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Mittwoch, 20.10.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Stadttheater: Probleme mit Haushalt und Personalrat

Das Augsburger Stadttheater befindet sich in einer angespannten Situation. Es kann keinen ausgeglichenen Wirtschaftsplan vorlegen und Intendantin Juliane Votteler wird vom Personalrat vorgeworfen, dass das Theater unter ihrer Ägide zu einem rechtsfreien Raum geworden sei.

Von Siegfried Zagler

Mitten in der Stadt und nicht verankert: Stadttheater AugsburgGetrübte Stimmung: Stadttheater Augsburg

Nach Informationen der DAZ liegt im aktuellen Wirtschaftsplan des Theaters eine Unterdeckung von knapp einer Million Euro vor. Eine Fehlbetrag, den der kaufmännische Direktor des Stadttheaters, Steffen Rohr, unlängst Richtung Kulturreferat kommunizierte. Der größte Posten (zirka 575.000 Euro) ist der Tariferhöhung im Öffentlichen Dienst geschuldet. Heute sollen aus diesem Grund die kulturpolitischen Sprecher der Stadtratsfraktionen zusammen mit Kulturreferent Peter Grab beraten, wie dieses Defizit abzuwickeln sei. Auf der kommenden Werkausschusssitzung am 23. Juli solle, wie es aus informierten Kreisen hieß, zusammen mit der Theaterleitung beschlossen werden, wie und in welchem Zeitraum der Fehlbetrag bewältigt werden könne.

Offener Brief des Personalrates an Juliane Votteler

Nicht weniger dramatisch als die finanziellen Sorgen des Theaters wurden gestern in einem Offenen Brief des Personalrats des Kulturreferats die innerbetrieblichen Spannungen im Ensemble dargestellt. „Es gibt ein Führungsproblem am Theater.“ So wurde in der Augsburger Allgemeinen vom 6. Juli Michael Egger, Gesamtpersonalratsvorsitzender der Stadt, zitiert. Die Spannungen zwischen Intendantin Votteler und Belegschaft sollen immer stärker werden. „Die Beschäftigten wollen nicht mehr länger so mit sich umspringen lassen“, so Egger. Die Gründe der Spannungen wurden in diesem Artikel nicht näher erläutert. Vage war von hohen künstlerischen Ansprüchen (Votteler) die Rede – und autokratischem Kommunikationsverhalten (Egger) seitens der Intendantin, die offenbar verstärkt auf flexiblere Arbeitszeiten bei den Technikern und somit auf eine andere Arbeitseinstellung pocht.

„Verfahren beim Bayerischen Verwaltungsgericht ist nicht Produkt einer Verstimmung“

In einem gestern veröffentlichten Offenen Brief wird vom Personalrat des Kulturreferats (ku.s Personalrat) Eggers Darstellung gestützt. Die Feststellung, die Stimmung im Haus sei schlecht und die Beschäftigten würden so nicht länger mit sich umspringen lassen, wird in dem Offenen Brief „zustimmend zur Kenntnis genommen“. Außerdem sei Vottelers Interpretation von einer „extrem harmonischen Personalversammlung nicht nachvollziehbar“, wie es in dem Schreiben heißt. Dem Beschluss bezüglich des Verfahrens beim Bayerischen Verwaltungsgericht sei ein langer, zum Teil schmerzlicher Entscheidungsprozess des Personalrates vorausgegangen, weshalb es erschreckend sei, wenn von der Intendantin in der Augsburger Allgemeinen der Eindruck erweckte werde, der Personalrat der Dienststelle 5 sei so verantwortungslos, wegen einer „Verstimmung“ die Beachtung seiner Mitbestimmungsrechte vor dem Bayerischen Verwaltungsgericht einzufordern.

„Offensichtlich muss zum wiederholten Male darauf hingewiesen werden, dass der Personalvertretung vom Gesetzgeber die Aufgabe zugewiesen ist, dafür zu sorgen, dass die zugunsten der Beschäftigten geltenden Tarifverträge, Dienstvereinbarungen usw. durchgeführt werden.“ Der von Votteler in der Augsburger Allgemeinen getroffenen Aussage, dass das Theater keine Behörde sei, stimmen die elf Unterzeichner aus dem Personalrat des Kulturreferats „uneingeschränkt“ zu. „Das kann aber auf der anderen Seite nicht bedeuten, dass das Theater losgelöst von Tarifverträgen zum rechtsfreien Raum wird.“ Juliane Votteler war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.