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Sonntag, 05.07.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Fuggerstraße: Neustart ohne Musterfläche

Die Augsburger Stadtverwaltung legt dem Stadtrat am 9. Juli einen neuen Grundsatzbeschluss zur Umgestaltung der nördlichen Fuggerstraße vor. Der Entwurf verzichtet auf das bisher geplante, kostspielige Provisorium einer Muster­fläche und setzt auf den Erhalt des Baumbestands. Das Projekt soll über elf Millionen Euro kosten und verschiebt andere Fuß- und Radwegeprojekte.

Von Bruno Stubenrauch

Verhindern einen Baubeginn vor 2029: Parkende Regional­busse in der Fugger­straße, die mangels Fertig­stellung nicht zum Haupt­bahnhof umziehen können (Foto: DAZ)

Die Neugestaltung der nördlichen Fuggerstraße zwischen Königsplatz und Staatstheater steht vor einer grund­legenden Wende. Die Verwaltung hat für die kommende Sitzung des Stadt­ent­wick­lungs­aus­schusses eine neue Beschluss­vor­lage (BSV/26/00123) vor­ge­legt, die das bisherige Konzept deut­lich ver­än­dert. Ziel ist ein Grund­satz­be­schluss, der den di­rek­ten Um­bau des Be­reichs ein­lei­tet und lang­jäh­rige Pla­nungs­blockaden auf­hebt.

Verzicht auf teures Provisorium

Weg­fal­len wird ins­be­son­dere die im März 2025 be­schlos­sene Her­stel­lung einer sogenannten Muster­fläche. Diese sollte ur­sprüng­lich im Maß­stab 1:1 zwi­schen Königsplatz und Holbeinstraße er­rich­tet werden, um Ma­te­ria­lien, Ent­sie­ge­lun­gen und neue Stadt­mö­bel für min­des­tens ein Jahr lang zu er­pro­ben. Die Kos­ten für dieses tem­po­räre Ex­pe­ri­ment, das wegen an­ste­hen­der Lei­tungs­ar­bei­ten spä­ter wie­der kom­plett hät­te zu­rück­ge­baut werden müssen, waren auf rund 350.000 Euro ver­an­schlagt wor­den.

Gegen diese Pla­nung hatte sich be­reits im Kom­mu­nal­wahl­kampf Kri­tik formiert. Vor­würfe rich­te­ten sich gegen den Auf­wand für ein Pro­vi­so­rium, das kei­nen nach­hal­ti­gen Nutzen ge­bracht hätte. Nun folgt die Ver­wal­tung die­sen Be­den­ken und kippt die Test­stre­cke. Baureferent Steffen Kercher be­grün­det den Schwenk in der Vor­lage mit ver­än­der­ten Prä­mis­sen und dem Ziel einer di­rek­ten, schnel­le­ren Re­al­i­sie­rung.

Klimawandel zwingt zum Umdenken

Ein Haupt­grund für die Neu­pla­nung sind ver­än­derte An­for­de­run­gen an den Um­welt­schutz. Die ur­sprüng­li­che Ent­wurfs­pla­nung aus dem Jahr 2014 sah noch vor, die zwei ex­is­tie­ren­den Baum­rei­hen der Al­lee voll­stän­dig zu fäl­len und durch eine vier­rei­hige Neu­pflan­zung zu er­set­zen. Ange­sichts des Kli­ma­wan­dels gilt diese Ra­di­kal­lö­sung heute als un­zeit­ge­mäß; die Be­stands­bäume sol­len nun er­hal­ten und in die neue Struktur in­te­griert werden.

Zudem sol­len die Grün­strei­fen ver­brei­tert und ent­sie­gelt werden, um als ver­duns­tungs­of­fene Flä­chen das Stadt­klima zu ver­bes­sern. Nach dem ge­plan­ten Schwamm­stadt­prin­zip wird das Nie­der­schlags­was­ser der Geh­wege künf­tig di­rekt in diese Grün­zo­nen ge­lei­tet. Um den Wur­zel­raum der alten Bäume zu schonen, ver­zich­tet die Stadt auf die ur­sprüng­lich vor­ge­se­he­nen guss­ei­ser­nen Baum­roste und Plät­ten­be­läge in die­sen Zonen.

Explodierende Kosten und verschobene Projekte

Neben öko­lo­gi­schen Grün­den zwin­gen vor allem fi­nan­zi­elle Zwänge zum Han­deln. Der kom­plette Um­bau wurde im Jahr 2014 auf knapp 10,5 Millionen Euro be­zif­fert; die Bau­preis­stei­ge­run­gen hätten das alte Pro­jekt bis heute auf min­des­tens 18,8 Millionen Euro ver­teu­ert. Die nun an­ge­strebte, be­stands­nahe Va­ri­ante soll die Bauk­os­ten sen­ken und wird auf 11 bis 13 Millionen Euro ge­schätzt, wofür Zu­schüsse der Städ­te­bau­för­de­rung er­war­tet werden.

Ums­trit­ten dürf­te je­doch die Quer­fi­nan­zie­rung des städ­ti­schen Ei­gen­an­teils wer­den. Dieser soll nach ak­tu­el­len Plä­nen aus dem Be­reich für den Aus­bau von Geh- und Rad­we­gen ent­nom­men werden. Die Ver­wal­tung be­stä­tigt in der Vor­lage of­fen, dass dies zur zeit­li­chen Ver­schie­bung an­de­rer Fuß- und Rad­ver­kehrs­pro­jekte im Stadt­ge­biet füh­ren wird. Allein die kom­plet­ten Pla­nungs­kos­ten belau­fen sich vor­ab auf rund 1,15 Millionen Euro.

Baubeginn erst im Jahr 2029

Trotz des Ver­zichts auf die Muster­fläche ist mit einem schnel­len Bau­be­ginn nicht zu rech­nen. Nach dem gro­ben Zeit­plan sol­len die Jahre 2026 und 2027 für Gut­ach­ten, die Pla­nungs­über­ar­bei­tung und die Öf­fent­lich­keits­be­tei­li­gung ge­nutzt werden. Der ei­gent­liche Pro­jekt­be­schluss durch den Stad­trat soll erst im Jahr 2027 er­fol­gen, ge­folgt von der Aus­füh­rungs­pla­nung im Jahr 2028.

Der erste Spaten­stich ist frü­hes­tens für Mitte 2029 vor­ge­sehen. Zwin­gende Vor­aus­set­zung hier­für ist die Ver­la­ge­rung der Re­g­io­nal­busse, die der­zeit noch in der Stra­ßen­mitte par­ken. Diese kön­nen erst nach Fer­tig­stel­lung des neuen Re­g­io­nal­bus­ter­mi­nals am Haupt­bahn­hof um­ge­lei­tet werden, was nach ak­tu­el­lem Stand im Som­mer 2029 der Fall sein soll. Die Bau­ar­bei­ten an der Fuggerstraße sol­len sich an­schlie­ßend mindestens bis in das Jahr 2031 hin­zie­hen. Ob Ober­bürger­meister Dr. Florian Freund die Fugger­allee, eines seiner zentralen Wahlkampf­ver­sprechen, innerhalb seiner ersten Amtszeit umsetzen kann, ist also keineswegs sicher.

Der Stad­trat wird am 30. Juli 2026 fi­nal über den Grund­satz­be­schluss ent­schei­den.


Weiterführende Links:

SPD präsentiert „friedliche“ Vision für die Fuggerstraße

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