DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Montag, 02.08.2021 - Jahrgang 13 - www.daz-augsburg.de

Sonderaufführung von “Mein Deudshland” im Liliom

„Mein Deudshland“ ist ein Film mit Betroffenheitsgarantie. Ein klassischer Film für kleine Festivals und ein themenorientiertes Publikum, weshalb es nicht weiter verwundert, dass die Augsburger Grünen am morgigen Freitag (20 Uhr) eine Sondervorführung im Liliom organisierten.

Szenenfoto mit Suzan Demircan und Njamy Sitson als Jack und Fesal

Nach der Vorführung findet eine Diskussion mit dem Publikum „über den menschenwürdigen Umgang mit Flüchtlingen und Asylbewerbern in Europa und Deutschland statt“, wie es in einer Presseerklärung der Grünen heißt. Als prominenteste Teilnehmerin ist die Grüne Bundestagsabgeordnete Claudia Roth angekündigt.

„Fesal, ein junger, lebensfroher Kameruner kommt nach Deutschland und beginnt sofort mit Elan, an seiner Zukunft zu arbeiten. Er lernt schnell Deutsch und trifft Jack, eine Tochter türkischer Einwanderer, die ihm eine Arbeitsstelle vermittelt. Doch bald kommen auch die Probleme. Fesal sieht sich konfrontiert mit Ausländerfeindlichkeit, unfreundlichen Beamten und unverständlichen Gesetzen. Sein Asylantrag scheitert, er steht vor der Abschiebung und wird des Diebstahls beschuldigt.

Der Film ist nah dran an der Realität, das bestätigt auch ein ehemaliger Asylbewerber. Erfundene Elemente kommen nicht vor. Vielmehr hat Martin Pfeil im Drehbuch authentische Erlebnisse vieler Migranten zu einem Stoff verwoben, Erlebnisse, von denen er durch den persönlichen Kontakt erfahren hat, den er zu Asylanten und Flüchtlingsorganisationen pflegt.

Doch wegen dieser Fülle an Themen, die er verarbeiten will, gerät der Film zu einer Art Rundumschlag gegen das Schlechte in der Welt. Denn es wird zu vieles angeknabbert. Nicht genug, dass Fesal mit deutschem Ordnungssinn, Behördendeutsch, Rassismus und seiner Vergangenheit zu kämpfen hat. Nicht genug, dass die Frau, die er kennenlernt, aus der Türkei stammt und gegen Zwangsheirat und Kopftuchpflicht ins Feld ziehen muss. Nebenbei informiert der Film über die weitreichenden Folgen der EU-Agrarsubventionspolitik, lässt einen Asylberater mit seinen Anliegen zu Wort kommen und zeigt Zeitungsartikel zum Thema Ausländerfeindlichkeit.

All diese Punkte sind für die Thematik wichtig und es wird klar, dass sich Martin Pfeil mit der Materie befasst hat. Doch was der Film dadurch an Breite gewinnt, das verliert er an Tiefe. So viele harte Fakten wären in einer Dokumentation besser aufgehoben. Der Spielfilm aber, mit seiner durchaus erzählenswerten Geschichte, mit seinen schön arrangierten Szenen und dem starken Hauptdarsteller Njamy Sitson, der mit viel Ausstrahlung eine große Leichtigkeit und Lebenslust verkörpert, gerät so in die Nähe einer Pseudo-Doku, zu einem Spielfilm, der Dokumentation sein will.

Dies nimmt das Publikum jedoch nicht übel, sondern leidet mit Fesal und freut sich, dass der Regisseur Augsburg zum Schauplatz seiner Geschichte gemacht hat. Und wenn nur eine Handvoll davon jetzt beginnen, sich mit der Realität von Asylanten auseinanderzusetzen, ist ja schon viel gewonnen“. So Dominik Sandler in der DAZ zur Premiere des Films im Oktober 2010.

„Mein Deudshland“

Deutschland 2010 – Regie: Martin Pfeil

Darsteller: Suzan Demircan, Ronald Hansch, Njamy Sitson, Thomas Hinrich, Jennifer Mulinde-Schmid, Roland Trescher

Länge: 85 min.