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Freitag, 12.08.2022 - Jahrgang 14 - www.daz-augsburg.de

„Wie es euch gefällt“

Noch ist nichts passiert und dennoch kündigt sich eine Woche vor der Eröffnung im nahen Umfeld der partyverslumten Maximilianstraße ein großer Paukenschlag an.



Die Rede ist von „Jean Stein“, ein Projekt, das es – was Ambition und Größenordnung betrifft – in Augsburg so noch nicht gegeben hat. Startschuss ist am 1. Mai, das Motto der Eröffnungsveranstaltung: „Stuhlgang“. Mit Stühlen unter’m Arm sollen die Bürger dieser Stadt eine Unternehmung starten, die am Rathaus beginnt und an einem Ort endet, den die Initiatoren „ein neues zu Hause“ nennen. Urbanen Raum besetzen und daraus einen Ort formen, der von der Öffentlichkeit inhaltlich mitbestimmt werden kann, so oder so ähnlich lässt sich das Projekt begreifen. „Jeder kann kommen, jeder soll machen, was er kann und was ihm gefällt“, so Georg Heber, einer der Initiatoren.

Das Chaos scheint überschaubar

"einer Abrissimmobilie angenommen": Eröffnung am 1. Mai

"einer Abrissimmobilie angenommen": Eröffnung am 1. Mai


In der ehemaligen „Hasenjagd“ in der Kapuzinergasse 15 hat sich eine Gruppe junger Künstler um die federführenden Georg Heber, Ivo Mannheim, Daja Zachow und Manfred Hörr einer Abrissimmobilie angenommen, die als offene Plattform, als open stage mit einem dichten Veranstaltungsreigen der kulturellen Einfältigkeit der Maxstraße entgegenwirken soll. Die Probleme der Maxstraße interessieren die Gruppe „Jean Stein“ allerdings nur am Rande. Sie sehen in „Jean Stein“ ein Experiment, das die kreative Substanz der Stadt zusammenführen könnte. „Jean Stein“ ist als „Labor für das Mögliche“ gedacht. Natürlich ist den Initiatoren die Sogwirkung des Vakuums bewusst. Alles sei denkbar, auch in der Gastronomie. Wenn jemand an einem bestimmten Tag Lust zum Kochen haben sollte, dann könnte er das bei „Jean Stein“ tun. Bezahlt wird weder für das Essen noch für die Getränke, aber es darf angemessen gespendet werden. Zwei Gerichte pro Tag stehen auf dem Programm. Das Chaos auf der aktuellen Baustelle scheint überschaubar. Am gestrigen Freitagnachmittag arbeiteten zirka 20 Helfer im Biergarten und in den Innenräumen der ehemaligen Gaststätte, die ersten Bands sind bereits gebucht. Das Projekt wird von städtischer Seite vom Büro für Popkultur unterstützt.

Federführend: Georg Heber und Ivo Mannheim (v.l.)

„Jean Stein“: offenes Wohnzimmer neben der partyverslumten Maxstraße

Fotos: Siegfried Zagler