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Montag, 07.09.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Der Kommentar

Starke Schauspielpremiere: Nacht ohne Sterne

Beim ersten Theaterversuch des Augsburger Staatstheaters in Zeiten von Corona ist Distanz Programm der Inszenierung

Von Halrun Reinholz

Foto © Jan-Pieter Fuhr

Theater unter Corona-Bedingungen bringt Herausforderungen, denen sich auch die Akteure des Augsburger Staatstheaters nun schon seit einigen Monaten stellen müssen. Fieberhaft wurde in den Theaterferien an einem Konzept gearbeitet, das allen Vorgaben und Einschränkungen gerecht wird und dennoch einen einigermaßen „normalen“ Theatergenuss erlaubt. Als erste Premiere der Sparte Schauspiel steht nun ein Stück des österreichischen Autors Bernhard Studlar in der Brechtbühne (Gaswerk) auf dem Spielplan. Ein Stück, das nicht von ungefähr die Absurdität unserer kaputten Zivilisation zum Gegenstand hat.

Die neuen Regeln sind immer noch gewöhnungsbedürftig: Keine Garderobe, kein Glas Prosecco vor der Aufführung, eine Pause gibt es erst gar nicht. Im Foyer stehen Wasserflaschen bereit, die man gegen eine Spende erwerben und gegen jeden Theaterusus mit in den Saal nehmen kann.

Man muss schauen, dass einem ein paar gute Tage bleiben. Ganz egal. Wie es um die Welt steht

„Nacht ohne Sterne“ bietet dem Regisseur Sebastian Schug gute Voraussetzungen für eine Inszenierung „auf Abstand“. Wie bei (Schnitzlers) „Reigen“ baut sich das Stück auf der Interaktion von jeweils zwei Akteuren auf, von denen der oder die eine in der Folge mit einem jeweils weiteren Partner interagiert. Zwei Schauspielerinnen (Natalie Hünig und als Gast Nadine Quittner) und zwei Schauspieler (Thomas Prazak und das neue Ensemblemitglied Pascal Riedel) stehen jeweils für sich in einem eigenen Kasten, einer Duschkabine nicht unähnlich, umgeben von Utensilien, mit deren Hilfe sie sich im Laufe des Stücks umkleiden und in die agierenden Personen verwandeln. Davor türmen sich auf dem Bühnenboden wie auf einer Müllhalde mehr oder weniger undefinierte Objekte – auch ein Blaulicht ist zu sehen.

Der Reigen ist ein Totentanz, eine Spirale diverser menschlichen Katastrophen, die letztlich alle tödlich enden. Als roter Faden dient ein zerrissener und wieder zusammengeklebter 50-Euro-Schein. Schon in einer der ersten Spielszenen fließt Blut, Thomas Pratzak badet sozusagen darin. Pascal Riedel, zunächst ein Schauspieler im Engelskostüm, der vor dem Tumult eines von Demonstranten besetzten Theaters flieht, bleibt in der Rolle: Er begleitet die Akteure als Todesengel oder wahlweise Sterbehelfer durch das Stück, bevor er schließlich zur Freiheitsstatue wird, die sich mit französischem Akzent von der eigenen Symbolik verabschiedet: „Ich will auch mal meine Freiheit.“ Und die Quintessenz des menschlichen Gewurstels in der kollabierenden Zeit: „Man muss schauen, dass einem ein paar gute Tage bleiben. Ganz egal. Wie es um die Welt steht.“

Viermal großartige schauspielerische Leistung

Die statische Guckkasten-Inszenierung lenkt den Fokus auf die Schauspieler, die als Individuen wahrgenommen werden. Interaktion findet nur verbal statt, oft (in der Manier des epischen Theaters) begleitet von der gesprochenen Bühnenanweisung („er nimmt sie in die Arme“).

Die vier Akteure verwandeln sich, spielen sich die Bälle zu, lassen die Distanz virtuell schrumpfen. Viermal großartige schauspielerische Leistung, unterstützt von zuweilen skurriler Kostümierung – Natalie Hünig im Teddy-Kostüm ist da besonders auffällig. Die Musik, die Jan Schröwer für das Stück schrieb und die von den Akteuren auch selbst performt wird, ist dazu wenig aufschlussreich, auch wenn Thomas Pratzak (Gitarre) und Natalie Hünig (Schlagzeug, Saxofon) wieder einmal beweisen, dass sie ihre Instrumente souverän beherrschen.

„Die Menschen haben manchmal echt nichts Besseres im Sinn, als zu sterben“, stellt der Tod süffisant fest. Manche wünschen den Tod herbei, andere sehen keinen anderen Ausweg. „Glaub nur nicht, dass dein Unglück besonderer ist als all die anderen.“ Viel Optimismus bleibt da nicht. Kein Stern ist am Nachthimmel zu sehen. Ein bedrückender und beeindruckender Theaterabend.

Weitere Aufführungen: Fr. 9.10./ Sa. 10.10./Fr. 16.10./So. 18.10./So.1.11./Fr. 6.11./Fr. 27.11./Sa.28.11./Sa. 12.12./Sa. 19.12. jeweils 19.30 Uhr in der Brechtbühne im Gaswerk.
 

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