Oberbürgermeister Kurt Gribl liegt seit heute Nachmittag ein Schreiben der Sanierungskritiker vor, in dem sie die Stadt auffordern, das Theater für die kommende Spielzeit wieder zu öffnen.
Grundlage dieser Forderung ist eine gutachterliche Bewertung von Dipl.-Ing. Wolfgang Rösener, dessen Reputation unbestritten ist. Rösener setzt sich mit den Fakten auseinander, die dem Bauordnungsamt als Begründung zur Schließung dienten. Im Rahmen seiner eigenen Beurteilung legt Rösener dar, dass mit einfachen Sofort-Maßnahmen ein in brandschutztechnischer Hinsicht befriedigender Zustand für das Große Haus erzielt hätte werden können. Alle von ihm „beschriebenen Maßnahmen können in relativ kurzer Zeit (maximal 2-3 Monate) und mit geringem Kostenaufwand im unteren 5-stelligen Bereich realisiert werden“, wie es in dem Schreiben der Sanierungskritiker heißt.
Im Rahmen seiner Schlussbemerkung hebt der Sachverständige die „enorme Kostenersparnis“ für die Steuerzahler bei Umsetzung der beschriebenen Maßnahme hervor, insbesondere durch den Wegfall der ansonsten erforderlichen zusätzlichen Interimsspielstätten. Zugleich empfiehlt er, seine Beurteilung „durch einen neutralen Prüfsachverständigen für Brandschutz prüfen zu lassen“. Diesem Fazit schließen sich die Sanierungskritiker an.
„Eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs erspart nicht nur den mehrstelligen Millionenaufwand für den bislang unkoordinierten und wirklich nicht besucherfreundlichen Interimsspielbetrieb, sondern schafft den Zeitraum, alternative Planungsvarianten anzugehen und dem Projekt Sanierung des Theaters Augsburg eine sichere Zukunft zu gewährleisten“, so die Sanierungskritiker in ihrem Schreiben an Oberbürgermeister Kurt Gribl.
Augsburgs Oberbürgermeister äußerte sich vor wenigen Tagen in einem noch nicht veröffentlichten DAZ-Interview auf die Frage, ob denn die Schließung tatsächlich notwendig gewesen sei, sehr entschieden: Wer sage, dass man so hätte weiterspielen können, sei nicht ernstzunehmen. „Das wäre völlig verantwortungslos“, so Kurt Gribl vor dem Bekanntwerden des Rösener-Gutachtens. Die Stadt wollte sich gestern noch nicht inhaltlich äußern, sondern erklärte der Augsburger Allgemeinen, dass die Schließung des Theaters „ausschließlich aufgrund fachlicher Einschätzung, u.a. des Amts für Brand- und Katastrophenschutz, und mit Blick auf die Sicherheit des Publikums und der Theatermitarbeiter veranlasst“ worden sei. Das Rösener-Gutachten werde nun „einer detaillierten und seriösen Prüfung unterzogen“. Anschließend werde eine Stellungnahme der Stadt erfolgen.
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