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Samstag, 18.09.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Kulturausschuss goutiert verkürzte Öffnungszeiten der Neuen Stadtbücherei

Der Kulturausschuss stimmte gestern einer OB-Verfügung zur Neuen Stadtbücherei zu und folgte somit der Argumentationslinie von Stadtbücherei-Leiter Manfred Lutzenberger, die Neue Stadtbücherei wochentags eine Stunde später zu öffnen. Die vier SPD-Stadträte stimmten geschlossen dagegen. Kurt Idrizovic, Sprecher der „Offensive für die Neue Stadtbücherei“, kündigte Widerstand an.

Von Siegfried Zagler

Neue Öffnungszeiten für die Neue Stadtbücherei: “Eine Erfolgsstory ad absurdum geführt”

Ab 1. August öffnet die Neue Stadtbücherei von Montag bis Freitag von 11 Uhr bis 19 Uhr (bisher 10 Uhr bis 19 Uhr). Am Samstag bleibt es bei den fünf Stunden Öffnungszeit, allerdings um eine Stunde nach hinten verschoben, also von 11 Uhr (bisher 10 Uhr) bis 16 Uhr (bisher 15 Uhr). Die Öffnungszeit wird demnach von bisher wöchentlich 50 Stunden auf 45 Stunden reduziert. Grund für die zehnprozentige Verkürzung ist der Umstand, dass bis Ende 2011 fünf Mitarbeiter in Altersteilzeit gehen. Außerdem sei man mit derzeit 70 ehrenamtlichen Mitarbeitern personell am Ende der Fahnenstange angelangt, so Lutzenberger.

38 Wochenstunden hatte die alte Stadtbücherei geöffnet, allerdings konnte man dort nur auf zirka halb so viel Medien zurückgreifen, was die Statistik eindrucksvoll belegt. Um 67 Prozent sind die Ausleihen im Verhältnis zu 2008 gestiegen, die Anzahl der Besucher um 119 Prozent, die Zahl der Neuanmeldungen um 421 (!) Prozent. Als Lutzenberger die Erfolgsstory des neuen Hauses vorstellte, hatte der Ausschuss bereits fünf Stunden Tagungszeit bei sommerlicher Hitze hinter sich und noch einen langen nicht öffentlichen Abschnitt vor sich, weshalb sich die Streitlust – trotz der politischen Brisanz dieser kulturpolitischen Angelegenheit – in Grenzen hielt. Es sei ein Widerspruch in sich, so Karl-Heinz Schneider (SPD), im Jahr 1, 1 Millionen Euro Miete für die Neue Stadtbücherei zu bezahlen, und dann aufgrund von fünf scheidenden Ruheständlern die Besucherzeit einzuschränken. Diese Stellen müssten eins zu eins wiederbesetzt werden, so Schneider, da man mit den verkürzten Öffnungszeiten die Erfolgsgeschichte konterkariere.

“Sie werden sehen, wie wenig dort zu dieser Stunde los ist”

Kulturreferent Peter Grab gab zu Protokoll, dass dafür aktuell eben keine Mittel vorhanden seien, und dass die verkürzte Öffnungszeit lediglich vorübergehenden Charakter habe. Die Fragestellung sei einfach, so Grab: „Geht’s oder geht’s nicht?“ Man müsse es eben akzeptieren, dass es aufgrund der derzeitigen Haushaltslage nicht gehe. Grab bestand darauf, den Ball in dieser Angelegenheit flach zu halten und brachte das Kosten-Nutzen-Argument ins Spiel: „ Die Kosten der ersten Öffnungsstunde stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen. Gehen Sie doch mal von 10 bis 11 Uhr in die Stadtbücherei, und Sie werden sehen, wie wenig dort zu dieser Stunde los ist“, so Grab. Verena von Mutius (Grüne) folgte Grabs Argumentation und stimmte der OB-Verfügung zu. Dabei hätte sie nur die Statistik ein wenig genauer studieren müssen, um zu realisieren, wie dünn die Argumentationslinie von Grab und Lutzenberger ist.

Kurt Idrizovic: "Das werden wir nicht hinnehmen"

Kurt Idrizovic: "Das werden wir nicht hinnehmen"


Im Zeitraum von sechs Monaten wurden von 10 bis 11 Uhr 30.000 Medien ausgeliehen. Der Durchschnittwert der anderen Tageszeiten beträgt ein wenig mehr als 40.000 Medien pro Stunde. Der Wegfall der ersten Stunde entspricht somit einer ernstzunehmenden Größe hinsichtlich der Reduzierung der Öffentlichkeit. Für Kurt Idrizovic, der zusammen mit der „Offensive für die Neue Stadtbücherei“ in der Regenbogenära 14.000 Unterschriften gesammelt hat und somit maßgeblich an der Realisierung des Projekts am Ernst-Reuter-Platz beteiligt war, ist die Verkürzung der Öffnungszeiten „ein Schlag ins Gesicht für alle, die sich in Augsburg um die Bildung kümmern“. Diese Maßnahme sei der völlig falsche Weg und widerspreche der Philosophie der Neuen Stadtbücherei („offen für alle“). Die bisherige Erfolgsstory der Neuen Stadtbücherei werde damit ad absurdum geführt, so Idrizovic zur DAZ. Idrizovic, der im Dezember 2009 von Oberbürgerbürgermeister Kurt Gribl für sein bürgerschaftliches Engagement im Sinne der Neuen Stadtbücherei mit der Verdienstmedaille „Für Augsburg“ ausgezeichnet wurde, kündigte Widerstand an: „Das werden wir nicht hinnehmen“.