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Montag, 01.06.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Neue Spielzeit am Theater: „Die Akzeptanz ist da“

Mit der Präsentation der neuen Spielzeit des Augsburger Staats­theaters wird ein Jubiläum eingeleitet: es ist das 10. Interims-Jahr des Intendanten André Bücker, der das Haus sozusagen nur als Provisorium kennt. Eigentlich hätte er nur die Anfangszeit bis zur Fertig­stellung der Renovierung und des Neubaus im Provi­sorium überbrücken sollen, doch es kam anders. Dafür fällt die Bilanz gar nicht so schlecht aus – und auch die Vorschau ist viel­ver­sprechend. Das liegt, wie der Intendant weiß, nicht zuletzt am Augsburger Publikum, das alles mitmacht und dem Theater auch unter widrigen Umständen die Treue hält.

Von Halrun Reinholz

Die Mitglieder der Theaterleitung bei der Spielplanpräsentation, v.l.n.r.: Benjamin Seuffert, Ricardo Fernando, Lukas Baueregger, Carla Silva, André Bücker, Sophie Walz, David Ortmann, Anna-Dorothea Promnitz-Pyrek, Nicole Schneiderbauer, Sabeth Braun, Domonkos Héja, Dr. Christine Faist (Foto: Jan-Pieter Fuhr)

Der thematische Überbegriff der Spielzeit 2026/27 ist „ungeheuer“. Man kann ihn auch als ironische Anspielung auf die Widrig­keiten sehen, die das Theater nach wie vor heimsuchen. Außer der unend­lichen Geschichte der Baustelle beim Großen Haus hat in der noch laufenden Spielzeit ja auch noch die plötzliche Schließung der Freilicht­bühne alle Planungen durch­einander­gebracht. Und dass die Interims­spiel­stätten auch allmählich Schwächen und Mängel aufweisen, beschäftigt die Theater­leitung zunehmend. Vor allem der große Saal im Martinipark ist nun seinerseits reno­vierungs­bedürftig und angesichts der unsicheren Ausgangslage der Groß­baustelle hat man nun sogar beschlossen, dort eine Klimaanlage einzubauen, die den Zuschauern und dem Ensemble im Sommer zugute­kommen wird. Durch den Ausfall der Freilicht­bühne, so der Intendant, verlängert sich auto­matisch die Spielzeit im Saal und bei Theater­abenden im Juli würde man eine Klima­anlage durchaus zu schätzen wissen.

Doch das war selbstverständlich nicht das Hauptthema der Spielplan­präsen­tation. Das Motto „ungeheuer“ bezieht sich vor allem auf die Heraus­forde­rungen einer immer unüber­sicht­lichen und „ungeheueren“ politischen und gesell­schaft­lichen Realität, der das Theater mit seinen Mitteln begegnen muss. Doch „ungeheuer“ beschreibt auch „das Faszi­nierende und Über­wälti­gende, das Theater von jeher so besonders macht“, erklärte der Intendant die Motto-Wahl.

Zwei neue Spielstätten, aber keine Freilichtbühne

24 Premieren in den Sparten Musiktheater, Schauspiel, Ballett und Digital­theater verkündete André Bücker für die neue Spielzeit, darunter mehrere Urauf­führungen, teils Auftrags­arbeiten speziell für das Augsburger Staats­theater. Wieder­aufnahmen beliebter Produk­tionen sollen aber auch nicht zu kurz kommen.

Für den bedauerlichen Wegfall der Freilicht­bühne gibt es keinen Ersatz, selbst bei einer schnellen Reno­vierung sei der Vorlauf für die Produk­tionen dort viel zu lang. Immerhin konnte der Intendant aber zwei neue Spielstätten verkünden: das Mephisto-Kino im Herzen der Innenstadt, das dem Theater nach dem Wegfall des Rock-Cafés in Kriegshaber mit seinen 120 Sitzen eine neue Möglich­keit für kleine Formate, Talks oder Lesungen bieten wird. Dazu kommt die Bühne im Fronhof, wo die Phil­harmoniker zunächst die beliebten „Fronhof-Konzerte“ übernehmen, ihnen aber einen eigenen Stempel aufdrücken werden. Wobei sich dort auch weitere Möglich­keiten auftun könnten.

Das Schauspiel startet am 2. Oktober mit der ersten Premiere: „Frau Yamamoto ist noch da“. Es ist die Bayerische Erst­auf­führung eines Stücks von Dea Loher, der Brecht-Preis­trägerin von 2006. Die weiteren Premieren zeigen eine Vielfalt zwischen Shakespeares „Macbeth“, Bölls „Katharina Blum“, einer Show-Revue von Felix Krakau zum Gedenken an Hans Rosenthal („Halli Galli“) und dem Märchen­stück „Der Zauberer von Oz“. Hinzu kommt mit „Clean“ die Urauf­führung eines Stücks von Sarah Kilter, das die Augsburger Drogen­szene zum Thema hat und ein noch nicht näher bekanntes Stück von oder über Bertolt Brecht, das zum Brecht­festival Premiere haben wird. Mit „The Boys are Kissing“ und „Der Liebling“ werden noch zwei Komödien den Spielplan bereichern.

Das Musiktheater setzt am 10. Oktober mit der Erst­auf­führung der Oper „Die Verwandlung“ von Gordon Kampe nach dem Roman von Franz Kafka in die Spielzeit ein. Als Klassiker stehen Verdis „Luisa Miller“, Rossinis „Barbier von Sevilla“ und Humper­dincks „Hänsel und Gretel“ auf dem Spielplan. Mit Glucks „Iphigenie in Aulis“ werden die Fans der Barockoper bedacht. Einen zeit­genös­sischen Akzent setzt „Die menschliche Stille“, eine Zusammen­fassung zweier Kammeropern von Lee Holby und Francis Poulenc.

Ricardo Fernando kündigt für die Ballett­sparte mit „Cinderella“ wieder einen abend­füllenden Klassiker an, der am 31. Oktober Premiere hat. Urauf­führungen werden in dem Kammer­ballett­abend „Blending“ zu sehen sein, eine Deutsch­land­premiere bietet „Cathedral“ in der Choreo­grafie von Marcos Morau. Mit „Newcomer“ bietet der Ballett­direktor wieder Ensemble­mit­gliedern die Möglich­keit, eigene Choreo­grafien zu zeigen. Und selbst­ver­ständlich laufen die Vorbe­reitungen für die Inter­nationale Ballett- und Tanzgala am 6. und 7. Februar bereits auf Hochtouren, wie Ricardo verkündet.

Fronhof-Konzerte und Beethoven-Marathon

Bei den Philharmonikern gibt es auch in diesem Jahr wieder einen „Artist in Residence“ , die chinesische Geigen­virtuosin Tianwa Yang. Ihren ersten Auftritt hat sie im zweiten Sinfonie­konzert im November mit dem Violin­konzert von Tschaikowski., im 8. Sinfonie­konzert wird sie eine Konzert von Paul Ben-Haim spielen. Daneben wird sie noch drei Kammer­konzerte (mit) bestreiten. Zu den Gast­solisten des Orchesters zählen im Laufe der Spielzeit der Organist Christian Schmitt und die ARD-Preis­trägerin Selina Ott. Es gibt auch in der neuen Spielzeit ein Auftrags­werk des Orchesters. Mit „Karneval der gefährdeten oder schon abhandenen Tiere“ lädt der Komponist Narkus Lehmann-Horn zu einer satirisch-musi­kalischen Entdeckungs­reise nach Texten von Eckard Henscheid ein. Im April plant das Orchester zudem als Besonder­heit ein „Beethoven-Marathon“ aus Anlass des 200. Todestags des Komponisten.

Ein Alleinstellungsmerkmal des Augsburger Staats­theaters ist die Digital­sparte, deren Produk­tionen über­regional Beachtung finden. Sie geht nun schon in die 6. Saison und startet im Oktober mit einer „inter­aktiven Begegnung mit dem Geist von Kafka“. Eine Besonder­heit wird auch das VR-Schauspiel nach dem Film „Metropolis“ von Fritz Lang im Frühjahr 2027.

Mit diesem vielfältigen Programm verfolgt das Theater Augsburg weiter den Spagat zwischen Innovation und Publikums­nähe, mit dem es insgesamt bisher gut gefahren ist. Der Kontakt zum Publikum wird einerseits über die „Theater­ver­mittlung“ gesichert, die auf drei Stellen aufgewertet wurde. Durch die Arbeit an Schulen wird für den Publikums­nachwuchs gesorgt. Auch im Konzert­saal macht sich unter anderem bemerkbar, dass es nun die „Null Euro Tickets“ für Schüler und Studenten an der Abendkasse gibt. In diese Richtung zielt auch die Ver­netzungs­plattform „Plan A“ mit Mitmach­projekten und publikums­nahen und inklusiven Formaten. „Immer Dinge miteinander denken“, nennt der Intendant dieses Bemühen um breite Teilhabe. Der Theater­begriff habe sich verändert und tue das weiterhin, es brauche immer wieder neue Formate, um glaubwürdig und authentisch zu sein. Mit der Aus­strahlung des Theaters in die Stadt­gesell­schaft ist er insgesamt zufrieden, „die Akzeptanz ist da.“ Wenn vielleicht in naher Zukunft auch noch die äußeren Rahmen­be­dingungen wieder stimmen, sieht er das Theater auf einem guten Weg.

Alle Stücke der Spielzeit 2026/27 des Augsburger Staats­theaters sind auf der Seite des Theaters unter staatstheater-augsburg.de/ungeheuer zu finden.



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