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Freitag, 17.04.2026 - Jahrgang 18 - www.daz-augsburg.de

Wanderfalken hautnah: Brut am Afraturm im Livestream

Hoch über den Dächern Augsburgs, an der Spitze des Afraturms der Basilika St. Ulrich und Afra, brütet seit rund einer Woche ein Wander­falken­paar. Eine Live-Kamera ermöglicht es, dieses seltene Natur­schau­spiel unmittelbar zu verfolgen – von der Bebrütung der Eier über das Schlüpfen der Küken bis hin zu deren ersten Flug­versuchen. Der Nachwuchs wird für Mitte Mai erwartet.

Von Bruno Stubenrauch

Seit mehreren Jahrzehnten sind Wander­falken am Ulrichs­turm heimisch. Der heutige Horst geht vermutlich auf eine Turm­sanierung in den 1980er Jahren zurück – eine Zeit, in der die Greifvögel in Deutsch­land als stark gefährdet galten. Ihre Ansiedlung war damals ein gezielter Beitrag zum Artenschutz.

Kamera ermöglicht Einblicke ins Brutgeschehen

Die Live-Übertragung zeigt eindrück­lich, wie sich die beiden Eltern­tiere die Brutarbeit teilen. Das Weibchen, größer und kräftiger als das Männchen, übernimmt den Großteil und bebrütet die Eier etwa 60 bis 80 Prozent der Zeit. Das Männchen, der sogenannte Terzel, löst es regelmäßig ab, sodass auch das Weibchen jagen und Nahrung aufnehmen kann. Während der Nacht­stunden bleibt das Weibchen nahezu durchgehend im Horst.

Die Brutdauer beträgt rund 32 bis 35 Tage. Das Schlüpfen der zunächst weiß gefiederten Jungvögel ist daher für Mitte Mai zu erwarten.

Nach dem Schlupf verbleibt das Weibchen zunächst fast ununter­brochen am Nest, um die Küken zu wärmen und zu schützen. Das Männchen übernimmt in dieser Phase die Versorgung der Familie. Im Juli werden die Jungvögel voraus­sichtlich ihre ersten Flug­versuche unter­nehmen – ein weiterer Höhepunkt, der über die Kamera beobachtet werden kann.

Ein positiver Nebeneffekt: Vergrämung der Tauben

Wanderfalken ernähren sich vor allem von kleinen und mittel­großen Vögeln. Dass dabei gelegent­lich auch Tauben geschlagen werden, ist kein gezieltes Vergrämungs­programm. Gleichwohl verändert die Anwesenheit der Greifvögel das Verhalten der Tauben deutlich: Sie meiden die unmittel­bare Umgebung des Horstes und zeigen ein vorsich­tigeres Flugverhalten.

Ein Falkenpaar erbeutet durch­schnittlich ein bis zwei Vögel pro Tag. Eine größere Tauben­population lässt sich dadurch zwar nicht nachhaltig reduzieren, wohl aber zur Abwanderung bewegen.

Unterstützung für das Projekt

Die Betreuung des Horstes sowie der Betrieb der Kamera verursachen laufende Kosten. Wer die Live-Übertragung schätzt und den Schutz der seltenen Greifvögel unter­stützen möchte, kann dies mit einer Spende tun:

Katholische Kirchenstiftung St. Ulrich und Afra Augsburg
IBAN: DE89750903000000114049

Live dabei sein

Die Kamera ist rund um die Uhr erreichbar unter:
https://ulrich-afra-anton.de/wanderfalken