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Montag, 29.11.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Stadtplan für barrierefreie Mobilität geht online

Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, haben im Alltag oft mit Barrieren zu kämpfen. „Barrieren abbauen“, lautet deshalb eine zentrale Forderung des Behindertenbeirates. In Augsburg steht dazu ab sofort ein einzigartiges Hilfsmittel zur Verfügung: der „Stadtplan für barrierefreie Mobilität“, ein brandneues Internet-Kartenwerk.

„Das Werk ist unbezahlbar“, so Prof. Dr. Gerd Peyke von der Universität Augsburg, dessen Lehrstuhl für Humangeographie und Geoinformatik maßgeblich an der Erstellung beteiligt war. Unbezahlbar deshalb, weil die Erstellung nur durch die kostenlose Mitarbeit zahlreicher Studenten über einen Zeitraum von mehreren Semestern möglich war, und weil der Plan Neuland ist: „So etwas gibt es bisher noch nicht“. Trotz der vielen Arbeit, die in die Entwicklung investiert wurde, konnte aber bisher nur der Bereich der historischen Innenstadt und westlich davon bis zum Bahnhof erfasst werden.

Das Kartenwerk sieht auf den ersten Blick wie ein normaler Stadtplan aus, die Unterschiede liegen im Detail. Für Behinderte sieht die Umwelt nämlich ganz anders aus: „Jeder sieht den Raum auf seine Weise“, so Gerd Peyke, „wir haben im Rahmen des Projekts ganz neue Sichtweisen auf die Welt bekommen“. Behinderte hätten andere, spezielle „Points of Interest“ wie Parkplätze, WCs, Bordsteinabsenkungen oder besondere Gebäudezugänge.

Ernst-Reuter-Platz auf dem Stadtplan für barrierefreie Mobilität

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„Das Projekt muss leben wie die Wikipedia“

Diese speziellen „Points of Interest“ machen das Kartenwerk, das wesentlich feiner als ein normaler Stadtplan auflöst, aus, wie Diplom-Geograph Wolfgang Schuster erläutert. Die Karte enthalte einerseits unterstützende Objekte wie Bordsteinabsenkungen, WCs oder Ruhebänke, aber auch Symbole für Barrieren wie Engstellen, Stufen, starke Gehwegneigungen und schlechte Bodenbeläge. Ein gedruckter Plan könnte eine solche Informationsfülle nicht bewältigen; er wäre einfach überladen. Beim Internet-Kartenwerk können dagegen Symbolgruppen beliebig ein- und ausgeblendet werden. Auch die Nutzung mit mobilen Endgeräten funktioniert prinzipiell schon, wird aber noch verbessert, verspricht Schuster.

Langfristig ist das Gemeinschaftsprojekt des Behindertenbeirats, des Amts für Soziale Leistungen, des Stadtvermessungsamts und der Uni Augsburg als Mitmachprojekt angelegt. „Es muss weiterleben ähnlich wie die Wikipedia oder OpenStreetMap“, so Professor Peyke, der auf die interaktive Mitarbeit der Kartennutzer setzt. Mit bezahlten Arbeitskräften wäre die Datenpflege, Fortführung und Erweiterung nicht zu leisten. Ähnlich sieht das Wolfgang Leichs, Leiter des Amts für Soziale Leistungen: „Der Stadtplan für barrierefreie Mobilität ist keine Behörden-Dienstleistung, sondern ein Mitmachangebot an die Bürger, ein Fall für bürgerschaftliches Engagement“. Das funktioniere in Augsburg auch in anderen Lebensbereichen bestens, so Leichs optimistisch.

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