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Dienstag, 07.04.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Lokalpolitik

Freie Theater mit konkreten Forderungen: Ein neues Papier stellt differenzierte Wünsche vor

Die Freien Theater Augsburgs haben ihre Forderungen nach höheren Zuschüssen aus dem städtischen Kulturetat konkretisiert. In einem vierseitigen, übersichtlich gegliederten und differenzierten Papier wendet sich die Gruppe erneut an Politik und Öffentlichkeit.

Von Frank Heindl

Als Anlass für ihr nachdrückliches Insistieren auf eine veränderte Wahrnehmung in der Politik gibt die Gruppe an, die momentane Diskussion über Bürgerbeteiligung und Theater Augsburg sei stark auf das Theater Augsburg verengt. Eine eigene Interessensartikulation sei „längst überfällig“, denn „erst mit den freien Theatern“ werde die Augsburger Theaterlandschaft komplett. Man wolle keinesfalls über die Theatersanierung sprechen, betonen die Verfasser – alle freien Theater hätten sich eindeutig für diese Sanierung ausgesprochen. Über die finanzielle Situation der Freien müsse trotzdem gesprochen werden. Noch einmal erwähnt das Papier die bekannten Zahlen (DAZ berichtete): Mit 16.570.000 € unterstützt die Stadt derzeit jährlich ihre Theater. 16 Millionen Euro entfallen dabei auf das Stadttheater, 335.000 € auf die Puppenkiste und 235.000 € auf die gesamten freien Theater. Zu diesen rechnen die Verfasser die Ensembles bluespots productions, Clowness, Das Märchenzelt, FaksTheater, Junges Theater, Klexs-Theater, Moussong Theater, Sensemble Theater, Theaterwerkstatt, Fritz und Freunde, theater.interkultur, und das theter ensemble.

Das Theater Augsburg erreiche jährlich 240.000 Zuschauer, die Puppenkiste 65.000, die freien Theater 160.000. Das Papier der Freien macht sich auch Gedanken über die Förderungswürdigkeit seiner kulturellen Sparte und bezieht sich dabei explizit auf die Zukunftsleitlinien der Stadt Augsburg. Darin werden recht allgemein als Ziele formuliert: Freiheit von Kunst, Kultur und Wissenschaft achten und ermöglichen, Kunst, Kultur und Geschichte Raum geben, Kulturinstitutionen vorhalten, Identität stiften und kritisches Denken fördern. Speziell ist städtische Förderung auch deshalb wichtig, weil viele Zuschüsse von Bezirk, Freistaat und Bund an die Bedingung geknüpft sind, dass es bereits eine Basisförderung der Kommune gibt.

Zudem wird aber auch ein Zusammenwirken von Stadttheater und Freien gesehen – Kultur und Stadt, so die Freien, „ergänzen sich gegenseitig. Und eine „besondere Schlüsselrolle“ für die kleinen Theater sehen sie in der Aufgabe, das Publikum „an die Theater heranzuführen.“ So brächten gerade die Kindertheater das junge Publikum erstmals mit dem Theater in Berührung. Außerdem sei bei den freien Theatern die Hemmschwelle niedriger – so kämen „BürgerInnen jeder Schicht, jeden Alters und jeder kultureller Couleur“ in Kontakt mit Theater. Dies auch deshalb, so ein weiterer Punkt des Papiers, weil die freien Theater mit ihren Inszenierungen direkt vor Ort seien: „Egal, ob in den Schulen, den Kindergärten, auf Plätzen, in eigenen Häusern in den Stadtteilen und an anderen besonderen Orten, die die BürgerInnen gerne besuchen.“ In den letzten beiden Abschnitten des Papiers der „Freien“ mündet die Argumentation in konkrete Forderungen.

Die „Augsburger freie Theaterlandschaft“: von links nach rechts Sebastian Seidl (Sensemble), Volker Stöhr (Junges Theater), Sven Moussong, (Moussong Theater); Matthias Klösl (Theaterwerkstatt), Susanne Reng (Junges Theater), Matthias Fischer (Märchenzelt), Lisa Bühler (bluespost productions), Eric Leif Young (theter ensemble), Ferdi Degirmencioglu (Theater interkultur), Gaby Beyer (Klextheater), Leonie Pichler (bluespot productions), Karla Andrä (Fakstheater) und Josef Holzhauser (Fakstheater). Auf dem Foto nicht vertreten: das Theater Fritz & Freunde (Foto: „Die Freien Theater Augsburgs“).

Die „Augsburger freie Theaterlandschaft“: von links nach rechts Sebastian Seidl (Sensemble), Volker Stöhr (Junges Theater), Sven Moussong, (Moussong Theater); Matthias Klösl (Theaterwerkstatt), Susanne https://mail.google.com/mail/u/0/#inboxReng (Junges Theater), Matthias Fischer (Märchenzelt), Lisa Bühler (bluespost productions), Eric Leif Young (theter ensemble), Ferdi Degirmencioglu (Theater interkultur), Gaby Beyer (Klextheater), Leonie Pichler (bluespot productions), Karla Andrä (Fakstheater) und Josef Holzhauser (Fakstheater). Auf dem Foto nicht vertreten: das Theater Fritz & Freunde (Foto: „Die Freien Theater Augsburgs“).


Zunächst wird ein ins Auge springendes Missverhältnis nochmals in Erinnerung gerufen: „Alle freien Theater mit 160.000 Zuschauern im Jahr bekommen nur 235.000 Euro Förderung. Der gesamte Etat aller freien Theater zusammen beträgt also nur 1,5 % des Etats des Theaters Augsburg und 0,9 % des gesamten Kulturetats.“ Als Beispiel dient den Verfassern die Situation der freien Theater im Kinder-und Jugendtheaterzentrum Abraxas: Die dortigen fünf Theater bekommen seit vielen Jahren zusammen knapp 5000 € pro Jahr von der Stadt. Dieser Betrag sei noch nie erhöht, aber 2003 sogar gekürzt worden.

Vier Prozent – das ist die „magische Zahl“, in der die Forderungen der freien Theater gipfeln: Vier Prozent dessen, was das Theater Augsburg bekommtnm, möchten sie zukünftig abbekommen. Das wären – eigentlich bescheidene – 400.000 Euro mehr pro Jahr, in der Summe 640.000 Euro, die regelmäßig der Inflation angepasst werden sollten. Vom gesamten städtischen Kulturetat wären das knapp zweieinhalb Prozent. Auch über eine mögliche Struktur der Förderung lassen sich die Verfasser aus. Sie definieren zunächst vier Säulen der freien Theater: Zwei Theater mit festen Haus (Sensemble und Junges Theater), dazu die Kinder- und Jugendtheater im „abraxas“ und schließlich die Theater mit regelmäßigen Auftritten in Augsburg (wie etwa bluespots und Theaterwerkstatt) sowie Einzelprojekte. Die freie Szenen hat sich offenbar auch schon geeinigt, wie die erhofften Zuschüsse zu verteilen wären – die Beträge reichen von 12.000 € etwa für das „theter ensemble“ bis zum Löwenanteil von 200.000 € für das Junge Theater. Am Ende bleibt sogar ein „Offener Topf“ für Einzelprojekte.

Als Fazit ihre Schreiben fassen die Verfasser zusammen, eine „stark wachsende Stadt“ wie Augsburg mit Ambitionen zur Metropole brauche kulturelle Vielfalt. Augsburg könne mit verhältnismäßig geringen Mitteln viel Theater bekommen, um dieser Aufgabe gerecht zu werden. Andererseits seien die Freien Theater auf Hilfe angewiesen: „Wir brauchen die Stadt Augsburg, um zu überleben und eine Chance auf Grundförderung im Förderdschungel Bayern, bundesweit und europäisch zu erhalten.“

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