Japanische Kunst im Grafischen Kabinett: „Ukiyo. Japans fließende Welt“
Das Grafische Kabinett der Kunstsammlungen Augsburg zeigt vom 17. April bis 19. Juli 2026 die Ausstellung „Ukiyo. Japans fließende Welt in Farbholzschnitten und Netsuke“. Zur Vernissage am Donnerstag, 16. April, um 18 Uhr im Schaezlerpalais sind alle Interessierten herzlich eingeladen.
Von Bruno Stubenrauch
Die Schau präsentiert zwei Bestandskomplexe japanischer Kunst aus den eigenen Sammlungen: ein Konvolut sogenannter Ukiyo-e (Mehrfarbholzschnitte) – dessen Stifter unbekannt ist – sowie eine Kollektion von 26 kunstvollen Netsuke (Gürtel-Anhänger und Glücksbringer). Die Netsuke-Sammlung geht auf Horst und Marlies Weinold zurück; Marlies Weinold schenkte sie 2015 den Kunstsammlungen.
Einblicke in die Zeit der abgeschotteten Herrschaft
Die ausgestellten Stücke werfen Schlaglichter auf die Epoche der Tokugawa-Herrschaft (1603–1867), als Japan seine Grenzen weitgehend gegen europäische Einflüsse abgeschottet hatte. Während die Farbholzschnitte Einblick in Alltag und Freizeitvergnügen geben – vor allem in das populäre Kabuki-Theater –, lässt sich durch die Motivik der Netsuke Grundlegendes über Literatur, Volksglauben und gesellschaftliche Gruppenzugehörigkeiten erfahren. Die pointierte Stilistik dieser Werke unterscheidet sich grundlegend von europäischen Kunsttraditionen.
Ukiyo-e: Bilder aus der fließenden Welt

Tôshûsai Sharaku, Der Schauspieler Otani Oniji als Diener Edobei – Bild: Kunstsammlungen & Museen Augsburg
Die Bezeichnung „Ukiyo-e“ bedeutet übersetzt „Bilder aus der fließenden Welt“. Es handelt sich überwiegend um Farbholzschnitte, die vor allem in den Großstädten Edo (heutiges Tokio) und Osaka produziert wurden. Oft als Massenerzeugnisse konzipiert, richteten sie sich an ein bürgerliches Publikum. Ihre Motive entstammten der Alltagswelt: berühmte Schauspieler, Kurtisanen, erotische Szenen, aber auch Stadtansichten, Landschaften (etwa des Berges Fuji) sowie Tiere und Pflanzen. Anders als die offizielle Malerei des Shōgunats bedienten sich die Ukiyo-e einer leichteren, zugänglichen Bildsprache.
Netsuke: Accessoires der Herrenkleidung

Glücksgott Fukurokuju mit Teufelsmaske (Hannya) – Bild: Kunstsammlungen & Museen Augsburg
Netsuke („Aufhänger aus Wurzelholz“) dienten seit dem 15. Jahrhundert als Gegengewicht für kleine Behältnisse, die am Gürtel (Obi) befestigt wurden – da die traditionellen Kimonos keine Taschen hatten. Geschnitzt aus Holz, Elfenbein oder Hirschhorn, wurden sie im 19. Jahrhundert besonders populär. Für die wohlhabende städtische Bürgerschicht wurden sie zum Statussymbol. Die in der Ausstellung gezeigten Netsuke stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert und sind überwiegend aus Elfenbein, teils aus Holz gefertigt.
Begleitprogramm mit Führungen
Zur Ausstellung werden regelmäßige Turnusführungen angeboten (sonntags, 16 Uhr, max. 15 Teilnehmer, Anmeldung an der Kasse des Schaezlerpalais). Zusätzlich gibt es drei Sonderführungen mit Einblick in die Holzschnitt-Technik, geleitet von Dr. Gregor Nagler (kostenfrei, ebenfalls mit Anmeldung):
· Samstag, 9. Mai, 11–12:30 Uhr
· Samstag, 13. Juni, 11–12:30 Uhr
· Samstag, 11. Juli, 11–12:30 Uhr
Weitere Informationen: www.kmaugsburg.de/ukiyo
Die Ausstellung auf einen Blick
- Titel: Ukiyo. Japans fließende Welt in Farbholzschnitten und Netsuke
- Laufzeit: 17. April – 19. Juli 2026
- Ort: Grafisches Kabinett (Schaezlerpalais)
- Vernissage: Donnerstag, 16. April 2026, 18 Uhr im Schaezlerpalais