Kulturcafé Neruda: Grüne fordern Klarheit über Zukunft des Begegnungsorts
Nur wenige Wochen nach dem Tod seines Gründers Fikret Yakaboylu hat das Kulturcafé Neruda geschlossen. Die Grüne Stadtratsfraktion setzt sich nun für den Fortbestand des Kultur- und Begegnungsorts ein – und stellt der Stadt konkrete Fragen.
Von Bruno Stubenrauch
Das Neruda wenige Tage vor der Schließung (Foto: DAZ)
Am 22. Mai 2026 starb Fikret Yakaboylu – Gründer des Kulturcafés Neruda und Träger der Verdienstmedaille der Stadt Augsburg. Am Sonntag, 28. Juni, hatte das Neruda zum letzten Mal geöffnet. Seitdem ist das Café in der Alten Gasse 7 nahe des Hofgartens geschlossen. Die Konzession war auf Yakaboylu persönlich ausgestellt und ist mit seinem Tod erloschen.
Das Neruda war seit rund 15 Jahren weit mehr als eine Gaststätte. Mit Konzerten, Lesungen, Ausstellungen, Diskussionen und den assoziierten „Kültürtagen“ hat es das kulturelle Leben Augsburgs nachhaltig geprägt – als Ort gelebter Interkulturalität und gesellschaftlicher Teilhabe, der Menschen unterschiedlicher Herkünfte und Generationen zusammenbrachte.
Grüne stellen Antrag für den Kulturausschuss
Die Stadtratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat nun einen Antrag gestellt, das Thema in der Sitzung des Kulturausschusses am 13. Juli 2026 auf die Tagesordnung zu setzen. Die Fraktion stellt der Stadtverwaltung dabei vier konkrete Fragen:
Wie stellt sich die aktuelle Situation des Neruda dar, und welche Gespräche wurden bereits mit der Familie sowie weiteren Beteiligten geführt? Welche kultur-, gesellschafts- und integrationspolitische Bedeutung misst die Stadt dem Neruda bei? Welche Auswirkungen hätte eine dauerhafte Schließung auf das Theaterviertel? Und schließlich: Welche Möglichkeiten sieht die Stadt, den Fortbestand des Kulturcafés dauerhaft zu unterstützen?
In ihrer Begründung betonen die Grünen, dass das Neruda ein Ort sei, „der weit über die Stadtgrenzen hinaus Anerkennung gefunden und das kulturelle Selbstverständnis Augsburgs geprägt hat“. Angesichts der bekannt gewordenen Gefährdung bestehe ein berechtigtes öffentliches Interesse daran, über die aktuelle Situation und mögliche Handlungsperspektiven informiert zu werden.
Offene Fragen rund um den Fortbestand
Die Lage ist komplex: Die Familie Yakaboylu sieht sich außerstande, das Neruda fortzuführen. Fikret Yakaboylu hatte sich zeit seines Lebens kein Gehalt bezahlt – das Café war sein persönliches Engagement, kein Geschäftsmodell. Konflikte mit Anwohnern hatte er stets durch persönliche Gespräche gelöst. Was der Vermieter mit den Räumlichkeiten vorhat, ist derzeit unklar. Wie es mit dem Neruda weitergeht, liegt nun auch in den Händen der Stadt Augsburg.





