BUND Naturschutz in Bayern e.V. kritisiert Vorfestlegung beim Uniklinik-Neubau
Nur eineinhalb Stunden nach dem Aufstellungs- und Änderungsbeschluss des Stadtrats zur Bauleitplanung für den Klinik-Neubau ging der BUND Naturschutz (BN), Kreisgruppe Augsburg, an die Öffentlichkeit und verschärfte seine Kritik am Vorgehen der Stadt.
Von Bruno Stubenrauch
Der 40 Jahre alte, als Patientengarten konzipierte KlinikparkDer Stadtrat hatte am gestrigen Donnerstag bei nur zwei Gegenstimmen den Weg für die planungsrechtlichen Voraussetzungen freigemacht. Aus Sicht des BN wird damit nun faktisch das Baufeld „West“ südwestlich der bestehenden Klinik weiterverfolgt; das vielfach betonte „ergebnisoffene“ Verfahren sei nicht mehr erkennbar. Der aktuelle Planentwurf konzentriere sich ausschließlich auf das westliche Baufeld – inklusive Klinikpark und angrenzender landwirtschaftlicher Flächen. Die Alternative „Ost“ werde nicht mehr vertieft geprüft.
BN moniert fehlende Gutachten in der Beschlussvorlage
Kritisch sieht der Verband zudem, dass zentrale Fachgutachten nicht Bestandteil der Beschlussvorlage gewesen seien. Genannt werden unter anderem Untersuchungen zu Artenschutz, Ausgleichsflächen, Stadtklima, Verkehr, Lärm und Boden. Wer über eines der größten städtebaulichen Projekte der kommenden Jahrzehnte entscheide, müsse auf vollständiger fachlicher Grundlage abstimmen, so der BN.
Bereits die Standortanalyse, auf die sich die Weichenstellung stütze, sei ursprünglich eine interne Studie gewesen und weise nach Auffassung des BN methodische Schwächen auf. Dennoch diene sie nun als Grundlage für die planungsrechtliche Festlegung.
Prüfstein Stadtklima
Besonders deutlich wird die Kritik des BN beim Thema Stadtklima. Das Baufeld „West“ sei laut Stadtklimaanalyse von 2023 eine Fläche mit hohem Schutzbedarf. Vergleichende Simulationen für beide Standorte, die konkrete Gebäudehöhen und -anordnungen berücksichtigen, lägen jedoch nicht vor.
Auch das beauftragte Klimagutachten beziehe sich ausschließlich auf das Baufeld „West“ und arbeite nicht mit rechnerischen Modellierungen, moniert der BN. Entscheidend sei nicht nur, ob Kaltluftströme vollständig unterbrochen würden, sondern auch, ob sie spürbar geschwächt werden.
Zeitargument „nicht belegt“
Als zentrales Argument für den Standort „West“ sei von der Verwaltung eine angebliche Zeitersparnis angeführt worden. Ein transparenter, vergleichender Zeitplan fehle jedoch weiterhin, so der Verband. Nicht die sorgfältige Prüfung von Alternativen verzögere Projekte, sondern eine unzureichende Vorbereitung.
Der BUND Naturschutz kündigte nun an, im weiteren Verfahren eine nachvollziehbare, vergleichende und fachlich belastbare Bewertung des alternativen Baufeldes „Ost“ einzufordern.




