Wendejahre
DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Mittwoch, 22.05.2019 - Jahrgang 11 - www.daz-augsburg.de

Antrag: Halle 116 soll in ihrem Erscheinungsbild baulich nicht verändert werden

Alle sechs Stadträte der Ausschussgemeinschaft des Augsburger Stadtrats haben einen Antrag zum vollständigen Erhalt der Halle 116 gestellt. Die Halle soll sich in ihrem bisherigen äußeren Erscheinungsbild nicht verändern und im städtischen Besitz verbleiben.

Foto: © DAZ

Die Halle 116 soll in ihrem äußeren Erscheinungsbild in keiner Weise baulich verändert werden. „Sie wird so, wie sie ist unterhalten und saniert“, wie es in dem Antrag heißt. Die komplette Halle 116 soll als Gemeinbedarfsfläche anerkannt werden, deshalb müsse die textliche Festsetzung des Bebauungsplans 288 B dergestalt geändert werden, dass in den Baufeldern 17 – 1 und 17 – 2 die Formulierung „Die gewählten Festsetzungen ermöglichen sowohl den Erhalt des Gebäudes, als auch Umbau- und Ausbaumaßnahmen am Gebäudebestand“, verändert wird, sodass Um- und Ausbaumaßnahmen nur im Inneren des Gebäudes stattfinden dürfen.

Die Stadt Augsburg soll die Halle 116 als neue Eigentümerin von der Liegenschaftsverwaltung des Bundes übernehmen, so die Ausschussgemeinschaft in ihrem Antrag, den die Stadträte folgendermaßen begründen: „Die Halle 116 ist ein bundesweit einzigartiges Zeugnis militärischer Zweckbauten mit einem besonders schrecklichen Kapitel während der nationalsozialistischen Herrschaft. Damit die Halle in ihrer historischen Gestalt als Ganzes erhalten bleiben kann, ist eine komplette Widmung als Gemeinbedarf erforderlich. Eine kommerzielle Nutzung stünde diesem Anliegen entgegen. Nur in ihrer originalen Erscheinung ist die Halle 116 als Erinnerungsort vorzustellen. Sowohl An- und Umbauten, wie auch Parkplätze bis dicht an das Gebäude heran machen die Nutzung der Halle 116 als Erinnerungs- und Lernort schwer vorstellbar.“

 



Erinnerungskultur

Halle 116: Initiative fordert „umgehende Nutzungsaufnahme“

In einer Stellungnahme zeigt sich die Initiative „Denkort Halle 116“ in ihrem Vorhaben bestärkt, das ehemalige Außenlager des Dachauer Konzentrationslagers („Halle 116“) als Denkort zu nutzen

Halle 116 © DAZ

„Dies wäre ein überzeugender Beleg politischen Willens abseits öffentlichkeitswirksamer Bekenntnisse zur Friedensstadt“, so die Initiative, die in den zurückliegenden Monaten Gespräche mit allen im Regierungsbündnis vertretenen Fraktionen geführt hat und dabei versichert bekam, dass ein Verkauf der Halle an Dritte nicht mehr zur Diskussion stehe. – „Außerdem freut uns, dass das Ausstellungskonzept von Professor Gassert zur Umsetzung des Denkortes in der Halle 116 allseits als Grundlage für die weitere Planung angesehen wird“, so der Sprecher der Initiative, Dr. Harald Munding.

Die Vorträge von Karl Freller (MdL, CSU, Vorsitzender der Stiftung Bayerische Gedenkstätten) und Prof. Dr. Nerdinger (u.a. Gründungsdirektor des NS-Dokuzentrums München) hätten die Initiative darin bestärkt, ein vernünftiges und gegenüber der Geschichte verantwortungsvolles Anliegen zu formulieren.

Die Initiative sieht in Sachen Nutzung der Halle 116 ideale Voraussetzungen für folgende Maßnahmen: Zunächste müsse eine Überführung des Grundstückes in das Eigentum der Stadt und in das Vermögen einer zu gründenden Stiftung „Denkort Halle 116“ realisiert werden. Anschließend steht eine bauliche Sanierung durch die WBG aus den Mitteln der Entwicklungsmaßnahme „Sheridan-Kaserne“ auf der Agenda der Initiative – mit Einbeziehung kompatibler Interessenten in das Nutzungskonzept, wie etwa des Regionalverbands der Sinti und Roma oder der für Augsburg geplanten Zweigstelle der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. Und schließlich fordert die Initiative eine „umgehende Nutzungsaufnahme des Denkortes ohne Zuordnung sämtlicher Flächen, damit Freiräume für künftige Entwicklungen und Erweiterungen gewahrt bleiben“.



Erinnerungskultur

Führungen und Besichtigungen im KZ-Außenlager „Halle 116“ in Pfersee

An diesem Wochenende kann man das ehemalige KZ-Außenlager „Halle 116“ in Pfersee besichtigen: Für zwei Tage, am heutigen Samstag und am morgigen Sonntag wird der Öffentlichkeit die Halle 116 zugänglich gemacht.

Halle 116 © DAZ

Die Stolpersteininitiative präsentiert dabei Biographien von Menschen, für die in Augsburg Stolpersteine verlegt wurden, sowie von NS-Opfern, für die keine Stolpersteine verlegt wurden. Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) zeigt eine Ausstellung über die schwäbischen Außenlager des KZ Dachau und die Augsburger Sammellager für Zwangsarbeiter. Ergänzend wird am Samstag um 17 Uhr eine Führung durch das Haus angeboten.

Die „Halle 116“ hat ihren Namen von der Augsburger US-Garnison, die das Gebäude nach Kriegsende bis zu ihrem Abzug 1998 nutzte. Danach plante die Stadt, in der Halle einen würdigen und historisch interessanten Erinnerungsort zu gestalten. Die Öffnungszeiten: Samstag: 11.55 Uhr bis 17. Uhr mit einer anschließenden Führung. Am Sonntag kann man 11 Uhr bis 17 Uhr besichtigen. Die Halle steht im Sheridan Park in Pfersee/ Karl-Nolan-Straße 2-4. Der Eintritt ist frei.

 



Halle 116 wird nicht in Denkmalliste aufgenommen

Die Augsburger Halle 116 wird nicht als Denkmal in die Bayerische Denkmalliste nachgetragen. Dies gab heute das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege bekannt.

Halle 116 (c) DAZ

Halle 116 (c) DAZ


„Ein Denkmal ist – so definiert in Art. 1 des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes – eine vom Menschen geschaffene Sache aus vergangener Zeit, deren Erhaltung aufgrund ihrer besonderen geschichtlichen, künstlerischen, städtebaulichen, wissenschaftlichen oder volkskundlichen Bedeutung im Interesse der Allgemeinheit liegt.“ So das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege in seiner heutigen Presseerklärung.

Die Untersuchung der Halle habe ergeben, dass diese besondere Bedeutung nicht (mehr) vorhanden sei: Gestaltung und Konstruktion würden im bayernweiten Vergleich mit ähnlichen Bauten nicht herausstechen; an vielen Stellen sei die Halle durch Umbauten stark verändert worden.

Weiter führt das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege aus, dass die Halle 116 eine Ausnahmestellung innehabe, weil sie von Ende April 1944 bis Ende April 1945 zur Unterbringung von KZ-Häftlingen und Zwangsarbeitern genutzt wurde. „Die Häftlinge waren offenbar in den Fahrzeugkompartimenten des Mittelteils untergebracht, dieser Teil der Halle scheint dafür durch mobile Drahtzäune weiter unterteilt worden zu sein. Dieses Kapitel in der Geschichte der Halle hat jedoch keinerlei heute noch baulich fassbare Spuren hinterlassen.“

Weiter heißt es im Text: „Die Halle ist kein Denkmal im Sinne von Artikel 1 des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes, die Schaffung eines Erinnerungsortes scheint jedoch auch aus Sicht des BLfD sehr sinnvoll. Für die geplante Einrichtung des Erinnerungsortes durch die Stadt Augsburg hat die Entscheidung des BLfD, die Halle nicht in die Denkmalliste nachzutragen, keine Konsequenzen.“



Halle 116: CSU distanziert sich von Gesprächsnotiz der Denkort-Initiative

Einer veröffentlichten Gesprächsnotiz der Initiative Denkort zu einem Besuch bei der CSU widerspricht die CSU-Stadtratsfraktion vehement. Die SPD spricht in einem anderen Zusammenhang von „Unterstellungen und falschen Behauptungen“.



Halle 116 (c) DAZ

Halle 116 (c) DAZ


Auf Einladung der CSU-Fraktion waren am 13. März Vertreter der Initative Denkort zu Gast, um über die Halle 116 im Zusammenhang mit der Erinnerungskultur zu sprechen: Dietmar Egger (Bürgeraktion Pfersee), Peter Feininger (forumaugsburg) und Ringo Reinhardt (Regionalverband Deutscher Sinti & Roma Schwaben). Die Initiative veröffentlichte ohne Absprache eine nachträglich erweiterte, sechsseitige „Gesprächsnotiz“. „Die Zitate sind verkürzt und sinnenstellend wiedergegeben“, stellt Fraktionschef Bernd Kränzle klar. „Von unserer Seite wurde ebenfalls Protokoll über den Gedankenaustausch zwischen Fraktion und Gästen geführt, aber selbstverständlich nichts veröffentlicht – schon gar nicht ohne Absprache.“

Kein seriöser journalistischer Stil

Die redaktionelle Veröffentlichung der Gesprächsinhalte ist aus Sicht der Gastgeber kein seriöser journalistischer Stil. „Über eine gemeinsame Presseerklärung hätte man sich ja unterhalten können“, so Kränzle. Richtige Protokolle dagegen würden von einem bestellten Schriftführer angefertigt und danach von den Teilnehmern freigegeben. „Das ist leider nicht erfolgt, sondern einfach etwas zusammengeschrieben und veröffentlicht worden“, das einen völlig falschen Eindruck der Stoßrichtungen in dem Gespräch vermittelt. Kränzle nennt zwei Beispiele.

Erstes Beispiel: In der Gesprächsnotiz der Initiative heißt es: „Der Kulturreferent gab dann zu bedenken, dass die Vereine, die in die Halle 116 gehen würden, auch Geld wollten oder bräuchten. Weitzel glaubte, hier schon vorbauen zu müssen: ‚Wir können nicht jeden kulturellen Verein finanzieren.‘ Die Denkort-Initiative hielt ihm entgegen, dass der Regionalverband der Sinti und Roma nicht „irgendein“ Verein sei, sondern eine wichtige Opfergruppe, die jetzt endlich, nach Jahrzehnten der Ablehnung, als solche überhaupt in Erscheinung treten könne und um Anerkennung kämpfe.“

Tatsächlich habe Thomas Weitzel auf eine Bemerkung Ringo Reinhardts reagiert, der von der Notwendigkeit einer eigenen Büro-Infrastruktur für seinen Regionalverband Deutscher Sinti & Roma Schwaben sprach. Weitzel erklärte, dass es von der Stadt keine Kostenzuschüsse für Geschäftsräume und Büros geben werde, wenn Vereine in der Halle 116 eine eigene Dauerausstellung machen wollen. Explizit wies der Kulturreferent sogar darauf hin, dass niemand den Sinti und Roma das Recht abspreche, ihre Geschichte darzustellen. „Die Darstellung in der Gesprächsnotiz ist irreführend“, so Weitzel.

So verkürzt wie falsch

Als zweites Beispiel führt Kränzle folgende Gesprächsnotiz der Initiative an: „Thomas Weitzel glaubte ferner, den Verband der Sinti und Roma belehren zu müssen, sie sollten aufpassen welche Geschichte sie da erzählen und an welchem Ort, und er forderte Aufrichtigkeit beim Verband der Sinti und Roma ein. Man konnte diese eigenartige Aussage eigentlich nur so werten, dass nach Weitzel die Gefahr bestehe, dass die Sinti und Roma historisch falsche Geschichten erzählen und es an Aufrichtigkeit mangeln lassen – also die Halle 116 exklusiv für ihre eigene, einseitig erzählte Opfergeschichte instrumentalisieren wollten.“

„Das erste ist wieder so verkürzt wie falsch und das zweite eine absurde Interpretation“, erklärt der damalige Gesprächsleiter Bernd Kränzle. Reinhardt habe einen eigenen Denkort in der Halle 116 für den Verband der Sinti und Roma angeregt, worauf Weitzel eingegangen sei. Der Kulturreferent habe gesagt, „eine gesonderte Kontextualisierung des Schicksals und der Verfolgungsgeschichte der Sinti und Roma in der Halle 116 ist dem Ort historisch nicht angemessen“. Weiter habe es geheißen, wenn man an die vielen anderen Erinnerungsorte denke, etwa Dachau und München, sei die Positionierung als Lernort in einer Nische wichtig. Die Leitplanken stellten das Konzept von Professor Gassert dar, in das man auch in angemessener Form das Schicksal der Sinti und Roma beispielsweise mit einem eigenen Kapitel in die Gesamtkonzeption integrieren könne.

Behauptungen sind verletzend

„Es handelt sich um eine Frage der Erinnerungskultur“, erklärt Stadtrat Andreas Jäckel (CSU). Weitzel habe mit guten Gründen gewarnt, man müsse aufpassen, welche Dokumentation im Erinnerungsort Halle 116 stattfinden solle. „Da sollte nichts überfrachtet werden, darum ging es“, stellt Jäckel klar. Die Darstellungen der Initiative ergäben ein schiefes Bild, das überhaupt nicht den Aussagen des Referenten gerecht würden. „Niemand hat unterstellt, dass Opferverbände ‚falsche Geschichten‘ erzählen“, so Jäckel. Die Behauptungen der Gesprächsnotiz seien verletzend. Denn die CSU-Fraktion sei sich mit dem Kulturreferenten einig gewesen, dass ein kulturpolitischer Impuls für einen Erinnerungsort der dunklen Jahre Augsburgs so wichtig wie richtig wäre.

Der CSU-Fraktionsvorsitzende Bernd Kränzle widerspricht auch dem in der Gesprächsnotiz von der Initiative konstruierten Gegensatz zwischen Baureferent Gerd Merkle und Kulturreferent Weitzel: „Es gibt keinen Dissens. Die Zusage am Ende des Gesprächs war, dass der Kulturreferent bereit ist, nach der ausstehenden denkmalrechtlichen Beurteilung mit allen Beteiligten das weitere Vorgehen abzustimmen.“ Nach dem Bescheid des Landesamts für Denkmalpflege könne man den Wert des Areals taxieren und dem Stadtrat eine Kaufempfehlung geben. Kränzle zitiert abschließend ausnahmsweise aus dem Protokoll der Fraktion: „Die politischen Vertreter sehen sich in der Verantwortung, und werden sich dieser auch stellen.“

Die Vertreter der Initiative Denkort besuchten auch die Fraktion der Grünen und fertigten zu diesem Besuch ebenfalls Gesprächsnotizen an, die sie ins Netz stellten. Dazu gab es von den Grünen keine Distanzierung. Anders sieht es bei der SPD aus, die ebenfalls auf Distanz zur Initiative geht und einen Vorgang, der von der Bürgerinitiative einhellig als „grundrichtig“ bewertet wurde und wird, nämlich Schafitels Antrag auf Erteilung von Denkmalschutz für das Gebäude, als „wenig hilfreich“ einstuft.

SPD widersetzt sich den „teilweise irreführenden und falschen Behauptungen“

„In diversen Berichterstattungen war nun von einer erfolgten Privatisierung des Gebäudes und einer Abwendung des Stadtrats von den bisherigen Überlegungen die Rede. Das ist jedoch nicht der Fall“, wie es in einer SPD-Stellungnahme heißt. Weiter heißt es im SPD-Text: „Die SPD-Fraktion widersetzt sich den teilweise irreführenden und falschen Behauptungen. So stellt die kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion Gabi Thoma nochmals klar: „Weder ist das Gebäude 116 verkauft noch existieren beschlossene Überplanungen des Stadtrats dafür.“

Der Stadtrat habe zuletzt beschlossen, Ideen zur teilweisen Nutzung des Gebäudes anzusehen, um auch Einnahmen zur Umsetzung der Denkort-Idee in der großen Halle aus dem Jahr 1936 zu erhalten. Auch die Exponate des Vereins „Amerika in Augsburg“ sollen hier eine Rolle spielen.

„Bislang sind in den letzten 15 Jahren mehrere Konzepte zur Realisierung des Denkorts mangels tragfähiger Finanzierung gescheitert“, so Bürgermeister Stefan Kiefer, der die gesamte Zeit die Frage der Weiterentwicklung des Gebäudes im Stadtrat mitverfolgt habe. – „Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll und geboten, Lösungsansätze erst mal anzusehen und zu prüfen, ehe sie schon im Vorfeld pauschal abqualifiziert werden“, so Angela Steinecker und Anna Rasehorn, die als Pferseer Vertreterinnen für die SPD im Stadtrat sitzen.

„Manche Unterstützer der Idee des Denkortes sollten überlegen, ob sie mit Unterstellungen und falschen Behauptungen die Idee des Denkorts wirklich würdig voranbringen können. – Wenig hilfreich dürfte der Antrag auf Erteilung von Denkmalschutz für das Gebäude sein: u.a. werden Maßnahmen zur Barrierefreiheit deutlich erschwert, die Auflagen haben Auswirkungen auf die Gestaltung des Außenbereiches und ein Denkmalstatus hätte keinerlei Auswirkungen auf die Gestaltung der Ausstellung. Dazu kommt eine erhebliche Verzögerung.“

Die SPD-Fraktion jedenfalls verfolge „das sogenannte Gassert-Konzept für den Denkort, das neben der KZ-Vergangenheit auch die Präsenz der US-Amerikaner in Augsburg zum Gegenstand haben soll“, so die drei Stadträtinnen unisono.



Halle 116: Grüne fordern Gesamtkonzept und öffentlichen Diskurs

Die Fraktion der Augsburger Grünen positioniert sich zur Halle 116 und fordert ein Gesamtkonzept für das ehemalige KZ-Außenlager von Dachau.

Halle 116 (c) DAZ

Halle 116 (c) DAZ


Die Grüne Stadtratsfraktion fordert in ihrem heutigen Statement, dass in der jahrelangen Diskussion um einen Denkort in der Halle 116 nun endlich konkrete Fortschritte in Richtung einer Realisierung folgen. „In Augsburg gibt es nach so vielen Jahren immer noch keinen Ort, der die Verbrechen der NS-Zeit darstellt und darüber aufklärt. Die Halle 116 auf dem Sheridan-Gelände war ein KZ-Außenlager von Dachau, weshalb der Umgang mit dem Gebäude entsprechend sensibel sein muss“, so Verena von Mutius, kulturpolitische Sprecherin der Grünen.

Die Grüne Fraktion habe zuletzt bei der vor kurzem erfolgten Veränderung des Bebauungsplans wieder gefordert, dass die gesamte Halle eine Gemeinbedarfsfläche bleiben müsse. „Aus unserer Sicht macht ein Denkort nur dann Sinn, wenn ein Konzept für die gesamte Halle erstellt wird, und nicht nur ein Teilbereich unabhängig vom Rest entwickelt wird. Wir wollen daher mit Blick auf die Diskussion um die Denkmalwürdigkeit, dass die Stadt die Halle 116 im Ganzen kauft, sie wieder gesamt zur Gemeinbedarfsfläche macht und ein entsprechendes Nutzungskonzept auf der Grundlage der Denkort-Konzeption von Professor Gassert erarbeitet wird“, so von Mutius weiter. Dazu müsse über mögliche weitere Nutzungen ein öffentlicher Diskurs geführt werden.

Um die momentan ungenutzte Halle in einem ersten Schritt mit mehr Leben zu füllen, hat die Grüne Fraktion einen Fördertopf beantragt, aus dem bürgerschaftliche Initiativen unterstützt werden sollen, die die Halle nutzen wollen. „Es muss endlich sichtbar werden, dass die Halle 116 ein besonderer Ort ist, den wir erhalten wollen und der mittelfristig zum Bildungs- und Denkort ausgebaut werden soll. Wir wollen daher einen Fördertopf mit 10.000 Euro, der es den verschiedenen Initiativen erlaubt, dort Ausstellungen, Veranstaltungen oder ähnliches zu organisieren. Die Ideen und der Wille sind in der Bürgerschaft da. Die Stadt sollte daher aus unserer Sicht ihren Beitrag leisten, damit das Engagement auch Früchte tragen kann.“ So stellt die Grüne Fraktionsvorsitzende Martina Wild den Vorstoß der Grünen dar.

In einer Anfrage möchte die Grüne Fraktion zudem geklärt wissen, in wessen Eigentum die Halle sich aktuell befindet und wie das Treuhandvermögen im Sheridan aufgestellt ist, da es zu diesen Fragen immer wieder unterschiedliche Informationen gebe.

„Wir wollen wissen, welche Entwicklungsmöglichkeiten die Stadt für die Halle 116 hat, um für eine Entwicklung eventuell auch Gelder aus dem Treuhandvermögen zu verwenden“, so Verena von Mutius.



Halle 116 bald unter Denkmalschutz?

Lange hat sich die Stadt Augsburg Zeit gelassen, das historische Erbe der Halle 116, in der sich ein Außenlager des KZ-Dachau befand, einer angemessenen Nutzung zuzuführen. Nun kommt offensichtlich Bewegung in die Angelegenheit, die die Stadt viele Jahre lang vor sich herschob. Nach Informationen der DAZ nimmt das Landesamt für Denkmalpflege die Halle 116 in die Liste der zu schützenden Denkmäler auf.



Halle 116 (c) DAZ

Die namensgebende Nummerierung der Halle 116 (c) DAZ


Dies geht auch aus einem Gesprächsprotokoll von Peter Feininger und Dietmar Egger hervor, die zusammen mit Ringo Reinhardt als Vertreter der „Initiative Denkort Halle 116“ bei den Fraktionen der CSU und der Grünen vorsprachen. Ein Mitglied der Grünen Stadtratsfraktion sei Zeuge eines Gesprächs eines Mitarbeiters des Landesamts für Denkmalpflege geworden. Demnach sei der Antrag zur Halle 116 genehmigt, womit der Antrag von Stadtrat Volker Schafitel (Architekturforum Augsburg) gemeint war, die Halle 116 unter Denkmalschutz zu stellen.

Die Grüne Fraktion unterrichtete die Initiative auch darüber, dass sie einen Antrag an Oberbürgermeister Kurt Gribl gestellt hat, der vorsieht, die Eigentumsverhältnisse zu klären. Dabei gehe es um den tatsächlichen Eintrag im Grundbuch und um eine Darlegung, welche Durchgriffsmöglichkeiten die Stadt Augsburg auf das Objekt habe. Nach ihrer Sitzung bei den Grünen gingen die Vertreter der Initiative zur CSU-Fraktion und wurden überrascht – im positiven Sinn.

Merkle: Der Stadtrat verkauft die Halle nicht!

Da ein positiver Bescheid des Landesamts für Denkmalpflege im Raum stehe und sich dadurch alle Vorzeichen des Projekts verändern würden, habe Fraktionschef Bernd Kränzle dem anwesenden parteilosen Kulturreferenten Thomas Weitzel „faktisch ins Stammbuch geschrieben, dass nach einem positiven Bescheid des Landesamts für Denkmalpflege der politische Prozess neu aufgerollt werden müsse, eine Sitzung des Ältestenrats notwendig sei und Thomas Weitzel sich mit allen Beteiligten zusammensetzen und eine allseits tragfähige und akzeptable Lösung suchen müsse.“

So das Autorenteam des Gesprächsprotokolls (Feininger/Egger) nach ihrer Sitzung in der CSU-Fraktion. Baureferent Gerd Merkle habe wohl das Bedürfnis gehabt, „das Geplänkel des Kulturreferenten stoppen zu müssen“ und sich festgelegt: „Der Stadtrat verkauft die Halle nicht!“ So wird Merkle in dem veröffentlichten Gesprächsprotokoll zitiert.



„Ein KZ-Außenlager ist kein Spekulationsobjekt“ – Initiative zur Halle 116 setzt Stadt unter Druck

Lange hat sich die Stadt Augsburg Zeit gelassen, das historische Erbe der Halle 116 einer angemessenen Nutzung zuzuführen. In der Halle befand sich ein Außenlager des KZ-Dachau. Nun hat sich eine Bürgerinitiative neu aufgestellt: „Initiative Denkort Halle 116“.

Halle 116 (c) DAZ

Halle 116 (c) DAZ


Damit steht die Stadt unter genauer Beobachtung und unter politischem Druck, denn das Bündnis setzt sich aus einer Reihe von Initiativen und Persönlichkeiten zusammen, die in der Stadt fest verankert sind und mobilisierungsfähig wären, käme es zu einem größeren Nutzungskonflikt bezüglich eines Gedenkortes im Kontext der Naziverbrechen.

„Die Initiative Denkort sieht mit großer Sorge, dass die Stadt ihre Ziele, die sie für die weitere Nutzung der Halle beschlossen hat, nicht konkretisiert. Die Halle, die komplett als Gemeinbedarfsfläche geplant war, wurde zum größten Teil in eine Gewerbefläche umgewandelt. Damit will man wohl einem privaten Investor entgegenkommen“, heißt es in einem Statement der Initiative, die sich vergangene Woche konstituierte und zu einer Sitzung eingeladen hatte, bei der auch der zuständige Kulturreferent Thomas Weitzel zugegen war. Weitzel wurde aufgetragen, die Halle als Gemeinbedarfsfläche zu sichern und in das Eigentum der Stadt Augsburg zu bringen. Nur dadurch könne sichergestellt werden, dass in dem Gebäude eine Nutzung erfolge, die die Vergangenheit des Baues würdige und die Pläne der Stadt, hier einen Lern- und Gedenkort zu schaffen, ermögliche.

Halle 116 (c) DAZ

Halle 116 (c) DAZ


„Begrüßt wurde, dass der Kulturreferent in der Halle Raum für die Erinnerungskultur in Augsburg sieht und er das Konzept von Professor Gassert eine Leitplanke für die künftige Nutzung eines Teils des Gebäudes nennt“, wie es in dem Statement heißt. Das Gassert-Konzept sieht vor, durch die Halle einen Geschichtspfad zu legen der die Entwicklung das Baues von seiner Entstehung als Teil einer Nazikaserne, über die Verwendung als KZ-Außenlager, bis zu seiner Nutzung durch das US-amerikanische Militär dokumentiert. Die Initiatoren zeigten sich darüber sehr irritiert, dass die Halle zu einem Großteil von einem privaten Investor genutz werden solle und zirka nur ein Viertel des Gebäudes als Gedenkort vorgesehen sei, da die Stadt kein Geld für eine große Lösung habe.

„Ein KZ-Außenlager ist kein Spekulationsobjekt“, heißt es in der Erklärung der Gruppe. Vor wenigen Wochen wurde von Stadtrat Volker Schafitel ein Antrag an die Denkmalbehörde gestellt: Die Halle solle in die Liste der denkmalgeschützten Gebäude aufgenommen werden. Eine Entscheidung darüber ist noch nicht getroffen worden.

Die Erklärung wird unterstützt durch zahlreiche Einzelpersonen und folgende Organisationen:

Augsburger Friedensinitiative (AFI), AWO Schwaben, Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) Gruppe Augsburg, Redaktion www.forumaugsburg.de, Reinhold Forster – geschichtsagentur augsburg, Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V., Regionalgruppe Augsburg, GEW KV Augsburg, Marcella Reinhardt – Regionalverband Sinti und Roma, Miriam Friedmann MA und Dr. Friedhelm Katzenmeier, Stolpersteininitiative Augsburg und Umgebung, VVN-BdA Kreisvereinigung Augsburg, Bürgeraktion Pfersee.



Halle 116 soll Gedenkort und Bildungsstätte werden

Die Ausschussgemeinschaft des Augsburger Stadtrats hat einen Antrag eingereicht, der die Halle 116 im Sheridan-Park als Gedenkort und Bildungsstätte vorsieht.
Halle 116 (c) DAZ

Halle 116 (c) DAZ


In der Halle 116 soll ein Gedenkort und eine Bildungsstätte eingerichtet werden, an dem der Opfer des Nationalsozialismus gedacht werden kann, und in der die Entstehung des Nationalsozialismus‘ in der Weimarer Republik, die zwölf Jahre der nationalsozialistischen Herrschaft und die Nachkriegszeit in Augsburg anschaulich verständlich gemacht werden.

Eine solche Gedenk- und Bildungsstätte in einem Erinnerungsort, der Teil der nationalsozialistischen Strategie „Vernichtung durch Arbeit“ war, gibt der Halle 116 als Erinnerungsort und den Opfern des Nationalsozialismus’ die dort inhaftiert waren, ihre Würde zurück. Die Bildungsstätte sollte es zur Aufgabe haben, die Geschichte des Nationalsozialismus in Augsburg und im Landkreis Augsburg inklusive seiner Vor- und Nachgeschichte aufzuarbeiten und in modernen, heute gängigen musealen Präsentationsformen zu veranschaulichen.

Nach Vorstellungen der Ausschussgemeinschaft, die sich aus sechs Stadträten (FW, Linke, ÖDP, Polit-WG) zusammensetzt, sollte an diesem Ort „der Opfer des Nationalsozialismus‘ gedacht werden, den Befreiern gedankt und es kann vor allem den heute lebenden Menschen gezeigt werden, warum eine lebendige Erinnerung an den Nationalsozialismus, seine Entstehung und sein Ende auch heute noch zentrale Elemente der politischen Bildung aller in Deutschland lebenden Menschen sein muss.“


Flüchtlingspolitik: Aus für Halle 116

Das Vorhaben der Stadt, eine ehemalige Außenstelle des Konzentrationslagers zum Teil als Unterbringungsort für Flüchtlinge einzurichten, ist gescheitert. „Die Halle 116 wird vom Freistaat Bayern nicht weiter geprüft“, wie es in einer Pressemitteilung der Stadt heißt.

Halle 116

Halle 116


Oberbürgermeister Kurt Gribl und der 3. Bürgermeister/Sozialreferent Stefan Kiefer müssen zur Kenntnis nehmen, dass der Freistaat Bayern die „Halle 116“ in Augsburg als Unterbringungsmöglichkeit für Asylbewerber nicht weiter prüft. Das Gebäude war während der NS-Zeit nicht nur Teil einer Kaserne, sondern neun Monate lang auch ein KZ-Außenlager für Zwangsarbeiter. Danach diente es amerikanischen Streitkräften als Fahrzeughalle der Sheridan-Kaserne, im Dachgeschoss war die US-Bücherei untergebracht.

„Gerade als Friedensstadt sind wir uns der sensiblen Historie des Gebäudes sehr wohl bewusst. Nicht umsonst ist es ein wichtiger Teil der Erinnerungskultur in unserer Stadt und wird in einem längeren Prozess zum Lern- und Denkort Frieden entwickelt. Gemeinsam mit den Fraktionen des Stadtrats und dem Sozialreferenten bin ich davon überzeugt, dass die Unterbringung von Asylbewerbern in der „Halle 116“ zunächst Menschen in akuter Not hilft. Es ist aber auch ein Ausdruck dafür, als Friedensstadt authentisch im Sinn eines Lern- und Denkorts zu handeln“, so das Statement von Oberbürgermeister Kurt Gribl. Sowohl der OB als auch Sozialreferent Dr. Kiefer weisen „mit Stolz“ auf die unaufgeregte aber konstruktive Art hin, in der die Stadtgesellschaft das Thema im Kontext Friedensstadt öffentlich auffasse und diskutiere.

„Wir teilen die Auffassung des Freistaats zur Unterbringung von Asylbewerbern in Halle 116 nicht. Ich bin überzeugt, dass wir vor Ort eine gute Lösung gefunden hätten, aus dem „Denkort“ auch einen Ort des aktiven Wirkens im Sinne der Menschlichkeit zu entwickeln. Wir wollen aber auch keineswegs provozieren und akzeptieren daher die Entscheidung des Freistaats Bayern, dass das Gebäude als Unterbringungsmöglichkeit ausscheidet. Dadurch erübrigen sich alle weiteren Überlegungen“, so Sozialreferent Dr. Stefan Kiefer.



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