„Energiewende-Lüge“: AfD-Politiker kritisiert versteckte Stromsubventionen
Der offizielle Strompreis für private Haushalte in Deutschland pendelt sich 2026 bei durchschnittlich 37,2 Cent pro Kilowattstunde ein. Doch eine aktuelle Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des Augsburger Bundestagsabgeordneten Raimond Scheirich (AfD) wirft ein neues Licht auf diese Zahlen. Die Kernbotschaft: Ohne massive Milliardensubventionen aus Steuermitteln läge der Preis in Wahrheit bei fast 50 Cent.
Von Bruno Stubenrauch
In der politischen Debatte um die Energiekosten meldet sich Raimond Scheirich mit deutlicher Kritik zu Wort. Er spricht von einer „Energiewende-Lüge“ und wirft der Bundesregierung vor, die tatsächlichen Kosten der Energiepolitik vor den Bürgern zu verschleiern. Eine detaillierte Betrachtung der Zahlen gibt der Stoßrichtung seiner Argumentation recht: Der Strompreis, wie er auf der Rechnung erscheint, bildet die tatsächlichen Systemkosten bei weitem nicht mehr ab.
Die 10-Cent-Lücke
Wie aus der Antwort der Bundesregierung hervorgeht, die der DAZ vorliegt, werden zwei massive Kostenblöcke künstlich vom Stromzähler ferngehalten und stattdessen über den Bundeshaushalt finanziert:
1. Die EEG-Umlage: Mit rund 5,95 Cent (inkl. Umsatzsteuer) pro Kilowattstunde schlägt die Herausnahme der Erneuerbare-Energien-Umlage zu Buche. Mit der Umlage wird der Anlagenbau subventioniert.
2. Der Netzentgelt-Zuschuss: Um den massiven Netzausbau für dezentrale Energien abzufedern, bezuschusst der Bund die Übertragungsnetzentgelte im Jahr 2026 mit rund 4,52 Cent (brutto).
Rechnet man diese Posten zusammen, ergibt sich eine Differenz von etwa 10,5 Cent pro Kilowattstunde. „Die Kosten verschwinden nicht. Sie werden nur versteckt“, kritisiert Scheirich. In der Tat: Für einen Durchschnittshaushalt mit einem Verbrauch von 3.500 kWh bedeutet dies eine „unsichtbare“ Subvention von rund 367 Euro pro Jahr.
Milliarden aus dem Haushalt statt vom Stromzähler
Gesamtgesellschaftlich ist die Dimension gewaltig. Bei einem jährlichen Stromverbrauch von ca. 500 Terawattstunden in Deutschland entspricht die Querfinanzierung einer Summe von über 52 Milliarden Euro. Das ist fast so viel wie der gesamte offizielle Verteidigungshaushalt Deutschlands.
Dieses Geld fließt primär aus dem durch die CO2-Abgabe gespeisten und durch eine Grundgesetzänderung um 100 Milliarden Euro „Sondervermögen“ aufgestockten Klima- und Transformationsfonds (KTF) sowie allgemeinen Steuermitteln.
Kritiker wie Scheirich sehen darin eine wettbewerbsverzerrende Intransparenz. Während der Strompreis auf dem Papier sinkt, zahlt der Bürger die Differenz indirekt – etwa über die CO2-Abgabe auf Kraftstoffe und Heizöl oder über seine Einkommensteuer.
Deutschland im Hochpreis-Abseits
Besonders brisant wird die Analyse im internationalen Vergleich. Während Deutschland trotz der Milliardenzuschüsse bei etwa 37 Cent pro kWh verharrt, zahlen Haushalte in Frankreich lediglich zwischen 24 und 28 Cent, in Europa im Schnitt 28,7 Cent. Noch schlimmer sieht es im weltweiten Vergleich aus: In den USA zahlen Haushalte im Schnitt nur etwa 16 bis 18 Cent/kWh, in Kanada und Australien 12 bis 22 Cent/kWh und in China stabil unter 10 Cent/kWh.
Scheirich führt dies auf eine „ideologische Sackgasse“ zurück, fordert mehr „Ehrlichkeit in der Energiepolitik“ und eine Rückkehr zur Kernenergie, um die Grundlast sicher und bezahlbar zu decken.
Fazit für die Verbraucher
Für die Augsburger Haushalte bedeutet die aktuelle Politik zwar eine kurzfristige Entlastung auf der monatlichen Abrechnung. Doch die Analyse der Regierungsantwort zeigt deutlich: Der Preis für die Energiewende ist weitaus höher, als es der Blick auf die Stromrechnung vermuten lässt.
Deutschland leistet sich eine massive Subventionierung des Strompreises, um die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie zu stützen und die Bürger bei den Lebenshaltungskosten zu entlasten. Ohne diese über 50 Milliarden Euro pro Jahr wäre Strom in Deutschland kein „teures Gut“ mehr, sondern für viele Haushalte und Unternehmen kaum noch bezahlbar. Bei einer Vollkostenrechnung könnte die Energiewende vor einer harten Bewährungsprobe in Sachen Zustimmung stehen.
Kommentar „Das ‚Gratis‘-Märchen“

© Raimond Scheirich
Raimond Scheirich, Jahrgang 1990, sitzt seit 2025 für die AfD im Deutschen Bundestag.
Er ist dort Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie. Das Gremium ist für alle Aspekte der Energiewende und die damit verbundenen Fragen des Klimaschutzes sowie für das Thema Energieeinsparung zuständig.
Scheirich ist Diplom-Umweltingenieur und hat zwei Studienabschlüsse: den der Geowissenschaften und der Ingenieurökologie, jeweils an der TU München.
