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Ein schräger Spaß: Kitsch am Kö mit dem Theter Ensemble

Das Theter Ensemble in Augsburg macht immer wieder mit außer­gewöhn­lichen Ideen von sich reden. Derzeit ist es zusammen mit dem Sänger und Performer Roman Singh im City Club mit dem Programm „Kitsch am Kö“ zu sehen.

Von Halrun Reinholz

Foto: Max Sauffler

Was verbindet die jungen Leute, die da auf der Bühne stehen und eine fiktive Probe zu einer „Mini Playback Show“ insze­nieren? Sie haben alle Lust zu spielen, zu singen und künst­lerisch Quatsch zu machen. Schon zum dritten Mal hat das Theter-Ensemble „Kitsch am Kö“ im Programm. Anhand eines roten Fadens haben Einzelne dabei Gelegen­heit, Stücke aus ihrem Reper­toire zu prä­sen­tieren. Und das alles natürlich nicht ohne Komik und Selbstironie.

Der rote Faden ist eine vermeintliche „Casting-Show“, die mit Hilfe einer neu ange­schafften KI die Stars Ausschau hält. Roman Singh, der als „Jean-Marie Brühl“ den coolen Show­master mimt, und Annalisa Juliana (AJ) Hartz vom Theter-Ensemble haben sich den Plot ausgedacht. Letztere hält als politisch korrekte, aus­glei­chende und überhaupt umsichtige Assi­stentin „Charly“ die Fäden der Casting-Show in der Hand. Eine schwierige Aufgabe, über deren Abgründe sie gegen Ende der Show entnervt aus dem Näh­kästchen plaudert. Eine große Hilfe bei der Star-Findung ist die Modera­torin „Heike Duplikado“ (Daniela Houter), die eigentlich „beim Norma“ an der Kasse sitzt, aber zu Höherem berufen ist und im besten Augsch­burgerisch ihre unge­schminkte Meinung zu der einen oder anderen Dar­bietung kundtut. So nebenbei findet sie auch ihren Traummann, den Haus­meister „Siggi“ (Julius Kühmstedt), der nur ihretwegen zum Norma geht und sich schließ­lich als tapferer Held dem Kampf mit der KI stellt.

Dazwischen darf sich das Publikum nach dem bewährten Rezept des „Kitsch am Kö“-Formats zwischen schüch­ternen Liebes­paaren, Exzen­trikern, Möchtegern-Stars und dem Monolog einer halb ausge­trock­neten Meerjungfrau über Pop-Nummern aus den 90ern und aus­drucks­volle Musical-Stücke freuen, die von den ver­meint­lichen Kandi­daten mit Schmelz und Herz­schmerz entlang des roten Fadens (die Drama­turgie stammt von der „Meer­jungfrau“ Iris Schmidt) in beacht­licher Qualität dargeboten werden. Die künst­lerische Leitung teilen sich Roman Singh und der eigentlich als Kirchen­musiker und Organist ausge­bildete Tyron Kretzschmar, dem der Ausflug in die Musical-Welt sichtlich Spaß macht. Er sorgt für die musi­kalische Begleitung am Klavier und zwischen­durch auch mit dem Akkordeon. Am Anfang und am Ende der Show gibt es, wie es sich für ein Musical gehört, jeweils Ensemble-Auftritte, wo auch die tänze­rischen Fähig­keiten der gesamten Gruppe zur Geltung kommen.

Ein schräger Spaß, auf den man sich trotz der Sommer­hitze gerne einlässt. Damit hat das Theter-Ensemble auch diesmal wieder bewiesen, wie locker sich quali­tät­volle Bühnen­kultur mit lockerem Club­ambiente verbinden lässt. „Kitsch am Kö“ ist im City Club noch zweimal am 15. und 16. Juli zu sehen. Info und Tickets unter www.theter.de.