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Dienstag, 04.12.2018 - Jahrgang 10 - www.daz-augsburg.de

Gewerkschaft kritisiert Schieflage am Augsburger Arbeitsmarkt

Der Anteil „atypischer“ Jobs ist in der Stadt Augsburg im vergangenen Jahr auf 43 Prozent gestiegen. Die IG BAU fordert angesichts dieser Entwicklung von der Politik Konzepte gegen die „Unwucht“ auf dem lokalen Arbeitsmarkt.

66 Prozent der armutsriskanten Gruppen leben in Städten: Arbeitslosenquote Augsburg im Vergleich zum Landesdurchschnitt

66 Prozent der armutsriskanten Gruppen leben in Städten: Arbeitslosenquote Augsburg im Vergleich zum Landesdurchschnitt


Rund 70.700 Menschen in Augsburg arbeiten in Teilzeit, Leiharbeit oder haben einen Minijob als alleiniges Einkommen. Damit ist der Anteil der so genannten „atypischen Beschäftigung“ im vergangenen Jahr auf einen Rekordwert von 43 Prozent gestiegen. Das kritisiert die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). Die Gewerkschaft beruft sich hierbei auf eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung, die die Entwicklung am Augsburger Arbeitsmarkt seit dem Jahr 2003 untersucht. Damals lag die Quote atypischer Jobs noch bei 33 Prozent.

IG BAU-Bezirkschef Michael Jäger spricht von einem „Alarmsignal an die Politik“: „Es kann nicht sein, dass wir einerseits einen wirtschaftlichen Aufschwung erleben, aber andererseits so viele Menschen in prekären Verhältnissen arbeiten.“ Hier sei „grundsätzlich etwas in Schieflage geraten“.

Nach Angaben der Böckler-Stiftung hat in Augsburg besonders die Teilzeit-Beschäftigung drastisch zugenommen. Arbeiteten 2003 noch etwa 23.900 Erwerbstätige in Teilzeit, waren es 2016 bereits rund 40.000 – ein Anstieg von 68 Prozent. „Gerade für Frauen ist es nach einer Familienpause enorm schwer, wieder voll in den Beruf einzusteigen. Gegen die Teilzeit-Falle brauchen wir endlich ein verbrieftes Rückkehrrecht in Vollzeit“, so Jäger. Ein entsprechender Gesetzentwurf der großen Koalition war in diesem Frühjahr am Widerstand der Union gescheitert. Auch bei Minijobs gibt es der Studie zufolge keine Entwarnung: Rund 23.500 Menschen in Augsburg waren 2016 ausschließlich geringfügig beschäftigt (2003: 20.000).

Mit Blick auf die Bundestagswahl im September fordert die IG BAU Schwaben von den Parteien klare Konzepte „gegen die Unwucht am Arbeitsmarkt“. Dazu müsse die Abschaffung der Befristungen ohne sachlichen Grund genauso gehören wie die Einbeziehung von Minijobs in die Sozialversicherung. „Dabei sind auch die Arbeitgeber in der Pflicht. Statt aufs Billig-Prinzip sollten Chefs auf Kontinuität setzen“, so Jäger.



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