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Dienstag, 14.04.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Japanische Kunst im Grafischen Kabinett: „Ukiyo. Japans fließende Welt“

Das Grafische Kabinett der Kunst­sammlungen Augsburg zeigt vom 17. April bis 19. Juli 2026 die Ausstellung „Ukiyo. Japans fließende Welt in Farb­holzschnitten und Netsuke“. Zur Ver­nissage am Donners­tag, 16. April, um 18 Uhr im Schaezler­palais sind alle Inter­es­sierten herzlich eingeladen.

Von Bruno Stubenrauch

Die Schau präsentiert zwei Bestands­komplexe japanischer Kunst aus den eigenen Sammlungen: ein Konvolut sogenannter Ukiyo-e (Mehr­farb­holz­schnitte) – dessen Stifter unbekannt ist – sowie eine Kollektion von 26 kunst­vollen Netsuke (Gürtel-Anhänger und Glücks­bringer). Die Netsuke-Sammlung geht auf Horst und Marlies Weinold zurück; Marlies Weinold schenkte sie 2015 den Kunstsammlungen.

Einblicke in die Zeit der abgeschotteten Herrschaft

Die ausgestellten Stücke werfen Schlaglichter auf die Epoche der Tokugawa-Herrschaft (1603–1867), als Japan seine Grenzen weitgehend gegen europäische Einflüsse abge­schottet hatte. Während die Farb­holz­schnitte Einblick in Alltag und Frei­zeit­vergnügen geben – vor allem in das populäre Kabuki-Theater –, lässt sich durch die Motivik der Netsuke Grund­legendes über Literatur, Volksglauben und gesell­schaft­liche Gruppen­zuge­hörig­keiten erfahren. Die pointierte Stilistik dieser Werke unter­scheidet sich grundlegend von euro­päischen Kunst­traditionen.

Ukiyo-e: Bilder aus der fließenden Welt

Tôshûsai Sharaku, Der Schauspieler Otani Oniji als Diener Edobei – Bild: Kunstsammlungen & Museen Augsburg

Die Bezeichnung „Ukiyo-e“ be­deutet über­setzt „Bilder aus der flie­ßen­den Welt“. Es han­delt sich über­wie­gend um Farb­holz­schnitte, die vor allem in den Groß­städten Edo (heuti­ges Tokio) und Osaka produ­ziert wurden. Oft als Massen­er­zeug­nisse kon­zi­piert, rich­teten sie sich an ein bür­ger­liches Pub­li­kum. Ihre Motive ent­stamm­ten der All­tags­welt: be­rühmte Schaus­pieler, Kurti­sanen, eroti­sche Szenen, aber auch Stadt­an­sichten, Land­schaf­ten (etwa des Berges Fuji) sowie Tiere und Pflan­zen. Anders als die offi­zielle Male­rei des Shōgunats bedien­ten sich die Ukiyo-e einer leich­teren, zu­gäng­lichen Bildsprache.

Netsuke: Accessoires der Herrenkleidung

Glücksgott Fukurokuju mit Teufelsmaske (Hannya) – Bild: Kunstsammlungen & Museen Augsburg

Netsuke („Aufhänger aus Wurzel­holz“) dienten seit dem 15. Jahr­hun­dert als Gegen­ge­wicht für kleine Be­hält­nisse, die am Gürtel (Obi) be­fe­stigt wurden – da die tra­di­tio­nellen Kimonos keine Taschen hatten. Ge­schnitzt aus Holz, Elfen­bein oder Hirsch­horn, wurden sie im 19. Jahr­hun­dert be­son­ders popu­lär. Für die wohl­habende städti­sche Bürger­schicht wurden sie zum Status­symbol. Die in der Aus­stel­lung ge­zeig­ten Netsuke stammen aus dem 18. und 19. Jahr­hun­dert und sind über­wie­gend aus Elfen­bein, teils aus Holz gefertigt.

Begleitprogramm mit Führungen

Zur Ausstellung werden regelmäßige Turnus­führungen angeboten (sonntags, 16 Uhr, max. 15 Teil­nehmer, Anmeldung an der Kasse des Schaezler­palais). Zusätzlich gibt es drei Sonder­führungen mit Einblick in die Holz­schnitt-Technik, geleitet von Dr. Gregor Nagler (kostenfrei, ebenfalls mit Anmeldung):

· Samstag, 9. Mai, 11–12:30 Uhr
· Samstag, 13. Juni, 11–12:30 Uhr
· Samstag, 11. Juli, 11–12:30 Uhr

Weitere Informationen: www.kmaugsburg.de/ukiyo


Die Ausstellung auf einen Blick

  • Titel: Ukiyo. Japans fließende Welt in Farb­holz­schnitten und Netsuke
  • Laufzeit: 17. April – 19. Juli 2026
  • Ort: Grafisches Kabinett (Schaezlerpalais)
  • Vernissage: Donnerstag, 16. April 2026, 18 Uhr im Schaezlerpalais