DAZ - Unabhängige Internetzeitung für Politik und Kultur
Freitag, 16.10.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Kultur

Staatstheater: Zauberflöte – nicht nur bezaubernd schön

Eine Zauberflöte zu inszenieren, stellt angesichts der Bekanntheit dieser Oper jeden Regisseur vor eine Herausforderung. Und erst recht eine Regisseurin, wie aktuell im Staatstheater Augsburg. Andrea Schwalbach lässt die Puppen tanzen und holt die Oper mit Augenzwinkern zurück ins Volkstheater.

Zauberflöte im Martinipark © Jan-Pieter Fuhr

Die Frauen kommen im Libretto der Zauberflöte aus unserem heutigen Verständnis nicht gut weg: Eine hysterische Königin der Nacht, die nicht einsieht, dass ihr Kind bei dem weisen Sarastro besser aufgehoben ist als bei ihr. Eine Pamina, die sich dem Prinzen Tamino unreflektiert an den Hals wirft und ihm blind vertraut, drei sich angiftende Damen, die bei dem Prinzen mit ihren Reizen wetteifern – und dann noch Papagena, deren Sinn nach nichts anderem als häuslichem Kindersegen steht. Andrea Schwalbach macht dennoch nicht den Fehler, die Oper feministisch umzuschreiben, aber sie verleiht ihr eine weibliche Sichtweise. 

Die drei Damen, schon während der Ouvertüre auf der Bühne, sind viel aktiver als im Libretto vorgesehen. Sie dienen der Königin, weil sie wissen, dass diese nur noch eine Marionette Sarastros ist. Deshalb entwickeln sie Eigeninitiative und „stricken“ (trotz aller Divergenzen und Rivalitäten) an einem Plan, Pamina aus den Fängen Sarastros zurückzuholen. Tamino wird an einer Angel an Land gezogen, er ist Teil des Plans. 

Weiblich ist aber auch die Sicht auf Sarastro und seine Tempelherren, die ohne falschen Respekt als Macho-Club dargestellt werden. Sarastro zieht die Fäden und schaut sich das Geschehen wie ein „Big Brother“ auf den Puppenbühnen des „Teatro Sarastro“ an. Tamino, der sich ohne Zögern von den Damen und dem Bildnis Paminas (in diesem Fall kein Bildnis, sondern eine Art Kristallkugel) für die Mission einspannen lässt, wird Teil des Systems und lässt sich auf Aufgaben ein, deren Hintergründe er nicht kennt. Das ist auch im originalen Libretto so, wird aber durch die „Weisheit“ des Systems  erklärt, das sich am Ende nur den Wissenden erschließt. Andrea Schwalbach hinterfragt den weihevollen Club, indem sie Sarastro als Schausteller darstellt, umgeben von Komödianten (und übrigens auch Komödiantinnen), dadurch verliert nicht nur Sarastro, sondern auch der Prinz einiges von seinem Glanz. Er bleibt letztlich ein Opportunist, der sozialen Aufstieg und Pamina glücklich verbinden kann.

All das wird von der Regisseurin nicht mit einem aufdringlichen feministischen Zeigefinger demontiert, sondern mit spöttischem Augenzwinkern in der Tradition des Volkstheaters, dem Mozart sich bei der Komposition der Zauberflöte ja auch verpflichtet fühlte. Das Komödiantische beschränkt sich daher nicht nur auf die derbe Einfalt des Papageno und seiner Papagena, sondern zeigt sich auch in der vermeintlich besseren Gesellschaft Sarastros und der entmachteten Königin. 

Keine neue, aber durchaus eine frische Sichtweise, die vom Bühnenbild und den Kostümen von Anne Neuser kongenial unterstrichen wird. Auch mit den Dialogen geht die Regisseurin kreativ um: Einerseits kürzt sie sie radikal und reduziert damit die Spielzeit auf knapp drei Stunden, andererseits lässt sie die Sänger einzelne Passagen in ihren jeweiligen Muttersprachen sprechen.  

In der Pause war ein wenig Gemurmel zur Regie zu vernehmen, weshalb für die frenetische Zuschauerreaktion am Schluss wohl die musikalische Ausführung entscheidend war, die unter der Leitung von Lancelot Fuhry im ersten Teil fast zu temporeich daherkam: Taminos Bildnis-Arie hätte ein bisschen mehr Innehalten verdient. Doch im zweiten Teil hatte sich das eingespielt. Die Besetzung ist eine Parade des mittlerweile gut aufgestellten Staatstheater-Ensembles, wobei vor allem die weiblichen Darstellerinnen brillierten: die noch sehr junge Olena Sloia als Königin der Nacht, Jihyun Cecilia Lee als Pamina, die drei Damen Sally du Randt, Natalia Boeva und Kate Allen und nicht zuletzt Sandra Schütt als Papagena. Bei den Männern war Wiard Witholt als Papageno eine auch darstellerisch überzeugende Erscheinung. Imposant zeigten sich Guido Jentjens als Sarastro, ebenso wie Wiard Withold als Monostatos  und Roman Poboinyi als Tamino. Müßig zu erwähnen, dass die drei (Domsing-)Knaben (Premierenbesetzung Samuel Winckhler, Moritz Blank und Jack Crosby) von Reinhard Kammler stimmlich bestens präpariert waren und im übrigen auch die darstellerische Herausforderung als Marionetten an Fäden bravourös meisterten. —- Halrun Reinholz

gesamten Beitrag lesen »



Thema der Kunst-Stunde im Maximilianmuseum: Venedig

Mit ihrer Kunst-Stunde, die einmal im Vierteljahr stattfindet, knüpft das Maximilianmuseum an eine alte Tradition an Vor mehr als 250 Jahren, als das Museum noch Evangelisches Armenkinderhaus war, traf man sich regelmäßig im Festsaal des Hauses zur Andacht. Diese wurde „die Stunde“ genannt. Heutzutage sind es kunsthistorische Betrachtungen zu einem Thema, das in engem Zusammenhang […]

gesamten Beitrag lesen »



Die europäische Dimension des Holocaust: Vortrag über die Judenverfolgung im faschistischen Italien

„Vom Schutz jüdischer Bürger in den italienisch besetzten Gebieten bis zur Verhaftung der Juden in Italien (1943 – 1945)“, so lautet der Titel des fünften Teils der Vortragsreihe zur europäischen Dimension des Holocaust, die das Jüdische Kulturmuseum Augsburg-Schwaben seit Jahresbeginn in Kooperation mit dem Bukowina Institut an der Universität Augsburg und dem Instititut für Zeitgeschichte München-Berlin veranstaltet. […]

gesamten Beitrag lesen »



Jazzclub Augsburg für „herausragendes Programm“ ausgezeichnet

Der „Jazzclub Augsburg“ ist ein Juwel in Bayerns Jazz-Landschaft – Nun ist er für sein Programm mit einem 20.000-Euro-Scheck gewürdigt worden „Applaus“ heißt der Bundesmusikpreis für die „Auszeichnung der Programmplanung unabhängiger Spielstätten“, die Clubbetreiber und Veranstalter für ihre herausragenden Livemusikprogramme aus allen Genres der Popularmusik – von Rock, HipHop über Elektro und Jazz bis zu […]

gesamten Beitrag lesen »



Moses fotografiert Peggy Guggenheim: Eine fotografische Erzählung in Farbe im H2

„Stefan Moses – Peggy Guggenheim. Begegnungen“, so die Headline einer Ausstellung im  H2 – Zentrum für Gegenwartskunst im Augsburger Glaspalast Im April 1969 trifft Stefan Moses Peggy Guggenheim zum ersten Mal. Gemeinsam mit dem Autor Uli Weyland besucht er sie in Venedig in ihrem privaten Domizil, dem Palazzo Venier dei Leoni am Canal Grande. Ein […]

gesamten Beitrag lesen »



Erstes Sinfoniekonzert: Bruckners Testament

Das Philharmonische Orchester des Staatstheater Augsburg erhält zum Auftakt überschwänglichen Applaus Das erste Sinfoniekonzert der neuen Spielzeit hatte etwas Feierliches: Ein außergewöhnliches Programm, das allein Bruckner gewidmet war. Die Neunte Sinfonie, nicht besonders oft aufgeführt, weil dafür ein gewisser Aufwand nötig ist und das Orchester – auch in Augsburg –  kräftig aufgestockt werden muss. Und […]

gesamten Beitrag lesen »



Fachgespräch zum Gutachten bezüglich der Baumfällungen am Herrenbach

Bezüglich der umstrittenen Baumfällungen am Herrenbach beantworten Experten Fragen der Bürger Im Nachgang zur öffentlichen Präsentation des externen Gutachtens Herrenbach im Oktober lädt Umweltreferent Reiner Erben alle interessierten Bürgerinnen und Bürger dazu ein, im Rahmen eines Fachgesprächs ihre Fragen zu dem Gutachten zu stellen. – Aufgabe des Gutachtens war, den Erdkörper zu ermitteln, der für die […]

gesamten Beitrag lesen »



70. Große Schwäbische Kunstausstellung

Wegen Aufbauarbeiten bleibt Barockgalerie mehrere Tage geschlossen Für den Aufbau der 70. Großen Schwäbischen Kunstausstellung bleibt die Deutsche Barockgalerie im ersten Stock des Schaezlerpalais vom 19. bis einschließlich 29. November geschlossen. Der Festsaal, die Sammlung Haberstock und die Ausstellung „Im Schatten der Medici – Barocke Kunst aus Florenz“ sind weiterhin zugänglich. Der Eintritt ist während dieser […]

gesamten Beitrag lesen »



Platz für Neues: Vernetzungskongress

Am kommenden Wochenende findet im TIM ein „Vernetzungskongress“ statt Gastbeitrag von Projektleiter Jürgen Kannler Vor einem Jahr diskutierten wir in der a3kultur-Redaktion, wie wir den gegenwärtig in Augsburg laufenden Bürgerbeteiligungsprozess zur städtischen Museumslandschaft begleiten könnten. Nach Rücksprache mit Kulturarbeiter*innen des BBK, der Kunstsammlungen und Museen Augsburg, des Kulturreferats, von Galerien und aus den freien Szenen […]

gesamten Beitrag lesen »



„Mio, mein Mio“ im Theater: Das Gute siegt immer

Wie immer um diese Jahreszeit hatte das Kinderstück Premiere, das in den nächsten Monaten von Heerscharen von Kindern in zahlreichen Schülervorstellungen besucht werden kann. Der einschlägig erfahrene Regisseur Joachim von Burchard brachte den Kinderbuchklassiker von Astrid Lindgren „Mio, mein Mio“ auf die Bühne des Martiniparks. Von Halrun Reinholz Astrid Lindgren hat das Buch im Jahr […]

gesamten Beitrag lesen »