Planungsschritt liegt derzeit nicht vor.
Damit dürfte sich die Realisierung des Projekts weiter nach hinten verschieben. Bereits heute ist absehbar, dass zwischen der parlamentarischen Zustimmung und einem möglichen Baubeginn noch viele Jahre liegen werden.
💡Ausgeleuchtet: „Was ist das Bahnprojekt Ulm–Augsburg?“




